Am 28. Februar 2026 begann die US-Armee ihren Einsatz gegen den Iran. Seitdem sind 17 US-Soldaten gefallen, über 100 wurden verletzt. Die Kosten kletterten von 25 Milliarden Dollar Ende April auf 29 Milliarden Mitte Mai – und stehen jetzt bei 37,5 Milliarden. Die Kurve zeigt keine Abschwächung.

Hegseth hat den Kongress um 67 Milliarden Dollar gebeten, um den Betrieb bis Ende des Haushaltsjahres am 30. September zu sichern. Zusammen mit weiteren Posten der Trump-Regierung ergibt sich ein Gesamtpaket von knapp 88 Milliarden Dollar. Was bisher nur als politische Zahl existierte, ist inzwischen mit Posten unterlegt: 21 Milliarden Dollar für Munition und militärische Ausrüstung, 17,3 Milliarden für laufende Operationskosten. Dazu kommen 12,1 Milliarden für Programme, die das Pentagon nicht öffentlich aufschlüsselt.

Der Haushalt als Maßstab

Zum Vergleich: Der beantragte reguläre Verteidigungsetat für das Haushaltsjahr 2027 beläuft sich auf 1,5 Billionen Dollar. Die Kriegskosten von 37,5 Milliarden entsprechen damit rund 2,5 Prozent dieses Wertes. Gemessen am laufenden Etat wirkt die Summe beherrschbar. Gemessen an der Geschwindigkeit, mit der sie gewachsen ist – von 25 auf 37,5 Milliarden in weniger als drei Monaten –, ergibt sich ein anderes Bild.

Hegseth selbst warnte den Senat, ohne zusätzliche Mittel drohe das Pentagon in ernsthafte Engpässe zu geraten: bei Soldzahlungen, bei Ersatzmaterial, bei der Einsatzbereitschaft. Gleichzeitig hielt er Berichte über leere Waffenlager für übertrieben. Beides lässt sich mit dem vorliegenden Material nicht abschließend prüfen – die Differenz bleibt offen.

Senatorin Jeanne Shaheen hält dem entgegen, dem Pentagon stünden noch 75 Milliarden Dollar an gebundenen, aber nicht abgerufenen Mitteln zur Verfügung. Ob diese Mittel den Iran-Operationen zugeschlagen werden können oder bereits anderen Zwecken reserviert sind, hat die Regierung nicht öffentlich beantwortet.

Kongressarithmetik

Das Repräsentantenhaus hat das 95-Milliarden-Paket am 22. Juli 2026 mit 216 zu 214 Stimmen gebilligt. Alle Demokraten stimmten dagegen, die Republikaner geschlossen dafür. Zwei Stimmen trennen die Mehrheit von einer Blockade.

Senatorin Patty Murray spricht von einem „endlosen Krieg", Senatorin Kirsten Gillibrand kritisiert widersprüchliche Aussagen zur Lage im Iran. Auch republikanische Senatoren wie John Kennedy haben öffentlich Transparenz eingefordert – nicht die Mittel verweigert, aber Rechenschaft verlangt. Die Abstimmungsarithmetik zeigt, wie wenig Spielraum die Regierung im Kongress hat, wenn sie nachfordert.

Eine unabhängige Kostenbewertung fehlt bisher. Der demokratische Abgeordnete Brendan Boyle hat das Congressional Budget Office im März 2026 um eine Analyse der wirtschaftlichen und haushaltspolitischen Folgen des Iran-Kriegs gebeten. Eine Antwort liegt – soweit öffentlich bekannt – noch nicht vor. Was das CBO typischerweise liefert: eine Mehrjahres-Projektion der Folgekosten, eine Einschätzung der Schuldenentwicklung und eine Sensitivitätsanalyse für unterschiedliche Kriegsverläufe. Ohne diesen Befund fehlt dem Kongress ein neutrales Instrument, um die Regierungsangaben zu prüfen.

Was die Zahlen zeigen – und was nicht

Ankündigung September 2025: Der Konflikt werde auf wenige Wochen begrenzt bleiben. Tatsächliche Dauer bis Ende Juli 2026: fast fünf Monate.

Das ist kein Urteil über die Entscheidung, den Krieg zu führen. Es ist die Differenz zwischen Prognose und Vollzug, die das Budget-Problem erzeugt. Keine der bisherigen Kostenschätzungen –,5 Milliarden – war stabil. Jede folgende Schätzung lag höher.

Ob die 67 Milliarden die tatsächlichen Kosten bis September decken, hängt von Faktoren ab, die das Pentagon nicht vollständig kontrolliert: Einsatzintensität, Verlustrate bei Präzisionswaffen, Logistikkosten in der Region. Die Lücke zwischen Hegseth-Angaben und Shaheen-Gegenrechnung – 75 Milliarden nicht abgerufene Mittel versus drohende Engpässe – ist bisher ungeklärt.

Korridor der nächsten Wochen

Ob die Eskalationslogik durch finanzielle Grenzen gebremst wird, zeigt sich bis Ende September: Wenn der Kongress die 67 Milliarden ganz oder in Teilen verweigert, muss das Pentagon laufende Operationen gegen andere Haushaltspositionen abwägen. Wenn die CBO-Analyse erscheint, bekommt der Kongress eine externe Zahl – und das Stimmenverhältnis von 216 zu 214 könnte sich neu kalibrieren. Bleibt die Analyse aus, entscheidet der Kongress weiterhin ohne unabhängige Grundlage.