Beide untersuchen, wie aus dem Tod Ökosysteme entstehen. Und beide liefern gerade Befunde, die das Konzept der Ökosystemresilienz grundlegend verschieben.

Der Walsturz-Superkorridor

Das Tauchboot Fendouzhe der chinesischen Marine-Forschungsflotte dokumentierte die Fundstellen systematisch. Die Bezeichnung „Walsturz-Superkorridor" beschreibt den Mechanismus: Wenn ein Wal stirbt, sinkt sein Kadaver auf den Meeresgrund – ein Ereignis, das Biologen als „whale fall" bezeichnen. Der Kadaver wird zur Nahrungsgrundlage für spezialisierte Gemeinschaften aus Bakterien, Polychaeten-Würmern und Krebstieren, die über Jahrzehnte auf einem einzigen Kadaver leben können. In der Diamantina-Bruchzone haben sich solche Ereignisse über Millionen von Jahren akkumuliert: Die Schlucht scheint als natürliche Falle zu wirken, die Kadaver aus einem weiten Umkreis konzentriert.

Was die Konservierungsbedingungen betrifft, spielten zwei Faktoren zusammen. Erstens die ungewöhnlich hohe Knochendichte von Schnabelwalen – in der Fauna sind Schnabelwale für die Tieftaucherei optimiert, ihre Knochen sind kompakter als die der meisten anderen Cetaceen. Zweitens eine Schutzschicht aus Eisen-Mangan-Oxid, die sich um einzelne Knochen gebildet hat und den Zerfall erheblich verlangsamte. Das Ergebnis: Knochen von Arten, die längst ausgestorben sind – darunter die Schnabelwal-Gruppen Pterocetus und Izikoziphius –, lagen neben Überresten des heute lebenden Andrew-Schnabelwals und des Layard-Wals. Der Fundort verknüpft 5,3 Millionen Jahre Evolutionsgeschichte auf engstem Raum.

Für die Paläontologie ist das methodisch bedeutsam: Bisher waren weltweit knapp über 70 Walfall-Fundstellen dokumentiert. Die meisten davon wurden zufällig entdeckt, einige durch U-Boot-Manöver, andere durch Schlepptrawler. Ein Superkorridor dieser Dimension erlaubt erstmals statistische Aussagen über Sterberaten, Artenverteilung und Wanderrouten über geologische Zeiträume. Wie sich die Gemeinschaft der Kadaver-Besiedler in den letzten fünf Millionen Jahren verändert hat – und welche Arten mit den ausgestorbenen Walgruppen verschwanden –, ist eine Frage, die jetzt empirisch gestellt werden kann.

Was der Wald mit dem Meeresgrund verbindet

Oberfläche, 7.000 Kilometer nördlicher: In einem mitteleuropäischen Mischwald stirbt eine 200 Jahre alte Buche. Was folgt, ist kein Ende, sondern ein Umschaltpunkt. Rund 20 bis 25 Prozent aller Waldarten sind direkt auf Totholz angewiesen. Allein in Deutschland leben nach Erhebungen des BUND Naturschutz rund 1.400 Käferarten und 1.500 Pilzarten, die ohne Totholz nicht existieren könnten. Der Stamm wird zu einem strukturierten Lebensraum mit Temperatur- und Feuchtigkeitsgradienten, die im umgebenden Bestand fehlen.

Die strukturelle Parallele zum Walfall ist nicht zufällig. Beide Phänomene beschreiben dasselbe ökologische Prinzip: Ein großes Lebewesen stirbt und erzeugt damit für andere Arten Ressourcen, die im lebenden Zustand nicht zugänglich waren. Ökologen sprechen von „nekromasse" – toter Biomasse, die aktiv in lebende Ökosystemfunktionen überführt wird.

Der Waldökologie hat dieses Prinzip eine zweite, weniger sichtbare Dimension erschlossen: die unterirdischen Mykorrhiza-Netzwerke. Pilze bilden Symbiosen mit Baumwurzeln, in denen der Pilz Nährstoffe und Wasser liefert, der Baum dafür Zucker. Was lange als einfache Zweierbeziehung verstanden wurde, ist in Wahrheit ein Netz: Ein einzelner Pilzfaden – das Myzel – verbindet Dutzende von Bäumen unterschiedlicher Arten. Über dieses Netz werden Kohlenstoffverbindungen und Nährstoffe zwischen Bäumen transportiert, was Forschende seit den 1990er-Jahren belegen. Die praktische Konsequenz: Ein Wald mit intaktem Mykorrhiza-Netz ist gegenüber Trockenstress resistenter, weil Ressourcen innerhalb des Netzwerks umverteilt werden. Ein Wald ohne dieses Netz – etwa nach intensiver Bodenbearbeitung oder nach dem Einsatz bestimmter Fungizide – verliert diese Pufferkapazität.

Das Totholz spielt für das Netzwerk eine doppelte Rolle. Erstens als Substrat: Auf und in verrottenden Stämmen gedeihen Pilze, die auch Mykorrhiza-Beziehungen eingehen. Zweitens als Wasserspeicher: Totholz nimmt Wasser wie ein Schwamm auf und gibt es langsam ab – ein Puffer, der in Hitzeperioden die Bodenfeuchte stabilisiert und damit auch die Aktivität der Pilzfäden aufrechterhält.