Der erste offizielle Abgang steht fest. Ilyes Hamache, Leihrückkehrer ohne Perspektive in Gelsenkirchen, wechselt zu SC Cambuur Leeuwarden in die niederländische Eredivisie. Es ist ein unspektakulärer Transfer – aber er markiert das Prinzip, nach dem Schalke diesen Sommer arbeitet: Kader ausdünnen, Gehaltskosten senken, Lizenzauflagen erfüllen.

33 Spieler stehen derzeit im Kader. Die sportliche Leitung um Vorstand Marc Wilmots und der neu beförderte Direktor Scouting und Transfers, Max Lüftl, haben öffentlich von einem „XXL-Kader" gesprochen, der zwingend schrumpfen muss. Die Rechnung dahinter ist nüchtern: Bei Verbleib in der 2. Bundesliga braucht der Verein einen Transferüberschuss von rund drei Millionen Euro, bei einem Aufstieg immerhin noch zwei. Das sind keine sportlichen Ziele, das sind Lizenzvoraussetzungen.

Wer gehen soll, ist weitgehend bekannt. Neben Leih-Rückkehrern ohne Perspektive wie Martin Wasinski stehen auch Spieler wie Tomas Kalas oder Anton Donkor vor dem Abschied. Christopher Antwi-Adjei verlängert seinen auslaufenden Vertrag nicht. Der Franzose Hamache hat den Wechsel bereits bestätigt.

Auf der Einnahmenseite liegt das größte Potenzial bei zwei Spielern: Moussa Sylla, der Stürmer, und Taylan Bulut, der Innenverteidiger, könnten laut Berichten zwischen acht und 15 Millionen Euro in die Kasse spülen. Sylla hat zwei Abschiedsversuche hinter sich – beide scheiterten. Ob es diesmal klappt, ist offen.

Gleichzeitig wird investiert, selektiv. Satoshi Tanaka, verpflichtet von Fortuna Düsseldorf, ist der erste Zugang für die neue Saison. Junior Adamu folgt. Kapitän Kenan Karaman, der mehrere Angebote abgelehnt hat, bleibt. Das sind keine Signaturen, die den Kader transformieren – es sind Stabilisierungsmaßnahmen für einen Verein, der zuerst überleben und dann aufsteigen will.

Die Gehaltskosten lagen zuletzt bei rund 14,9 Millionen Euro pro Jahr in der 2. Bundesliga, ein geleaktes Ranking vom November 2023 nannte Einzelgehälter zwischen 50.000 und 60.000 Euro monatlich für ausgewählte Spieler. Für einen Zweitligisten ist das eine erhebliche Last. Die Transferbilanz der vergangenen Dekade – 230 Millionen Euro Einnahmen, 208 Millionen Ausgaben, ein Plus von knapp 22 Millionen – klingt solide, verdeckt aber, dass der größte strukturelle Schaden nicht durch schlechte Transferentscheidungen entstand, sondern durch Jahre mit zu hohem Fixkostenblock.


Bayern: Vom Krösus zum Sparfuchs – oder zumindest zum Rechner

Der FC Bayern München hat Jonah Kusi-Asare endgültig zum FC Fulham transferiert – für rund sechs Millionen Euro. Ein Talent, das den Weg in den Kader nicht fand, gegen kalkulierten Erlös. Konrad Laimer steht Berichten zufolge kurz vor einer Vertragsverlängerung, zu einem Gehalt, das nach Angaben der Abendzeitung München niedriger ausfallen soll als zunächst gefordert. Jamal Musiala steht vor der Rückkehr in den Kader. Das Transferfenster der Bayern gleicht im Moment weniger dem eines Titelanwärters als dem eines Vereins, der gerade lernt, mit weniger zu rechnen.

Der Paradigmenwechsel ist real. Nach Jahren, in denen 50 oder 100 Millionen Euro für einen Spieler keine Diskussion auslösten – Lucas Hernández und Benjamin Pavard kosteten zusammen über 100 Millionen –, hat der Verein intern eine neue Linie ausgegeben: keine Neuverschuldung, ausgeglichene Transferbilanz. Das ist kein Gebot der Not wie bei Schalke, sondern eine strategische Entscheidung nach Jahren, in denen die Ausgabendisziplin verloren gegangen war.

Dass Antonio Nusa für rund 50 Millionen Euro gehandelt wird, zeigt: Große Transfers sind nicht grundsätzlich vom Tisch. Aber die interne Schwelle hat sich verschoben. Nathaniel Brown, ein junger Außenverteidiger, wird nicht nur von Bayern, sondern auch von Chelsea und Arsenal umworben – was Bayern zwingt, schnell zu entscheiden oder wieder zuzusehen, wie ein Talent zu einem Premier-League-Klub wechselt.


Zwei Strategien, eine Logik

Die Parallele zwischen Schalke und Bayern liegt nicht in den Summen – die sind inkommensurabel –, sondern in der Erkenntnis, dass Transferausgaben ohne Kontrolle Institutionen destabilisieren. Schalke hat das existenziell erfahren, Bayern intellektuell erkannt.

Der Unterschied liegt in der Freiheit. Bayern kann trotz neuer Sparsamkeit noch immer Spieler für zweistellige Millionenbeträge verpflichten und einzelne Verlängerungen auf Wunschgehalt abschließen. Schalke verhandelt in einem Korridor, der durch Lizenzauflagen definiert wird, nicht durch sportliche Ambition. Die sportliche Leitung kann nicht wählen, wen sie halten will – sie kann allenfalls priorisieren, wer die dringendste Verstärkung darstellt.

Das macht den Schalker Kaderumbau 2025 zu einem Belastungstest für eine These: dass ein Zweitligist mit über 150 Millionen Euro Schulden durch systematisches Kadermanagement – Abgänge generieren, Kader verkleinern, gezielt verstärken – den Aufstieg real halten kann. Lüftls Beförderung zum Direktor Scouting und Transfers ist das institutionelle Signal, dass der Verein diese Arbeit professionalisieren will. Ob das reicht, hängt an zwei Fragen: Findet Sylla einen Abnehmer? Und trägt das, was von Satoshi Tanaka, Adamu und dem verbleibenden Kader übrig bleibt, eine Bundesliga-Saison?

Bei Bayern stellt sich eine andere Frage. Wenn der Verein eine neue Transferdisziplin proklamiert, aber im Wettbewerb um Nathaniel Brown gegen Chelsea und Arsenal verliert, weil er nicht schnell genug entscheidet – ist das Sparsamkeit oder Zögerlichkeit? Die Antwort wird diese Transferperiode noch geben.