Das Datum war kein Zufall. Auf den Tag genau hundert Jahre nach dem Tod Antoni Gaudís segnete Leo XIV. den Turm, den Gaudís Pläne vorgesehen hatten, ohne dass er ihn je aufragen sehen konnte. Der Architekt starb am 10. Juni 1926 nach einem Straßenbahnunfall. Die Zeremonie fand in Anwesenheit von König Felipe VI. und Königin Letizia sowie Ministerpräsident Pedro Sánchez statt.
In seiner Predigt nannte Leo XIV. die Basilika ein „sichtbares Zeichen des unsichtbaren Gottes". Er warb zugleich für Mitgefühl mit Migranten und sprach sich gegen Krieg aus – ein unüblich politischer Ton für eine Kirchenweihe.
Den Turmabschluss bildet ein vierarmiges Kreuz aus Stahl und Glas, 17 Meter hoch, knapp 100 Tonnen schwer, gefertigt in Deutschland. Die strukturelle Fertigstellung des Turms war bereits am 20. Februar 2026 abgeschlossen worden. Für die Öffentlichkeit soll das Kreuz als Aussichtsplattform ab 2027 zugänglich sein.
Der Bau der Sagrada Família begann am 19. März 1882. Er wird ausschließlich durch Eintrittsgelder und Spenden finanziert – ohne staatliche oder kirchliche Mittel. 2024 verzeichnete die Stiftung Fundació Junta Constructora Einnahmen von fast 134 Millionen Euro bei 4,9 Millionen Besuchern; das jährliche Baubudget liegt bei 25 Millionen Euro. Die vollständige Fertigstellung der Basilika ist für rund 2035 geplant.
Das Ulmer Münster hielt seinen Rekord als höchstes Kirchgebäude der Welt seit 1890 – 135 Jahre lang.
