Der FIFA-Haushalt sieht Ausgaben von 12,9 Milliarden US-Dollar vor, ein Großteil davon in die Mitgliedsverbände und Entwicklungsprogramme. Über 89 Prozent des Nettoerlöses, so die FIFA, fließen zurück in den Fußball.

Das klingt nach Bilanz. Es ist eine Rechtfertigung.

Das stärkste Argument für Infantino lautet so: Die FIFA hat den Fußball globalisiert, kleine Verbände finanziert, Spielerinnen gefördert, Entwicklungsländern Zugang verschafft. Das FIFA-Forward-Programm überweist Geld an Verbände, die ohne diesen Transfer schlicht nicht existieren könnten. Wer die FIFA-Einnahmen kritisiert, kritisiert implizit auch diese Umverteilung. Das ist nicht nichts.

Aber dieser Einwand trägt nur, wenn man nicht fragt, womit der Preis bezahlt wird.

Die WM 2026 umfasst 48 Teams und 104 Spiele. Infantino hat öffentlich darüber nachgedacht, das Format für 2030 auf 64 Teams zu erweitern – ein Turnier, das ohnehin schon auf drei Kontinente und sechs Länder verteilt ist, 44 Tage dauern würde und damit das längste der Geschichte wäre. Die Eröffnungsspiele in Südamerika sollen vier bis fünf Tage vor der offiziellen Eröffnung stattfinden; manche Teams hätten danach fast zwei Wochen Pause bis zum zweiten Gruppenspiel. Das ist kein Sportformat. Das ist eine Logistikübung mit Trikots.

LaLiga, European Leagues und FIFPRO Europe haben das im Oktober 2024 bei der Europäischen Kommission als das bezeichnet, was es ist: Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung, Verstoß gegen Artikel 101 und 102 AEUV. Die FIFA entscheide den Kalender eigenmächtig, stelle kommerzielle Interessen über Spielergesundheit und Ligastabilität, agiere gleichzeitig als Verband und als Turnierbetreiber – ein Interessenkonflikt, den kein anderes Marktsubjekt in Europa so offen pflegen dürfte.

Javier Tebas, Präsident von LaLiga, nennt die FIFA-Entscheidungen eigennützig und zum Nachteil des Fußballs. Das ist die mildere Formulierung.

Die härtere lautet: Die FIFA verkauft Fußball, indem sie ihn zerstört. Die Spieler, die das Produkt tragen, werden mit einem Kalender belastet, der keine Regeneration mehr erlaubt. Katar hat für das Privileg, eine WM auszurichten, schätzungsweise 220 Milliarden US-Dollar ausgegeben; die FIFA selbst hat dafür rund 1,7 Milliarden US-Dollar aufgewandt. Die Asymmetrie ist das Geschäftsmodell: Der Verband kassiert die Rechte, die Kosten trägt jemand anders – der Gastgeberstaat, die Ligen, die Spieler.

Das Bewertungskriterium dieses Kommentars ist die Effizienz-Achse in ihrer strengsten Form: Was gibt eine Institution aus, und wer zahlt den nicht gebuchten Teil der Rechnung? Die FIFA bucht die Einnahmen, externalisiert aber die Kosten – auf Spielerkörper, auf nationale Ligen, auf Steuerzahler in Gastgeberländern. Das ist keine Umverteilung; das ist Arbitrage mit Monopolrente.

Genau hier liegt die politische Aufgabe europäischer Regierungen, die diesen Kommentar beschäftigt. Die EU-Kommission hat die Beschwerde von LaLiga und FIFPRO Europe erhalten. Ob sie ein Verfahren einleitet, ist offen. Aber das kartellrechtliche Instrument existiert: Art. 102 AEUV verbietet den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. Die FIFA ist ein Monopol; sie kontrolliert den Zugang zu Weltmeisterschaften, und sie setzt den Kalender, nach dem alle anderen sich richten müssen. Ein Verband, der gleichzeitig Regulator und Veranstalter ist, ohne dass eine unabhängige Instanz seine Beschlüsse überprüft, ist ein Fall für genau dieses Recht.

Die Alternative ist, zuzuschauen.

Die Einnahmen steigen. Die Spiele werden mehr. Die Spieler werden kürzer.