Das Bundesfamilienministerium unter Karin Prien nennt drei Zahlen, die zusammen nicht aufgehen. Die Bezugsdauer sinkt von 14 auf 12 Monate. Der Mindestbetrag steigt von 300 auf 330 Euro, der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro. Und am Ende bleiben dem Bund rund 500 Millionen Euro im Jahr — das ist, laut Deutschlandfunk, der eigentliche Zweck der Übung. Wer 30 Euro mehr Mindestsatz zahlt und trotzdem eine halbe Milliarde spart, hat den Familien mehr weggenommen, als er ihnen gibt. So einfach ist die Rechnung, und so unangenehm.

Das reservierte Argument der Reform verdient zunächst seine beste Form. Frauen beziehen im Schnitt 11,6 Monate Elterngeld, Männer 2,8. Der Anteil der Väter am Bezug lag zuletzt bei 25,9 Prozent — von 1,61 Millionen Beziehern 2025 waren 417.000 Männer, so das Statistische Bundesamt. Diese Schieflage kostet Frauen Karriere, Einkommen und später Rente. Wenn der Staat drei Monate fest für jedes Elternteil reserviert, statt bisher zwei, dann zwingt er Paare in ein Verhandlungsgespräch, das sie sonst umgehen. Das ist ein legitimes Ziel, und die Vätermonate sind das Instrument, das nachweislich wirkt. Das IW Köln sieht darin einen Schritt in die richtige Richtung.

Nur: Für dieses Ziel braucht man die Kürzung nicht. Reservierte Monate erhöht man, indem man reserviert — nicht, indem man das Ganze schrumpft. Die Gleichstellung liefert die moralische Verpackung, das Sparziel den Inhalt. Der Spiegel hat die Diskrepanz auf den Punkt gebracht: Gleichberechtigung ist der Regierung offenbar genau so viel wert, wie sie kostet — und keinen Euro mehr.

Prüfen wir die Reform am Maßstab der sozialen Effizienz: Wo landet der eingesparte Euro, und wen trifft der gestrichene? Die Antwort fällt eindeutig aus, und sie fällt gegen den Entwurf. Zwei Reformschrauben laufen gegeneinander. Die eine, die Absenkung der Einkommensgrenze — von 300.000 Euro vor April 2024 auf 175.000 Euro ab 2025 — trifft Spitzenverdiener und ist sozialpolitisch vertretbar: Wer 175.000 Euro zu versteuern hat, braucht keine staatliche Lohnersatzleistung. Diese Schraube ist die soziale Effizienz in Reinform. Die andere, die Kürzung der Bezugsdauer, trifft alle — und die unten härter als die oben.

Ein Paar mit hohem Einkommen kann sich zwei fehlende Monate leisten oder aus Rücklagen überbrücken. Ein Alleinerziehender mit Mindestbetrag kann das nicht. Für ihn sind 24 Monate zu 330 Euro etwas völlig anderes als 28 Monate zu 300 — nicht abstrakt, sondern an der Miete gemessen. Der Deutsche Familienverband warnt vor genau der Lücke, die zwischen dem Ende des Elterngeldes und dem tatsächlichen Kita-Platz klafft — und diese Lücke wird durch die Kürzung um zwei Monate breiter, nicht schmaler. Wer keinen Betreuungsplatz hat und keine Rücklage, für den ist die Reform kein Anreiz zur Partnerschaftlichkeit, sondern eine Finanzierungslücke mit Datum.

Dazu kommt der Kaufkraftverlust, den die Anhebung kaschieren soll, aber nicht heilt. Seit der Einführung 2007 hat das Elterngeld nach Berechnung des IW Köln rund 31,5 Prozent seiner Kaufkraft verloren — die ZEIT rechnet den Verlust auf inzwischen fast 38 Prozent hoch. Der Mindestbetrag stand achtzehn Jahre lang bei 300 Euro. Die Anhebung auf 330 Euro entspricht zehn Prozent — sie holt also nicht einmal ein Drittel des realen Verlusts auf. Als Inflationsausgleich verkauft, ist das ein Feigenblatt. Was hier als Erhöhung gefeiert wird, ist die verspätete, unvollständige Reparatur eines schon eingetretenen Schadens.

An dieser Stelle der stärkste Einwand gegen meine These. Man kann argumentieren: Der Bund muss konsolidieren, das Elterngeld ist mit knapp acht Milliarden Euro der größte Einzelposten der Familienleistungen, und irgendwo muss gespart werden — warum nicht dort, wo eine Leistung ohnehin überwiegend von Haushalten oberhalb des Medians bezogen wird? Das ist kein schwaches Argument. Es trifft nur den falschen Hebel. Wenn das Ziel Umverteilung nach oben ist, dann ist die Einkommensgrenze das präzise Werkzeug — sie nimmt gezielt denen, die es tragen. Die Kürzung der Bezugsdauer dagegen ist ein Flächenschnitt: Sie spart auch bei denen, die jeden Monat brauchen. Sparen kann sozial gerecht sein. Dieses Sparen ist es nicht, weil es das falsche Instrument wählt.

Die bessere Lösung liegt offen da und kostet den Fiskus wenig. Erstens: Vätermonate erhöhen, ohne die Gesamtdauer zu kürzen — drei reservierte Monate je Elternteil plus die flexiblen Monate lassen sich innerhalb von 14 Monaten organisieren. Die Partnerschaftlichkeit kommt aus der Reservierung, nicht aus der Streichung. Zweitens: Gegenfinanzierung aus der abgesenkten Einkommensgrenze, nicht aus der Bezugsdauer — wer die Grenze auf 175.000 Euro senkt, hat bereits eine Einsparquelle erschlossen, die die soziale Balance wahrt. Drittens: Den Mindestbetrag an die reale Kaufkraft von 2007 koppeln und künftig dynamisieren, damit die nächste Familienministerin nicht wieder achtzehn Jahre lang eine schleichende Kürzung verwaltet. Das DIW Berlin verweist zusätzlich auf das Ehegattensplitting, das die Erwerbsbeteiligung von Frauen bremst — wer Gleichstellung ernst meint, hätte hier einen Hebel mit echtem Volumen, statt bei Familien zu kürzen.

Bleibt der Generationenblick, den der Auftrag einfordert. Die Geburtenrate fiel 2024 auf 1,35 Kinder pro Frau, den niedrigsten Stand seit 1946. Ein Staat, der auf diese Zahl blickt und dann bei der Leistung kürzt, die junge Eltern in den ersten Monaten trägt, betreibt keine Generationengerechtigkeit — er verwechselt sie mit Haushaltskonsolidierung. Generationengerecht wäre, die Rentenlast von morgen mitzudenken, wenn man heute die Erwerbsbiografien von Müttern beschneidet. Wer zwei Monate Elterngeld streicht und dafür Frauen früher zurück in Teilzeit drängt, spart im Familienetat und bezahlt es im Rentenetat — nur eben später und in einem anderen Ressort.

Die Reform ist nicht falsch, weil sie Väter fordert. Sie ist falsch, weil sie das Richtige benutzt, um das Billige zu verkaufen.