Amazon setzte 2025 717 Milliarden Dollar um und schrieb im ersten Quartal 2026 die höchste operative Marge seiner Geschichte. SpaceX setzte 18,7 Milliarden um und verbrannte Geld. Der Markt bezahlte die Story, nicht die Bilanz – und das ist das Problem, gemessen an dem Kriterium, das hier zählt: Effizienz im Sinne realer Wertschöpfung gegen ihre verdeckten Kosten.

Beginnen wir mit dem stärksten Argument der Gegenseite, denn es ist besser als sein Ruf. Wer eine Plattform früh nach dem Umsatz misst, misst falsch. Amazon selbst ging 1997 mit einem Bruchteil seiner heutigen Größe an die Börse und sah jahrelang aus wie eine Geldvernichtungsmaschine, die in Wahrheit ein Logistik- und Cloud-Imperium aufbaute. SpaceX hat ein operativ profitables Segment: Starlink erwirtschaftete 2025 bei 11,4 Milliarden Dollar Umsatz ein operatives Ergebnis von 4,4 Milliarden. Das ist keine Fantasie, das ist Cashflow. Wer auf Orbitalinfrastruktur, ein faktisches Quasi-Monopol beim Start in den niedrigen Erdorbit und die Verflechtung mit KI-Kapazität setzt, kauft eine reale Option auf einen Markt, den klassische Bewertungsmodelle nicht abbilden. Das „Innovation Premium" ist kein Unwort. Manchmal hat es recht behalten.

Nur: Eine Option hat einen Preis, und der ist hier ins Sinnlose entgleist. SpaceX selbst beziffert seinen adressierbaren Markt auf 28,5 Billionen Dollar – eine Zahl, die die gesamte US-Wirtschaftsleistung in den Schatten stellt und damit über sich selbst Auskunft gibt. Analysten sollen eine Verhundertfachung der KI-Umsätze bis 2030 erwarten. Eine Verhundertfachung. Man muss kein Skeptiker sein, um zu bemerken, dass eine Bewertung, die solche Zahlen voraussetzt, nicht mehr Risiko abbildet, sondern Glauben. Der Streubesitz ist gering, die Aktie verlor nach dem Hoch zeitweise rund 20 Prozent, und die ganze Konstruktion hängt an der Erzählung eines einzigen Mannes. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt offen vor einem Investitionscrash, falls die KI-Renditen enttäuschen, und verweist auf „Circular Financing" – Tech-Konzerne, die sich gegenseitig Kapazität abkaufen und so Nachfrage simulieren. Die fünf größten Tech-Konzerne planen zwischen 2025 und Ende 2026 über eine Billion Dollar an KI-Investitionen. Historische Infrastrukturbooms endeten regelmäßig in Überinvestition und schlechten Aktienrenditen. Die Eisenbahn kam, die Aktionäre der dritten Welle gingen unter.

Hier liegt der Kern, und er ist unangenehmer als jede Blasen-Debatte: Selbst wenn die KI-Erzählung trägt, ist sie nicht umsonst. Sie hat eine physische Rechnung, die niemand in die Bewertung einpreist. Rechenzentren verbrauchten 2024 weltweit rund 415 Terawattstunden Strom, etwa 1,5 Prozent des globalen Verbrauchs. Bis 2030 wird ein Anstieg auf 935 Terawattstunden prognostiziert – drei Prozent, Tendenz beschleunigt. KI-Workloads sollen ihren Anteil daran von etwa 20 auf 40 Prozent verdoppeln. Wären Rechenzentren ein Staat, stünden sie 2030 auf Platz sechs der globalen Stromverbraucher. Rund 30 Prozent dieser Energie stammen laut Internationaler Energieagentur noch aus Kohle. Ein einzelnes KI-optimiertes Rechenzentrum zieht so viel Strom wie 100.000 Haushalte. Das Training eines großen Modells emittiert nach einer Schätzung so viel CO₂ wie fünf Autos über ihre gesamte Lebensdauer.

Diese Zahlen tauchen in keinem Kurs-Gewinn-Verhältnis auf. Sie sind das, was Ökonomen externe Kosten nennen: real, messbar, aber von der Bilanz abgekoppelt. Die Börse bewertet den erwarteten Ertrag der KI-Kapazität – sie bewertet nicht den Wasserverbrauch ihrer Kühlung (ein durchschnittliches Google-Rechenzentrum zieht rund 450.000 Gallonen pro Tag) und nicht die Netzaufrüstung, die jemand bezahlen muss. In Großbritannien priorisiert die Regierung KI-Rechenzentren beim Netzanschluss, im US-Kongress wird darüber gestritten, ob die Tech-Konzerne oder die normalen Stromkunden die Aufrüstung tragen. Das ist die eigentliche Effizienzfrage. Nicht: Ist SpaceX 2,75 Billionen wert? Sondern: Wer zahlt die Differenz zwischen privatem Ertrag und gesellschaftlicher Rechnung?

Die Antwort zeichnet sich ab, und sie ist nicht hübsch. Der Gewinn aus der KI-Kapazität konzentriert sich bei einer Handvoll Konzerne und ihren Aktionären. Die Kosten – höhere Strompreise, überlastete lokale Netze, CO₂ aus Kohlestrom, Wasserentnahme in trockenen Regionen – verteilen sich auf Allgemeinheit und Umwelt. Effizienz im Sinne realer Wertschöpfung pro eingesetzter Ressource sieht anders aus. Was hier effizient ist, ist nicht die Technologie, sondern ihre Bilanzierung: Sie schreibt die Erträge dem Eigentümer zu und die Verluste niemandem.

Daraus folgt kein KI-Verbot und kein Abgesang auf SpaceX. Starlink verdient Geld, Orbitalinfrastruktur hat Wert, manche dieser Wetten werden aufgehen. Es folgt eine nüchterne Einordnung: Eine Bewertung von 2,75 Billionen Dollar bei 18,7 Milliarden Umsatz und Milliardenverlust ist keine Bewertung von Leistung, sondern von Erwartung – und die Erwartung verschweigt ihre eigene Stromrechnung. Wer den KI-Boom für nachhaltig hält, muss erklären, woher die 935 Terawattstunden kommen sollen und wer sie zahlt. Solange diese Frage offenbleibt, bewertet die Börse eine Maschine, deren Energiekosten sie aus der Gleichung gestrichen hat.

Die Lücke zwischen 18,7 Milliarden und 2,75 Billionen ist kein Bewertungsfehler. Sie ist eine Wette darauf, dass die physische Welt sich der Erzählung beugt – und die physische Welt hat solche Wetten schon öfter kassiert.