Am 21. Juli 2026 saß Pete Hegseth vor dem Senatsausschuss für Zuweisungen und lieferte eine Zahl: 37,5 Milliarden Dollar. Das sei der Preis für „bestimmte Aspekte" des Iran-Kriegs, wie Hegseth es formulierte – eine Einschränkung, die selbst erklärt, dass die Gesamtrechnung offenbleibt. Der Haushaltsdirektor des Weißen Hauses hatte kurz zuvor von rund 30 Milliarden gesprochen. Welche Posten in der Differenz liegen, ist nicht öffentlich.

Die 37,5 Milliarden beinhalten Personalzahlungen bis zum 30. September, operative Ausgaben und erwartete Folgekosten – eine Momentaufnahme, keine Schlussrechnung. Zum Vergleich: Der Irakkrieg kostete die USA im ersten Jahr rund 51 Milliarden Dollar, der Afghanistan-Einsatz in zwanzig Jahren insgesamt etwa 2,3 Billionen. Der Iran-Krieg läuft seit fünf Monaten.

Was der Nachtragsantrag sagt

Parallel zur Anhörung liegt dem Kongress ein Nachtragsantrag von insgesamt 87,6 Milliarden Dollar vor, davon 67,1 Milliarden für Verteidigungsausgaben. Die Aufschlüsselung, die Breaking Defense aus dem Weißen Haus-Schreiben an Repräsentantenhaus-Sprecher Mike Johnson rekonstruierte, zeigt die operative Logik:

21 Milliarden Dollar entfallen auf die Wiederauffüllung verbrauchter Munition – der größte Einzelposten. Dahinter folgen 12,1 Milliarden für klassifizierte Programme, deren Zweck nicht öffentlich gemacht wird, 5,1 Milliarden für Cybersicherheit und autonome Systeme, 4 Milliarden für Luftzielerfassung und Netzwerkinfrastruktur sowie 2,4 Milliarden für Drohnen. Für die „vollständige und überprüfbare Beendigung der Fähigkeit Irans, eine Atomwaffe zu entwickeln", sind 768 Millionen Dollar ausgewiesen – weniger als zwei Prozent des Gesamtantrags.

Dieser Befund trägt eine Frage: Wenn das erklärte Kriegsziel die nukleare Abrüstung des Iran ist, warum fließen fast neunzig Prozent der Mittel in Munition, verdeckte Programme und neue Waffensysteme statt in Verifikation und Diplomatie?

Das Weiße Haus argumentiert gegenüber skeptischen Abgeordneten mit nationaler Sicherheit und wirtschaftlichem Schutz: Die Sanktionen hätten die iranische Finanzierung terroristischer Stellvertreter unterbrochen, die Militärangriffe hätten das Atomprogramm „erheblich degradiert". Unabhängige Experten haben an beiden Behauptungen Zweifel angemeldet – das genaue Ausmaß der Zerstörung nuklearer Kapazitäten ist nicht öffentlich verifiziert.

Die Meerenge als Maßstab

Am 13. Juli kündigte Trump die Wiederaufnahme der Seeblockade gegen iranische Häfen an und forderte zwanzig Prozent des Frachtwertes als Transitgebühr für die Straße von Hormus. Laut Kpler-Daten passierten an diesem Tag vierzehn Schiffe die Meerenge – das war der niedrigste Wert des Monats. Vor Kriegsbeginn waren es täglich über hundert.

Zehn Tage später, am 23. Juli, sank die Zahl auf einen einzigen Tanker. In die entgegengesetzte Richtung fuhr keines.

Die Straße von Hormus ist keine beliebige Wasserstraße. Durch sie floss vor dem Krieg rund ein Fünftel des globalen Erdölverbrauchs und etwa ein Fünftel des weltweiten Flüssigerdgashandels. Der Rückgang auf nahezu null bedeutet nicht, dass dieses Öl nicht mehr gesucht wird – es bedeutet, dass es anders oder gar nicht bewegt wird, zu höheren Kosten, mit längeren Wegen.

Der Brent-Preis spiegelt das: Fast 92 Dollar pro Barrel Ende Juli 2026. Goldman Sachs hat für das vierte Quartal einen Anstieg über 120 Dollar modelliert. Diese Preisentwicklung ist keine Randgröße der US-Kriegsbilanz – sie wirkt direkt auf die amerikanische Inflationsrate zurück und damit auf die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen der Federal Reserve.

Seit dem 28. Februar kamen 18 US-Soldaten ums Leben, zusätzlich mindestens 14 zivile Seeleute durch Angriffe in der Straße von Hormus.

Zwei Rechnungen, ein Widerspruch

Die Trump-Administration begründet ihre Iran-Politik mit dem Konzept des maximalen ökonomischen Drucks: Sanktionen, die die iranische Wirtschaft austrocknen, kombiniert mit militärischem Nachdruck. Die Logik war, dass wirtschaftlicher Kollaps politisches Einlenken erzwingt.

Versprochen war eine Strategie, die sich selbst finanziert – maximaler Druck bei minimalen US-Kosten. Die tatsächlichen Zahlen: 37,5 Milliarden in fünf Monaten, ein Nachtragsantrag von weiteren 67,1 Milliarden, Ölpreise, die amerikanischen Haushalten teurer kommen als ein funktionierender Tankerverkehr es täte.

Der stärkste Einwand gegen diese Einordnung lautet: Das Ausschalten des iranischen Atomprogramms hat seinen Preis, und ein nuklear bewaffneter Iran hätte langfristig weit höhere Kosten – für die USA, für Israel, für die Proliferationsarchitektur insgesamt. Irans Vorrat an hochangereichertem Uran lag zuletzt bei mehr als dem Zweiundzwanzigfachen des Limits des Abkommens von 2015. Die Bedrohung war real.

Diese Abwägung trägt das Problem aber nicht vollständig: Ob die bisherigen Angriffe das Atomprogramm tatsächlich dauerhaft neutralisiert haben oder ob sie es beschleunigt haben – durch unterirdische Verlagerung, durch den Wegfall von Kontrollinspektoren, durch den politischen Anreiz zur Abschreckung –, ist aus offenen Quellen nicht beantwortbar. Die 768 Millionen Dollar für Verifikation im Nachtragsantrag legen nahe, dass Washington selbst keine gesicherte Antwort hat.

Senatorin Patty Murray sprach im Ausschuss von „dummen Kriegsausgaben" und lehnte eine „Blankovollmacht" ab. Konservative Abgeordnete störte, dass der Antrag keine kompensierenden Haushaltskürzungen vorsieht. Die Koalition der Skeptiker ist fiskalisch, nicht strategisch geeint – was sie eint, ist die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Was die nächsten Monate zeigen werden

Der Kongress entscheidet in den kommenden Wochen über den 67,1-Milliarden-Antrag. Drei Indikatoren werden zeigen, ob die Strategie trägt: erstens, ob die Straße von Hormus wieder geöffnet wird oder ob der Tankerverkehr weiter auf einem historischen Tief bleibt; zweitens, ob internationale Inspektoren Zugang zu iranischen Nuklearanlagen erhalten und damit die Behauptung der „erheblichen Degradierung" prüfbar wird; drittens, ob der Ölpreis unter 100 Dollar bleibt oder Goldman Sachs' 120-Dollar-Prognose eintrifft.

Trifft das dritte Szenario zu, wird der ökonomische Druck, den die USA dem Iran aufzwingen wollen, teilweise auf amerikanische Konsumenten zurückfallen. Das ist die Mechanik, die sich derzeit eingestellt hat – 37,5 Milliarden ausgegeben, eine Meerenge stillgelegt, ein Atomvorrat, der wächst.