In der Sagaing Region, im Zentrum des Landes, griffen Kampfflugzeuge im Februar 2026 eine Gruppe vertriebener Menschen an. Unter den Toten waren Mönche, Kinder und Dorfbewohner – Menschen, die bereits einmal geflohen waren. Der Angriff folgte einem erkennbaren Muster: zwei bis fünf Maschinen, präzise auf ein einzelnes Ziel ausgerichtet, keine Streuung wie bei früheren Flächenbombardements.

Diese Präzision ist keine Mäßigung. Sie ist eine taktische Umstellung.

Seit dem Putsch im Februar 2021 hat das Militär, bekannt als Tatmadaw, nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen und der Bundesregierung mehr als 7.700 Zivilisten getötet. Die Zahl der Luftangriffe stieg 2025 auf ein Rekordniveau – laut einem UN-Bericht 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig schrumpfte das tatsächlich kontrollierte Staatsgebiet: Ende 2025 hielt die Junta nach Schätzungen noch etwa 30 Prozent des nationalen Territoriums, konzentriert auf das ethnische Kernland der Bamar, die Hauptstadt Naypyidaw, Mandalay und Yangon.

Versprochen waren funktionierende Wahlen; abgeliefert wurde im Dezember 2025 ein Prozess, den internationale Beobachter als weder frei noch fair noch inklusiv bewerteten.

Der Kontrollverlust als Antrieb der Gewalt

Wie die Junta die schwindende Territorialkontrolle kompensiert, zeigt die Kombination aus Frequenz und Zielwahl. Schulen, Krankenhäuser und religiöse Einrichtungen gelten formell als geschützte Objekte – faktisch wurden sie zu Zielen. Im Mai 2025 starben bei einem Luftangriff auf eine Schule in Sagaing 22 Kinder und zwei Lehrer. Solche Angriffe erfüllen keine klassische Geländefunktion; sie unterbrechen das zivile Leben in Gebieten, die das Militär nicht länger mit Bodentruppen sichern kann.

Die Umstrukturierung der Militärführung im März 2026 verschärfte dieses Muster. ACLED dokumentierte seither einen regelmäßigen Einsatz spezialisierter Jet-Kampfgruppen; im ersten Halbjahr 2026 zählte die Organisation über ein Dutzend Massenhinrichtungen mit mehr als 450 zivilen Opfern, ein Großteil davon in der zentralen Trockenregion Anyar. Im Mai 2026 überfielen hunderte Militärangehörige Myit Chay Township, töteten mindestens 40 Zivilisten und plünderten Hab und Gut.

Parallel dazu ergänzen günstigere Waffensysteme das Arsenal: Paramotoren – bemannte motorisierte Gleitschirme, die Mörsergranaten abwerfen können – erfordern weniger Ressourcen als Kampfflugzeuge. Bewaffnete Drohnen und Gyrocopter kommen hinzu. Die Logik dahinter ist ökonomisch: Ein Militär, das an Fläche und Personal verliert, versucht die Wirkung der Gewalt durch niedrigschwellige Waffen aufrechtzuerhalten.

Die Grenzen internationaler Reaktion

Von außen kamen Verurteilungen und begrenzte Druckmittel. Die EU verabschiedete die Resolution A/HRC/61/L24, die Angriffe auf Zivilisten verurteilt und Staaten auffordert, Waffenlieferungen an das Militär einzustellen. Die Vereinten Nationen haben einen unabhängigen Untersuchungsmechanismus eingerichtet, der Beweise für internationale Verbrechen sammelt und Strafverfolgungen vorbereiten soll. ASEAN hält am Fünf-Punkte-Konsens fest, einem Rahmenwerk, das 2021 vereinbart und seither von der Junta konsequent ignoriert wurde.

China und Russland liefern weiterhin Waffen, Militärausrüstung und politische Unterstützung; im UN-Sicherheitsrat blockieren sie weitergehende Maßnahmen. Die Crisis Group formulierte im März 2026 die Diagnose, dass nach den Scheinwahlen eine Neukalibrierung diplomatischer Ansätze nötig sei – ohne dass eine operativ wirksame Alternative benannt wurde.

Das schwere Erdbeben vom März 2025 hat die humanitäre Lage weiter verdichtet: Infrastruktur und Wohnraum wurden zusätzlich zerstört, die Zahl der Binnenvertriebenen lag Ende 2025 bei über 3,5 Millionen, mit Projektionen über 4 Millionen bis 2026.

Was die nächsten Monate zeigen werden

Ob die taktische Umstellung auf spezialisierte Luftangriffe die militärische Lage der Junta stabilisiert oder lediglich den Druck auf die Zivilbevölkerung erhöht, ohne territorialen Zugewinn zu erzielen, lässt sich an zwei Indikatoren ablesen: erstens an der Entwicklung der ACLED-Fallzahlen für das zweite Halbjahr 2026 – steigen sie weiter oder flachen sie ab; zweitens an der Frage, ob die Widerstandsgruppen und ethnischen bewaffneten Organisationen ihre Kontrolle über Versorgungslinien in der zentralen Trockenzone ausweiten können. Gelingt ihnen das, verliert die Junta den einzigen Hebel, den sie noch hat: die Erreichbarkeit jener 30 Prozent, die sie noch hält.