Gabriele Gravina ist weg. Gianluigi Buffon ist weg. Paolo Maldini trat zurück, bevor er richtig angefangen hatte. Andrea Pirlo schied wegen Geschäftsverbindungen aus dem Rennen. Pep Guardiola war nie ernsthaft greifbar. Carlo Ancelotti ebenso wenig. Am Ende stand ein Verband, der monatelang gesucht hatte und genau dort landete, wo er schon einmal war.
Roberto Mancini ist seit dem 28. Juli 2026 erneut Cheftrainer der italienischen Nationalmannschaft.
Der FIGC verkauft das als Neuanfang. Es ist das Gegenteil: die öffentliche Dokumentation, dass ein struktureller Neuanfang nicht stattgefunden hat – und vermutlich auch nicht stattfinden wird.
Das stärkste Argument für Mancini verdient seine faire Darstellung. Er hat die Squadra Azzurra 2021 zur Europameisterschaft geführt, in überzeugender Manier, mit einem erkennbaren Spielsystem und einer Mannschaft, die über sich hinauswuchs. Er kennt den Verband, die Spielergeneration, die Erwartungen. In einer Situation, in der die Zeit drängt – die nächste EM-Qualifikation beginnt, die WM 2030 ist das erklärte Ziel –, ist die Logik der kurzen Lernkurve nicht unvernünftig. Wer das Haus kennt, findet die Lichtschalter schneller.
Nur dass das Haus brennt, und die Schalter seit Jahren nicht funktionieren.
Die Zahl, die die Ernennungsurkunde beschämt: Nur 1,9 % der U21-Spielminuten in der Serie A entfallen auf spielberechtigte U21-Italiener. Das ist kein vorübergehendes Engpassproblem, das ein erfahrener Trainer überbrückt. Das ist das strukturelle Fundament, auf dem kein Nationaltrainer – nicht Mancini, nicht Guardiola, nicht irgendjemand – dauerhaft konkurrenzfähig aufbauen kann. Wer die besten acht Jahre seiner Talente nicht auf dem Platz sieht, sieht sie nie. Gianfranco Zola arbeitet als Koordinator für Jugendprojekte an einer Reform, die die Serie C und D als Talentpool erschließen soll, Bonusanreize für den Einsatz junger Spieler schafft und die Infrastruktur verbessern will. Das klingt nach einem Plan. Messbare Ergebnisse gibt es bislang nicht – und die Frage, wie sich diese Ansätze von früheren Reformankündigungen unterscheiden, die ebenfalls ohne Wirkung blieben, beantwortet niemand öffentlich.
Mancini ist gut darin, aus vorhandenem Material das Beste zu machen. Er ist erkennbar schwächer darin, Systeme zu verändern, die Material produzieren.
Das weiß der FIGC. Er hat ihn trotzdem geholt.
Was dieser Vorgang über den Verband aussagt, ist das eigentliche Stück. Drei WM-Ausscheiden in Folge: 2018, 2022, 2026. Nach jedem Ausscheiden traten Verantwortliche zurück. Nach jedem Rücktritt folgte eine Trainersuche, die mit einem bekannten Namen endete – zuerst Mancini, dann Spalletti, jetzt wieder Mancini. Keine der Krisen hat eine Debatte über Entscheidungsstrukturen erzwungen, über den Interessenkonflikt zwischen Vereinen und Verband bei der Spielzeitverteilung, über die Abhängigkeit von kurzfristigen Ergebnissen gegenüber langfristiger Talententwicklung. Stattdessen: Köpfe aus, Köpfe rein, Pressekonferenz, Entschuldigung an die Tifosi.
Mancini hat sich öffentlich bei den Fans entschuldigt – für seinen Abgang 2023, für das Intermezzo in Saudi-Arabien. Das ist ungewöhnlich, und es ist nicht nichts. Aber es ist auch eine persönliche Geste, die das institutionelle Versagen nicht kompensiert. Ein Verband, der strukturell reformieren will, entschuldigt sich nicht nur. Er erklärt, was sich ändert – verbindlich, messbar, mit Frist.
Der FIGC hat keine solche Erklärung abgegeben.
Das Muster heißt Erstarrung. Der Unterschied zwischen Kontinuität und Erstarrung ist der: Kontinuität setzt auf bewährte Strukturen, weil sie funktionieren. Erstarrung setzt auf bekannte Namen, weil die Strukturen nie gebaut wurden. Der italienische Fußball verwechselt beides – und zahlt den Preis in Form eines dritten verpassten Turniers in Folge, des schwächsten U21-Spielanteils unter den europäischen Top-Ligen und eines Verbandes, dessen Führungspersonal in der Krise schneller geht als jeder Trainer.
Mancini wird die Qualifikation möglicherweise schaffen. Die Europameisterschaft 2021 war real, nicht zufällig. Aber selbst wenn er die WM 2030 erreicht – was danach? Derselbe Verband, dieselbe Nachwuchsstruktur, dieselbe Lücke zwischen Anspruch und Realität.
Der Verband hat das Problem nicht gelöst. Er hat es mit einem vertrauten Gesicht überdeckt.
