Rund 19,7 Milliarden Euro verwalteten deutsche Robo-Advisor Ende 2025 für ihre Kunden — gut vier Milliarden mehr als noch zwei Jahre zuvor. Das Versprechen hinter diesem Wachstum ist immer dasselbe: smarte Technologie, automatisches Rebalancing, institutionelle Portfolioqualität für den Privatanleger. Was die Anbieter seltener sagen: Ein großer Teil des Geldes landet in denselben ETFs, die man auch direkt und günstiger kaufen könnte.

Wie weit die Kosten auseinanderliegen, lässt sich konkret beziffern. Die Servicegebühren der wichtigsten deutschen Anbieter — darunter Scalable Capital Wealth, quirion, growney, Whitebox, Evergreen und Oskar — bewegen sich zwischen 0,3 und 1,2 Prozent pro Jahr, der Median liegt bei knapp einem Prozent. Hinzu kommt die Gesamtkostenquote (TER) der eingesetzten ETFs: typischerweise zwischen 0,05 und 0,50 Prozent, im Marktdurchschnitt rund 0,20 Prozent. Die Gesamtbelastung liegt damit für die meisten Kunden irgendwo zwischen 0,5 und 1,7 Prozent jährlich.

Ein direktes Gegenstück: Der günstigste MSCI-World-ETF kostet aktuell 0,05 Prozent TER — Invesco hat diesen Satz für sein Produkt ab April 2026 gesenkt. Marktgängige Produkte von iShares oder Xtrackers liegen bei 0,20 Prozent. Wer selbst kauft, zahlt also zwischen einem Zehntel und einem Dreißigstel dessen, was ein Robo-Advisor im Gesamtpaket kostet.

Das Rendite-Jahr 2025 im Maßstab

Zweistellige Jahresrenditen klingen nach Erfolg. Zum Stichtag 30. Juni 2025 erzielten die besten offensiven Robo-Strategien tatsächlich über 11 Prozent. Der MSCI World kam im selben Zwölfmonatsfenster auf rund 6,15 Prozent. Der Abstand beträgt fast fünf Prozentpunkte — aber er löst sich auf, sobald man schaut, womit er erzeugt wurde.

Offensive Robo-Portfolios halten Aktienquoten von bis zu 100 Prozent. Der MSCI World ist bereits ein reines Aktienprodukt. Wer beide Renditen vergleicht und daraus algorithmische Intelligenz ableitet, übersieht, dass die offensiven Portfolios schlicht risikoreicher waren — mit mehr Schwellenländern, mehr Small Caps, mehr Streuung über Regionen, die 2025 besser liefen als die US-dominierten MSCI-World-Indexgewichtungen. Das ist Asset Allocation, kein Algorithmus-Vorteil.

Aufschlussreicher ist der Gesamtdurchschnitt: Über 23 von geldanlage-digital.de in Echtgeld-Depots beobachtete Robo-Advisor lag die Jahresdurchschnittsrendite 2025 bei 5,4 Prozent. Ein günstiger MSCI-World-ETF mit 0,20 Prozent TER hätte — abhängig vom Einstiegszeitpunkt — ähnlich abgeschnitten, ohne Verwaltungsgebühr. Ob ein signifikanter Anteil der verwalteten Kundengelder die jeweilige Benchmark nach vollständigem Kostenabzug übertroffen hat: Diese Zahl existiert in keiner öffentlich zugänglichen Aufstellung. Weder die BaFin noch ein unabhängiger Datensatz liefert eine aggregierte Outperformance-Quote.

Was die Strukturen verraten

Robo-Advisor sind im Kern Dachfonds mit digitaler Benutzeroberfläche. Die Portfolios bestehen überwiegend aus ETFs, die Anleger selbst erwerben könnten. Der Mehrwert liegt in der Automatisierung: Onboarding per Fragebogen, regelmäßiges Rebalancing, Steueroptimierung bei einigen Anbietern. Das ist nützlich — aber es ist Infrastruktur, keine Überrendite-Quelle.

Einige Anbieter gehen weiter. Cominvest steuert die Aktienquote algorithmisch alle 16 Wochen neu, basierend auf Marktbewertungen und Trendsignalen. Das nennt sich taktische Asset Allocation und ist die Variante, bei der am ehesten Abweichungen vom Benchmark entstehen können — in beide Richtungen. Ob die Algorithmen dabei Mehrwert liefern oder nur Kosten erzeugen, bleibt methodisch schwer zu isolieren: Die genauen Steuerungsparameter sind bei allen Anbietern proprietär und nicht öffentlich.

Was öffentlich ist: Die Evergreen-Studie 2026 untersucht den Einsatz von KI in digitaler Vermögensverwaltung, ohne einen Rendite-Vorteil gegenüber passiven Strategien nachzuweisen. Das ist keine Überraschung. Akademische Literatur zur Fondsbranche zeigt seit Jahrzehnten, dass aktiv verwaltete Strategien nach Kosten mehrheitlich hinter passiven Benchmarks zurückbleiben — für Robo-Algorithmen gibt es keinen überzeugenden Grund, warum das anders sein sollte.

Die Zinseszins-Rechnung

Ein Prozentpunkt Mehrkosten pro Jahr klingt nach wenig. Über dreißig Jahre Anlagezeit ist es rund ein Viertel des Endvermögens.

Wer monatlich 500 Euro anlegt, 7 Prozent Bruttorendite annimmt (historischer Näherungswert für globale Aktien) und 0,20 Prozent Kosten zahlt, kommt nach dreißig Jahren auf rund 585.000 Euro. Bei 1,20 Prozent Gesamtkosten — ein realistischer Wert für einen mittleren Robo-Advisor — landen nach derselben Zeit rund 520.000 Euro im Depot. Die Differenz: gut 65.000 Euro. Verdient durch Dasitzen und Warten, nicht durch schlechtere Entscheidungen.

Interessenkonflikte im Verborgenen

Eine strukturelle Frage bleibt in der Branche weitgehend undiskutiert: Welche Rolle spielen Kooperationsvereinbarungen mit Fondsanbietern bei der Produktauswahl? Robo-Advisor sind BaFin-lizenzierte Vermögensverwalter und rechtlich zur bestmöglichen Produktauswahl verpflichtet. Ob und in welchem Umfang Vertriebsvereinbarungen die ETF-Selektion beeinflussen, lässt sich von außen nicht prüfen — die Algorithmen sind Betriebsgeheimnis, Provisionsvereinbarungen nicht öffentlich. Finanztip empfiehlt vor diesem Hintergrund explizit, auf Anbieter zu achten, die ausschließlich kostengünstige Passivprodukte ohne Eigeninteresse einsetzen.

Wann sich ein Robo-Advisor trotzdem rechnet

Für bestimmte Anleger ist der Aufpreis rational. Wer ohne automatisches Rebalancing bei fallenden Kursen verkauft — was Verhaltensforschung für die Mehrheit der Selbstentscheider nahelegt —, schadet sich mit einem günstigen ETF-Depot mehr als ein Prozent Verwaltungsgebühr kostet. Die Disziplin-Funktion des Robo-Advisors ist real. Auch wer keine Zeit oder Bereitschaft hat, ein einfaches ETF-Depot einzurichten und zu halten, bekommt mit einem Robo-Advisor ein handwerklich solides Produkt — teurer als nötig, aber besser als Inaktivität oder schlechte Beratung durch Provisionsinteressen.

Der Test, ob das für den eigenen Fall gilt, ist einfach: Wer einen günstigen Welt-ETF-Sparplan ein Jahr lang unbewegt halten kann, braucht die teure Hülle nicht.

Die nächste belastbare Prüfung kommt im Herbst 2026 — wenn die Anbieter Jahresreports für die ersten zwölf Monate nach den US-Zollschocks vorlegen. Ob die Algorithmen in einer Phase mit echten Marktbrüchen mehr leisteten als ein passiver Index, lässt sich dann erstmals an einem belastbaren Datenpunkt messen. Wer bis dahin investiert, sollte die Kostenzeile nicht überlesen.