Pam Bondi erhielt 2013 eine Spende von 25.000 Dollar aus der Trump Foundation — kurz nachdem ihr Büro als Staatsanwältin von Florida geprüft hatte, ob es sich der bundesweiten Sammelklage gegen Trump University anschließen würde. Es schloss sich nicht an. Gut elf Jahre später vereidigt sie Trump als seine Justizministerin.
Diese eine Episode trägt das Strukturproblem der zweiten Trump-Administration: Die Grenze zwischen persönlicher Loyalität, finanziellem Dankbarkeitsgeflecht und institutioneller Funktion ist an zu vielen Stellen unkenntlich.
Das Kabinett als Loyalitätsbeweis
Trump hat für seine zweite Amtszeit aus dem Scheitern der ersten gelernt — allerdings auf eine Weise, die Kritiker für gefährlicher halten als das Original. Wurde er 2017 noch von republikanischen Parteigrößen umgeben, die gelegentlich Widerstand leisteten, dominieren diesmal Vertraute, die auf seine Loyalitätsprobe bestanden haben.
Susie Wiles, die Wahlkampfmanagerin, ist Stabschefin. Todd Blanche, Trumps persönlicher Strafverteidiger in den Manhattaner Prozessen, wurde Acting Attorney General. Howard Lutnick, Co-Vorsitzender des Übergangsteams und Chef des Finanzdienstleisters Cantor Fitzgerald, ist Handelsminister. John Ratcliffe leitete bereits in der ersten Amtszeit den Geheimdienst-Koordinierungsposten — und sitzt nun wieder dort.
Mehrere Kabinettsmitglieder sind Milliardäre oder Großspender, manche beides. Scott Bessent, der neue Finanzminister, war Hedgefonds-Manager. Die strukturelle Frage ist nicht, ob reiche Menschen schlechte Minister sein müssen — sie ist, wen sie regulieren und wem gegenüber sie Rechenschaft schulden.
Trumps Marktmacht als Instrument
Am 9. April 2025 schrieb Trump auf Truth Social: „THIS IS A GREAT TIME TO BUY!!! DJT." Stunden später kündigte er eine 90-tägige Zollpause an. Der S&P 500 stieg daraufhin um 9,5 Prozent, der Nasdaq um 12,2 Prozent — der größte Tagesgewinn seit Jahren.
Kurz vor dieser Ankündigung hatten auffällig hohe Call-Optionen auf den S&P-500-ETF die Hand gewechselt. Wer sie hielt, verdiente in Stunden ein Vielfaches des Einsatzes. Die SEC hat nach öffentlich bekannten Informationen keine Untersuchung eingeleitet; der Mechanismus bleibt ungeklärt.
Trump selbst hatte den Aktienmarkt seit seiner ersten Amtszeit zur politischen Anzeigetafel erklärt. Steigende Kurse galten ihm als Beweis für die Richtigkeit seiner Politik — was den Anreiz schaffte, kurzfristige Kurseffekte durch Ankündigungen zu erzeugen, unabhängig von ihrem wirtschaftlichen Substrat. Analysten des Marktdatendienstleisters Bespoke Investment Group errechneten, dass Trump für mehr der besten und schlechtesten Handelstage des S&P 500 seit 1981 verantwortlich war als jeder andere Präsident in diesem Zeitraum.
Das Medienunternehmen TMTG (Truth Social) stieg nach Trumps Wahlsieg im November 2024 zunächst um bis zu 35 Prozent. Finanzinstitute wie Goldman Sachs und Caterpillar verzeichneten Anfang 2025 messbare Outperformance. US-Krankenversicherer wie Humana und UnitedHealth legten im April 2025 zu, nachdem die Regierung Medicare-Advantage-Erstattungssätze erhöhte — eine Entscheidung im Verantwortungsbereich von Robert F. Kennedys Gesundheitsministerium.
Was das Recht vorsieht — und wo es fehlt
Das US-Ethiksystem unterscheidet zwischen Präsident und allen anderen Bundesbediensteten scharf. Kabinettsminister müssen Vermögensverhältnisse offenlegen, sich von bestimmten Entscheidungen fernhalten und unterliegen Drehtür-Beschränkungen. Der Präsident tut das freiwillig — oder nicht.
Trump hat die Ethik-Executive-Orders seines Vorgängers Biden aufgehoben, ohne eigene zu erlassen. Seine Kabinettsmitglieder unterliegen damit den allgemeinen Regeln für Bundesbedienstete, nicht den verschärften Standards der Biden-Ära. Das Office of Government Ethics stellt Richtlinien bereit; seine Durchsetzungsmacht ist gering.
Die Emoluments Clause der US-Verfassung — das Verbot, ausländische Zuwendungen ohne Kongresszustimmung anzunehmen — wurde während Trumps erster Amtszeit mehrfach als Hebel versucht. Alle Klagen scheiterten an Fragen der Klagebefugnis, nicht am materiellen Recht. Die verfassungsrechtliche Frage, ob Trumps Hotels und Clubs Zahlungen ausländischer Regierungen empfingen, ist damit juristisch unentschieden.
Gerichte griffen dort ein, wo konkrete Verwaltungsakte überprüfbar waren. Nach Daten der Rechtsdokumentation Just Security entschieden Richter bis Mitte 2025 in 77 Fällen gegen die Trump-Administration, darunter in Fragen zu Einwanderungsvollzug, Behördenauflösungen und Personalentscheidungen. Bemerkenswert: Mehrere dieser Urteile kamen von Trump selbst ernannten Richtern.
Der Supreme Court hatte 2020 im Fall Seila Law entschieden, dass der Präsident den CFPB-Direktor ohne Angabe von Gründen entlassen darf — und damit das Modell unabhängiger Behörden geschwächt. Zugleich hielt er im selben Jahr fest, dass das Federal Reserve Board weiterhin Schutz vor willkürlicher Entlassung genießt. Die Grenzziehung zwischen politisch kontrollierten und wirklich unabhängigen Institutionen ist damit in Bewegung.
Interessenkonflikte, die keine Konsequenzen haben
Ivanka Trump und Jared Kushner verdienten während ihrer Zeit im Weißen Haus nach Offenlegungspflichten über 82 Millionen Dollar — aus Immobiliengeschäften und der Modemarke. Trump selbst soll laut Recherchen allein 2025 über eine Milliarde Dollar aus Kryptowährungsgeschäften eingenommen haben, während seine Regierung den institutionellen Kryptorahmen lockerte.
In der ersten Amtszeit kumulierte CREW, die Nichtregierungsorganisation Citizens for Responsibility and Ethics in Washington, über 3.400 dokumentierte Konflikte zwischen Trumps Präsidentschaftspflichten und seinen privaten Geschäftsinteressen. Er brachte seine Vermögenswerte nie in einen Blind Trust ein.
Innenministerin Elaine Chao nutzte in der ersten Amtszeit Büromitarbeiter für Kontakte zu den Schifffahrtsunternehmen ihrer Familie — ein Fall, der vom Generalinspekteur dokumentiert, aber ohne strafrechtliche Konsequenz blieb. Das Muster ist bekannt: Untersuchungen beginnen, Amtszeiten enden, Konsequenzen bleiben aus.
Was strukturell fehlt
Der Presidential Conflicts of Interest Act, mehrfach eingebracht und nie verabschiedet, hätte Präsidenten zur Steuererklärungsveröffentlichung und zur Veräußerung konfliktbehafteter Vermögenswerte verpflichtet. Er scheiterte jeweils an der Mehrheitsfrage im Kongress.
Das Kernproblem ist kein persönliches, sondern ein institutionelles: Ein System, das auf freiwilliger Normtreue des Amtsinhabers aufbaut, ist gegen jemanden, der diese Normen explizit ablehnt, strukturell wehrlos. Gerichte können Einzelakte kippen; sie können keine Ethikkultur ersetzen.
Drei Monate nach einer Wahl zeigt sich erfahrungsgemäß, welche Regulierungsbehörden aktiv sind — und welche nicht. Die Frage, ob die SEC die Optionsgeschäfte vom 9. April 2025 je vollständig aufgeklärt hat, ist der Prüfstein dafür, ob die bestehenden Mechanismen in dieser Amtszeit überhaupt greifen.
