Am 3. Juni 2026 sperrte die Autobahn GmbH des Bundes die Rheinbrücke Bonn-Nord (Friedrich-Ebert-Brücke) der A565 gegen 15 Uhr voll. Grund sind strukturelle Schäden am Tragwerk der linksrheinischen Vorlandbrücke, gebaut 1967 und ausgelegt für weit geringere Lasten als den heutigen Verkehr. Rund 100.000 Fahrzeuge nutzten die Ost-West-Verbindung zwischen dem Autobahnkreuz Bonn-Nord und dem Dreieck Bonn-Nordost täglich, meldete der Spiegel.
Am 19. Juni entschied die Autobahn GmbH: keine Freigabe mehr. Die Vorlandbrücke wird abgerissen und neu gebaut, die Strombrücke ist nicht betroffen. Der Abriss soll im Juli 2026 beginnen, der Neubau bis spätestens Ende 2028 fertig sein — eine Wiedereröffnung davor ist ausgeschlossen, berichtete der Spiegel. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) kündigte einen sofortigen Start des Vergabeverfahrens an und richtete einen Lenkungskreis aus Bund, Land NRW, Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis ein, so der Deutschlandfunk.
Die Sperrung kam nicht aus dem Nichts: Seit dem 9. Februar 2026 galt bereits ein Fahrverbot für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen, wie die Handwerkskammer Köln festhielt. Das Lkw-Verbot verhinderte die weitere Schädigung des Tragwerks nicht.
Der ADAC bezifferte die Folgen: über 50 Millionen Kilometer Umwege für Pkw und 5,5 Millionen für Lkw pro Jahr, ein volkswirtschaftlicher Schaden von mehr als 170 Millionen Euro jährlich — grob eine halbe Million Euro pro Tag. Die Umleitungen führen überwiegend Richtung Köln, rechnete der ADAC vor.
Die Wirtschaft der Region reagierte scharf. Die IHK-Initiative Rheinland sprach von einem Schaden für den Wirtschaftsstandort in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro pro Jahr und forderte ein Sofortpaket für Gastgewerbe, Einzelhandel und Logistik, teilte die IHK mit. Der Bundesverband für Eigenlogistik und Verlader (BWVL) wertete die Sperrung als systemisches Risiko für Lieferketten und Produktionsversorgung, dokumentierte trans.info.
Zur Entlastung koordiniert eine Task Force der Stadt Bonn Gegenmaßnahmen: kostenloser ÖPNV bis Ende Juni 2026, angepasste Verkehrsführungen und zusätzliche Radwege, informierte die Stadt Bonn. Radfahrer und Fußgänger sollen die Brücke voraussichtlich ab Spätsommer 2026 wieder nutzen können, so ZDFheute. Ob der Zeitplan bis Ende 2028 hält und wie belastbar die kurzfristigen Umleitungen sind, lässt sich derzeit nicht beurteilen — konkrete Fernverkehrsrouten über die Empfehlungen der Autobahn GmbH hinaus liegen bislang nicht vor.
