15. Juni 2026 — Vance verkündete die Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding mit dem Iran. Das Dokument sieht ein 60-tägiges Verhandlungsfenster vor: Waffenstillstand, Wiedereröffnung der Straße von Hormus, Einfrierung des Atomprogramms. Im Gegenzug wurden US-Ölsanktionen teilweise aufgehoben. Ein Wiederaufbaufonds von 300 Milliarden US-Dollar soll aus Golfstaaten finanziert werden.

22. Juni 2026 — Vance erläuterte einen neuen Deeskalationsmechanismus für den Libanon: Die libanesische Armee soll koordiniert vorgehen, der Iran die Hisbollah einzudämmen. Der Iran wird zum Beitrag aufgefordert, andernfalls würden Sanktionen zurückkehren.

Ende Juni 2026 — Vance sagte öffentlich, die Ölpreise würden weiter sinken, hob hervor, dass sie fast wieder auf Vorkriegsniveau lägen, und nannte einen Benzinpreis unter vier US-Dollar je Gallone als sichtbares Ergebnis.

4. Juli 2026 — Rede in New York zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeit. Vance wies Kritik an den USA zurück und inszenierte sich als Verteidiger amerikanischer Identität.

8. Juli 2026 — Rede in Milwaukee über die Arbeit einer parteiübergreifenden Anti-Betrugs-Taskforce zur Bekämpfung von Staatsverschwendung im Medicaid-Programm.

15. Juli 2026 — In einem Podcast von Joe Rogan behauptete Vance, Elemente der israelischen Regierung hätten eine „diskret, extrem gut finanzierte Kampagne" gegen ihn betrieben, um das Iran-Abkommen zu sabotieren. Er nannte einen früheren Wahlkampfmanager Trumps als mögliche Verbindung zu israelischem Geld. Am selben Tag nahm er am Lucerne Summit teil und verteidigte Diplomatie, die durch militärische Stärke untermauert wird — gemeinsam mit dem iranischen Außenminister.

16. Juli 2026 — Zweite Kontroverse desselben Tages: Im selben Podcast-Umfeld behauptete Vance, Jeffrey Epstein habe Verbindungen zu Geheimdiensten in den USA und Israel, und deutete Kontakte zu „linksliberalen Elementen des israelischen Deep State" an. Belege nannte er keine. Später räumte er einen Fehler im Zusammenhang mit den Epstein-Akten ein.


Bilanz

Wohin läuft die Person?

Vance verfolgt eine erkennbare Strategie der außenpolitischen Selbstprofilierung. Er positioniert sich als Gegenpol zur Falken-Fraktion in Trumps Umfeld, als Pragmatiker, der Kriege beendet statt anzuzetteln. Die Reise nach Luzern, die öffentliche Verteidigung des Iran-Abkommens, die Drohung an Israel — das sind keine Routineauftritte eines Vizepräsidenten, das ist Bewerbungsmaterial für 2028. Innerhalb der Republikanischen Partei verläuft dabei ein neuer Bruch: Jüdische Konservative wenden sich ab und setzen laut Berichten stärker auf Marco Rubio. Vance verliert rechts-außen an Vertrauen, baut sich aber als außenpolitisches Gegengewicht auf. Ob das trägt, hängt davon ab, ob das Iran-Abkommen hält.

Echter Beitrag

Das Memorandum of Understanding mit dem Iran vom 15. Juni 2026 ist das substanzielle Ereignis des Zeitraums. Vance hat es verteidigt, kommuniziert und in Luzern für das Verhandlungsformat eingestanden. Das Abkommen enthält überprüfbare Elemente: den Deeskalationsmechanismus für den Libanon, die schrittweise Sanktionsaufhebung, die IAEA-Überprüfung. Wird es umgesetzt, ist das ein messbarer Beitrag zur Beendigung eines Kriegs. Auf der Innenpolitik leitete Vance die Anti-Betrugs-Taskforce zu Medicaid-Betrug — kleinteilig, aber belegt und potenziell wirksam.

Irrelevantes

Die Rede zum Unabhängigkeitstag und der Auftritt in Milwaukee gehen nicht in die Geschichte ein. Die Viertelstunde in der Wahlkampftour für die „One Big Beautiful Bill" in Ohio — Steuererleichterungen auf Trinkgelder, erhöhte Standardabzüge — war Regierungsroutine. Vance brachte in diesem Zeitraum keine eigene Gesetzesinitiative ein; er warb für fertige Gesetze anderer.

Pose und Klamauk

Zwei Auftritte fallen in diese Kategorie, und beide haben eine konkrete Szene als Anker:

Der Epstein-Auftritt im Rogan-Podcast am 16. Juli. Vance behauptete Verbindungen Epsteins zu Geheimdiensten in zwei Ländern, deutete einen israelischen Deep State an — und ließ jede Quellenangabe weg. Später räumte er einen Fehler bei den Epstein-Akten ein. Das ist kein außenpolitischer Beitrag, das ist Signalpolitik für ein Publikum, das Verschwörungserzählungen schätzt.

Die zweite Szene ist unscheinbarer, aber symptomatisch: Vance erwähnte im selben Podcast-Kontext, seit seinem Amtsantritt nicht mehr selbst eingekauft oder gekocht zu haben — Regierungsmitarbeiter erledigten das. Für einen Politiker, der sich als Stimme der Arbeiterklasse versteht und dessen Buch „Hillbilly Elegy" die Armut im ländlichen Ohio beschreibt, war das eine unfreiwillige Selbstentlarvung. Sein Büro konnte die Bemerkung nicht einholen.

Die Einflussnahme-Behauptung gegen Elemente der israelischen Regierung hat einen anderen Charakter: Der Vorwurf mag zutreffen — ein ehemaliger Trump-Wahlkampfmanager soll mit einer von Israel finanzierten Influencer-Kampagne in Verbindung stehen. Aber Vance ließ offen, wen genau er meint, welche Belege er hat und warum er das im Rogan-Podcast statt über offizielle Kanäle kommuniziert. Das Gemisch aus begründetem Verdacht und ungeprüfter Behauptung ist das Problem — nicht der Verdacht selbst.