Die „Operation Epic Fury" begann als Angriff auf Irans Atomanlagen und Raketeninfrastruktur, nachdem Israel im Sommer 2025 iranische Nukleareinrichtungen bombardiert hatte und der Konflikt über den Winter eskalierte. Das ursprüngliche US-Ziel — Zerstörung des iranischen Atomprogramms — wurde rasch um weitere Forderungen erweitert: vollständige Öffnung der Straße von Hormus, Entwaffnung der Hisbollah, Ende der iranischen Drohnen- und Raketenproduktion. Ajatollah Ali Chamenei wurde bei Angriffen im März 2026 getötet; sein Sohn Mojtaba übernahm die geistliche Führung.

Der Iran antwortete mit Raketenangriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain, mit Gefechten in der Straße von Hormus und mit der Drohung, die Meerenge vollständig zu sperren. Trotz einer zweiwöchigen Waffenruhe, die am 21. April 2026 auslief, gingen die Kampfhandlungen weiter. Die strategischen Ziele der US-Regierung haben sich dabei erkennbar verschoben: Vom anfänglichen Regime-Change-Impuls hin zur Schadensbegrenzung, die Trump eine innenpolitische Niederlage ersparen soll (WELT-Podcast „Inside USA").

Strang 1: Der Kongress entzieht Kriegsbefugnisse

Das US-Repräsentantenhaus hat eine Resolution verabschiedet, die Trumps Befugnis zur Fortführung des Iran-Krieges einschränkt. Der Schritt ist bemerkenswert, weil er über Parteigrenzen hinweg Unterstützung fand — ein Indiz dafür, dass der Krieg in der US-Innenpolitik an Rückhalt verliert.

Allerdings bleibt der Senat als Hürde. Selbst wenn die Resolution beide Kammern passiert, kann Trump ein Veto einlegen, das nur mit Zweidrittelmehrheit überstimmt werden könnte. Die War-Powers-Resolution von 1973 gibt dem Kongress zwar das Recht, nicht autorisierte Militäreinsätze zu beenden, doch US-Präsidenten haben dieses Instrument seit Jahrzehnten systematisch umgangen. Die Kongressinitiative ist daher weniger ein operativer Stopp als ein politisches Signal: Die innenpolitischen Kosten des Krieges steigen.

Strang 2: Verhandlungen über Pakistan — und die Seeblockade als Knoten

Pakistan hat sich als Vermittler zwischen Washington und Teheran positioniert. Die Verhandlungen drehen sich um drei Kernforderungen: Die USA verlangen die vollständige Öffnung der Straße von Hormus und ein Ende des iranischen Atomprogramms. Der Iran fordert die Aufhebung der US-Seeblockade seiner Häfen, Wiedergutmachung und die Freigabe im Ausland eingefrorener Gelder.

Die Seeblockade ist der zentrale Knoten: Trump hält sie aufrecht, bis eine Einigung steht; Teheran macht ihre Aufhebung zur Vorbedingung für Gespräche. Dieses Dilemma hat die Verhandlungen seit Wochen in einer Schleife gefangen. Trump selbst äußerte sich „unzufrieden" über den Fortschritt, vertagt aber zugleich eine „endgültige Entscheidung".

Irans Verhandlungsbereitschaft ist zusätzlich an eine Bedingung geknüpft, die außerhalb des bilateralen Rahmens liegt: Teheran hat die Gespräche mit den USA ausgesetzt, solange Israel seine Angriffe auf die Hisbollah im Libanon fortsetzt (Bild; Deutschlandfunk). Damit wird der dritte Strang — die Libanon-Waffenruhe — zum Schlüssel für die Iran-Verhandlungen.

Strang 3: Libanon-Waffenruhe — Pilotzonen ohne Hisbollah-Zustimmung

In Washington einigten sich israelische und libanesische Regierungsvertreter in einer vierten Gesprächsrunde auf konkrete Schritte zur Umsetzung der seit April bestehenden, aber „brüchigen" Waffenruhe (BNN; Deutschlandfunk). Kernpunkt: „Pilotzonen" im Südlibanon, in denen ausschließlich die regulären libanesischen Streitkräfte (LAF) die Kontrolle ausüben sollen. Die Hisbollah soll sich aus den Gebieten südlich des Litani-Flusses zurückziehen.

Das Problem liegt in der Umsetzungsstruktur. Israel und der Libanon unterhalten keine diplomatischen Beziehungen und haben nie ein Friedensabkommen geschlossen. Die Hisbollah ist an den Gesprächen nicht direkt beteiligt. Die libanesische Regierung hat nur begrenzten operativen Einfluss auf die Miliz, deren Entwaffnung Teheran als rote Linie behandelt. Eine zehntägige Waffenruhe im April konnte die Kämpfe nicht vollständig stoppen (tt.com; Deutschlandfunk). Experten warnen vor „voreiligem Optimismus".

Gleichzeitig hat Israel seine Bodenoffensive im Libanon ausgeweitet, was die Glaubwürdigkeit der Waffenruhe-Vereinbarung untergräbt und Teherans Bedingung für die Wiederaufnahme der Iran-Verhandlungen unerfüllt lässt.

Die Blockade-Schleife: Warum sich die drei Stränge gegenseitig neutralisieren

Die drei Handlungsstränge wirken nicht kumulativ deeskalierend, sondern blockieren sich in einer zirkulären Abhängigkeit:

Iran verlangt das Ende der israelischen Libanon-Offensive als Vorbedingung für Verhandlungen mit den USA. Israel weitet die Offensive aus, weil die Hisbollah nicht entwaffnet ist. Die Hisbollah ist nicht an den Waffenruhe-Gesprächen beteiligt und hat keinen Anreiz, einseitig abzurüsten, solange der Iran im Krieg mit Israel steht. Die USA halten die Seeblockade aufrecht, bis der Iran verhandelt — der Iran verhandelt aber nicht, solange Israel im Libanon kämpft. Der Kongress kann Trumps Kriegsbefugnisse beschneiden, aber nicht Israels eigenständige Operationen steuern.

Diese Schleife hat eine strukturelle Asymmetrie: Jeder der drei Stränge setzt eine Bedingung voraus, die nur ein anderer Strang erfüllen kann. Ein gleichzeitiges Einlenken aller Akteure wäre nötig — eine Konfiguration, für die es keinen institutionellen Mechanismus gibt.

Einordnung gegen die Demokratie-Achse

Die Kongressresolution gegen Trumps Iran-Kriegsbefugnisse berührt einen Kern demokratischer Kontrolle: die Frage, wer über Krieg und Frieden entscheidet. Seit dem War Powers Act von 1973 hat der US-Kongress seine Kontrollbefugnis über Militäreinsätze faktisch nicht durchgesetzt — Präsidenten beider Parteien haben ihn routinemäßig umgangen. Dass eine parteiübergreifende Mehrheit im Repräsentantenhaus nun eine Einschränkung beschließt, ist ein demokratiepolitisch relevantes Signal, dessen operative Wirkung jedoch davon abhängt, ob der Senat folgt und ob ein präsidentielles Veto überstimmt werden kann.

Im Iran hat die Tötung Chameneis und die Nachfolge durch seinen Sohn Mojtaba die Revolutionsgarden weiter gestärkt. Eine Friedenslösung, die das Regime stabilisiert, müsste sich mit der Frage auseinandersetzen, ob sie damit auch die Repression gegen die iranische Zivilbevölkerung legitimiert — ein Zielkonflikt, der in den bisherigen Verhandlungen nicht adressiert wird.

Was folgt — und was offen bleibt

Die wahrscheinlichste Entwicklung ist weder ein Durchbruch noch eine Großeskalation, sondern ein anhaltender Zustand angespannter Waffenruhen, die regelmäßig brechen — der Spiegel identifizierte dieses Szenario als eines von dreien nach dem Ende der April-Waffenruhe. Die Blockade-Schleife zwischen den drei Handlungssträngen macht einen koordinierten Deeskalationsschritt unwahrscheinlich, solange kein externer Auslöser — etwa ein gravierender Zwischenfall in der Straße von Hormus mit globalen Ölpreisfolgen oder ein innenpolitischer Umschwung in Washington — das Kalkül eines der Akteure verändert.

Drei Variablen verdienen besondere Beobachtung: Erstens, ob der US-Senat die Kongressresolution aufgreift und damit den innenpolitischen Druck auf Trump materiell erhöht. Zweitens, ob Russland — das im Januar 2025 ein Abkommen über eine „allumfassende strategische Partnerschaft" mit dem Iran unterzeichnete und dem Iran seit Kriegsbeginn verdeckt Kampfdrohnen liefern soll — seine Rolle vom stillen Unterstützer zum aktiven Vermittler wechselt. Drittens, ob die „Pilotzonen" im Südlibanon operativ funktionieren, also ob die libanesische Armee tatsächlich die Kontrolle übernimmt und die Hisbollah sich zurückzieht — wovon derzeit wenig spricht.

Die Daten tragen eine nüchterne Lesart: Die aktuelle Lage ist weniger eine „Suche nach Deeskalation" als ein Gleichgewicht wechselseitiger Veto-Positionen, in dem jeder Akteur auf ein Einlenken des anderen wartet, das keiner zuerst anbieten will. Die Einschätzung, dass Russland verdeckt Kampfdrohnen liefert, stützt sich auf Geheimdienstberichte westlicher Dienste, deren Primärquellen nicht öffentlich verifizierbar sind.