Zehn Kilometer südöstlich der Sierra de Los Filabres starben Menschen in ihren Autos. Sie hatten falsche Routen gewählt, als das Feuer schneller war als die Evakuierungsanweisungen. Rund 6.600 Hektar verbrannt, über 1.400 Menschen evakuiert, mindestens zwölf tot und 23 vermisst — der schwerste Waldbrand in der Geschichte Andalusiens. Und mutmaßlich ausgelöst durch eine defekte Stromleitung, die in ausgetrocknete Vegetation fiel.

Man könnte jetzt über technisches Versagen reden. Das wäre die bequeme Rahmung.

Die unbequeme lautet: In Spanien wurden die Mittel für Brandprävention seit 2009 um mehr als die Hälfte gekürzt — in einem Land, das gleichzeitig heißer, trockener und brandfähiger wird. 2025 verbrannten in Spanien über 150.000 Hektar; das Jahr war die schlimmste EU-weite Waldbrandsaison seit Beginn der Aufzeichnungen 2006. Der Katastrophenschutzmechanismus der EU wurde 2025 bereits sechzehnmal aktiviert — Spanien bat im selben Jahr erstmals in seiner Geschichte andere Mitgliedstaaten um Hilfe bei der Waldbrandbekämpfung.

Das ist kein Unglück. Das ist eine Entwicklung, die sich über Jahre ankündigt.


Das stärkste Argument für den Status quo lautet: Krisenreaktion funktioniert. RescEU wird ausgebaut — zwölf zusätzliche Löschflugzeuge, sechs Hubschrauber, ein geplantes Ausbildungszentrum. Die EU hat im März 2026 eine integrierte Waldbrandstrategie vorgelegt, die Prävention, Vorsorge, Bewältigung und Wiederherstellung in einem Rahmen fasst. Spanien hat 2021 ein Klimaschutzgesetz verabschiedet, das Klimaneutralität bis 2050 und 42 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 vorsieht. Wer das wegleugnet, macht es sich zu einfach.

Der Europäische Rechnungshof macht es nicht einfach. Sein Sonderbericht 16/2025 hält fest: EU-Mittel fließen nicht systematisch dorthin, wo der Bedarf am höchsten ist. Die Wirksamkeit der Maßnahmen ist unklar. Prävention und Brandbekämpfung werden auch in Andalusien aus EU-Töpfen finanziert — aber das Verhältnis, die Treffsicherheit, der Nachweis: alles offen. Eine Strategie, die niemand konsequent evaluiert, ist ein Dokument.


Das eigentliche Problem liegt tiefer als Flugzeuge und Fördermittel.

Der Klimawandel hat das Risikoprofil europäischer Wälder fundamental verändert. Was Forscherinnen und Forscher eine „neue Ära von Mega-Waldbränden" nennen, ist kein Zufall der Meteorologie — es ist das Ergebnis eines Jahrzehnts falsch gestellter Fragen. Die Frage war: Wie löschen wir schneller? Die richtige Frage wäre: Warum brennt es überhaupt so? Wetterperioden, die Waldbrände begünstigen, waren vor dem Klimawandel extrem selten; heute sind sie nach Berechnungen der World Weather Attribution etwa alle dreizehn Jahre zu erwarten. In Spanien und Portugal hat der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit von Extremfeuern um das bis zu Vierzigfache erhöht.

Auf diese Verschiebung antwortet die Politik mit Löschflugzeugen. Das ist keine falsche Antwort. Es ist eine unvollständige.

Was fehlt, ist die strukturelle Seite: Waldlandschaften, die durch Monokultur und Landflucht brandanfällig geworden sind, brauchen aktive Bewirtschaftung — Diversifizierung der Baumarten, Reduktion der Brandlast, Wiederaufforstung mit feuerfesteren Arten. Siedlungsplanung in Risikogebieten braucht verbindliche Abstände und Materialstandards, nicht Empfehlungen. Hitzeschutz für vulnerable Bevölkerungsgruppen wird in Spanien je nach Provinz unterschiedlich umgesetzt — die WHO hat diesen Flickenteppich 2026 erneut kritisiert. Und all das sind Maßnahmen zweiten Ranges, solange die Emissionen nicht sinken: Prävention gegen Waldbrände ohne Klimaschutz ist Symptombehandlung mit Mehraufwand.


Pedro Sánchez hat angekündigt, einen „Pakt gegen den Klimanotstand" zu erarbeiten. Die Opposition — Partido Popular und Vox — betrachtet Klimaschutzmaßnahmen teilweise als ideologisch, Vox leugnet den menschengemachten Klimawandel. Das ist keine spanische Kuriosität: Dieselbe politische Logik, die Präventionsmittel kürzt und Klimaschutz als Kostenposten betrachtet, findet sich in mehreren EU-Mitgliedstaaten. Sie zahlt ihre Rechnung in Hektar und Menschenleben.

Das Kriterium, an dem Waldbrandpolitik gemessen werden muss, heißt politische Handlungsfähigkeit angesichts eskalierender Umweltkrisen. Gemessen daran ist der EU-Rahmen besser als sein Ruf — und die nationale Umsetzung schlechter als nötig. Die Diskrepanz zwischen Strategie-Papier und Haushaltsentscheidung ist das Politikversagen, nicht das Fehlen der Strategie.

Zwölf Tote in Andalusien sind eine Zahl. Dahinter liegt ein Muster: gekürzte Prävention, unzureichend evaluierte EU-Mittel, Hitzeschutzpläne, die vom Postleitzahlenglück abhängen, und eine politische Debatte, die noch immer zwischen Löschen und Nichtstun pendelt. Das Feuer pendelt nicht — es eskaliert.