Klimaanlagen verbrauchen Strom, erzeugen Abwärme und geben — zumindest ältere Geräte — fluorierte Kältemittel frei. Beides erhöht die Umgebungstemperatur. Die Temperatur steigt.

Dieser Kreislauf war lange eine theoretische Warnung. Der Sommer 2026 macht ihn zu einem empirischen Befund.

Die Kaufwelle

Die Zahlen sind eindeutig: Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland rund 387.100 mobile Klimageräte abgesetzt, nach rund 168.000 im Vorjahreszeitraum. Der Fachverband Gebäude-Klima (FGK) hatte für 2025 bereits über 300.000 Raumklimageräte mit Wärmepumpenfunktion gezählt — ein Wert nahe dem bisherigen Rekord von über 330.000 Einheiten im Jahr 2020. Daikin berichtete nach der Juni-Hitzewelle von einer Nachfragesteigerung von über 300 Prozent bei Privathaushalten.

Was treibt die Käufer? Laut einer Umfrage des Branchenverbands ZVEI nennen 55 Prozent bessere Schlafqualität als Hauptmotiv, 51 Prozent die jüngste Hitzewelle, 48 Prozent die Vorsorge für künftige Sommer. Der Anteil der Deutschen, die eine Klimaanlage besitzen wollen, ist binnen eines Jahres von 10 auf 20 Prozent gestiegen. 27 Prozent planen konkret eine Anschaffung.

Zum Vergleich: Nur 5 bis 10 Prozent aller deutschen Wohngebäude verfügen bislang über aktive Kühltechnik; in der EU sind es insgesamt etwa 19 Prozent, in den USA 90 Prozent. Der Abstand schrumpft — aber er schrumpft schnell.

Die Netzlast

An Hitzetagen steigt der Stromverbrauch nicht gleichmäßig, sondern in Spitzen. Während Photovoltaikanlagen am frühen Nachmittag noch liefern, sinkt ihre Leistung genau dann, wenn die Nachfrage nach Kühlung am Abend ihren Höhepunkt erreicht. Das Ergebnis: eine Residuallast, die die Kapazitäten der konventionellen Kraftwerke und Speicher hart beansprucht. Während der Hitzewelle im Juni 2026 erreichte die deutsche Residuallast in der Spitze 51,5 Gigawatt; gleichzeitig kletterte der Kurzfrist-Strompreis auf bis zu 747,10 Euro je Megawattstunde.

Wie stark Klimaanlagen zur Spitzenlast beitragen, lässt sich derzeit nicht exakt aufschlüsseln — genaue Zahlen zum Spitzenlastbeitrag privater Kühlgeräte liegen noch nicht vor. Bekannt ist: An extremen Hitzetagen kann der Gesamtstromverbrauch in betroffenen Regionen um über 38 Prozent steigen. Klimaanlagen sind dabei eine der dominanten Ursachen.

Dazu kommt ein grenzüberschreitender Effekt. Hitzebedingte Probleme — zu warmes Flusswasser für die Kühlung — zwangen Kernkraftwerke in Frankreich und der Schweiz zur Leistungsreduktion, genau in jenen Stunden, in denen der Importbedarf aus dem Ausland am größten war. Das Netz reagiert auf Hitze systemisch, nicht punktuell.

Die Abwärme-Falle

Klimaanlagen kühlen innen — und heizen außen. Jedes Gerät pumpt Wärme aus dem Gebäude in die Umgebungsluft. In dicht bebauten Städten summiert sich das. Der städtische Wärmeinseleffekt, durch den Innenstädte mehrere Grad wärmer sind als das Umland, wird durch Abwärme von Klimaanlagen, Fahrzeugen und Industrie genährt — und durch die dunklen Oberflächen versiegelter Flächen, die Strahlung speichern statt reflektieren.

Europa erwärmt sich nach Messreihen der Copernicus-Dienste mehr als doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Die sogenannten Kühlgradtage — ein Maß für den kumulierten Kühlbedarf — stiegen zwischen 1990 und 2025 um 115 Prozent. Je mehr Geräte installiert sind, desto mehr Abwärme fällt an — und desto höher steigt der Ausgangswert, gegen den künftige Sommer gemessen werden.

Klimaanlagen sind derzeit für rund ein Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich — eine kleine Zahl, die mit der Verbreitung der Geräte wächst. Raumkühlung verbrauchte 2022 weltweit etwa sieben Prozent des gesamten Stroms; bei weiter steigenden Temperaturen und steigender Verbreitung wird dieser Anteil steigen.

Die Kältemittel-Frage

Ein separater Rückkopplungskanal läuft über die verwendeten Kältemittel. Viele ältere und günstige mobile Geräte verwenden fluorierte Treibhausgase mit einem Treibhauspotenzial, das ein Vielfaches von CO₂ beträgt. Lecks und unsachgemäße Entsorgung setzen diese Substanzen frei. Die EU-Verordnung zur Reduktion fluorierter Treibhausgase (F-Gas-Verordnung) schreibt schrittweise Verbote vor; neuere Split-Systeme arbeiten zunehmend mit weniger klimaschädlichen Kältemitteln wie R-290 (Propan). Ob der aktuelle Installationsboom vor allem Geräte mit modernen Kältemitteln oder Altbestand auf den Markt bringt, ist für die Emissionsbilanz entscheidend — und bislang nicht belastbar quantifiziert.

Was die Zahlen in drei Monaten zeigen sollten

Zwei Indikatoren entscheiden, ob der Rückkopplungskreislauf schwächer oder stärker wird. Erstens: der Anteil erneuerbarer Energien im deutschen Strommix an den stärksten Hitzetagen. Liegt er bei über 60 Prozent, sinkt der klimatische Nettobeitrag jeder zusätzlichen Kilowattstunde Kühlstrom deutlich. Liegt er darunter, treibt jedes neue Gerät die Emissionen proportional an. Zweitens: die Marktanteile klimafreundlicher Kältemittel in den 2026 installierten Geräten, die der FGK im Jahresbericht 2026 erfassen wird. Steigt der Anteil von R-290-Systemen spürbar, wäre das ein erster struktureller Bruch im Kreislauf. Bleibt er flach, hat der Boom vor allem eines beschleunigt: den nächsten heißen Sommer.