Und erstmals sind Frauen nicht freiwillig dabei, sondern gesetzlich verpflichtet.

Nicht um das Königshaus geht es, wenn Prinzessin Isabella ihre Erkennungsmarke umhängt. Das Bild ist aufgeladen, weil die Reform, die dahintersteht, eine Grundfrage beantwortet hat, über die andere Demokratien noch streiten: Wer im Frieden gleiche Rechte beansprucht, trägt im Ernstfall gleiche Pflichten.

Das Gesetz, das dahintersteht

Grundlage ist das „Forsvarsforlig 2024–2033", ein Verteidigungsabkommen mit breiter Parlamentsmehrheit im Folketing. Es trat teilweise am 1. Juli 2025 in Kraft; Frauen, die nach diesem Datum das 18. Lebensjahr vollenden, unterliegen seither grundsätzlich der Wehrpflicht. Das dänische Verteidigungsministerium zog die vollständige Gleichstellung sogar vor — die ursprünglich für 2027 geplante Regelung gilt seit dem 1. Juli 2025.

Der Mechanismus bleibt derselbe wie bei Männern: Zunächst werden Freiwillige gesucht. Reichen sie nicht aus, entscheidet das Los. In den vergangenen Jahren meldeten sich über 99 Prozent der Wehrpflichtigen freiwillig — das Losverfahren war theoretisch, die Bereitschaft hoch. Ob das unter dem neuen Regime so bleibt, ist eine der offenen Fragen der Reform.

Was sich strukturell verändert

Die Dienstzeitverlängerung von vier auf elf Monate ist keine kosmetische Anpassung. Fünf Monate Grundausbildung, sechs Monate operativer Dienst — das zweite Halbjahr ist keine Fortsetzung der Rekrutenzeit, sondern Einsatz. Wehrpflichtige übernehmen echte Aufgaben, nicht nur Wachstunden.

Versprochen sind bis 2033 jährlich 7.500 Wehrpflichtige; derzeit liegt die Zahl bei 5.000. Wie groß der Sprung vom ersten Jahrgang zu diesem Ziel ist, lassen die verfügbaren offiziellen Daten offen: Historische Vergleichszahlen zum Viermonate-Modell wurden nicht veröffentlicht. Was bekannt ist: Im Jahrgang 2026 stellen Frauen rund 20 Prozent der 1.600 Rekruten — gut 320 Personen, die ohne die Reform nicht eingezogen worden wären.

Gegenwind und seine Grenzen

Dass die Reform breit getragen wurde, bedeutet nicht, dass sie unbestritten war. Der Centralverband des Personals der dänischen Streitkräfte (CS) bezeichnete die Pläne als „unrealistisch" und warnte vor Personalmangel auf Ausbilderseite und fehlender Ausrüstung. Auch Liberale Allianz und Danmarksdemokraterne leisteten anfangs Widerstand, stimmten aber letztlich zu.

Die stärkste Version dieses Einwands lautet: Eine Wehrpflicht, die schneller wächst als die Infrastruktur, die sie trägt, produziert keine Resilienz, sondern Frustration. Elf Monate in einer überlasteten Kaserne binden Personal, das dem freiwilligen Berufssoldaten anderswo fehlt. Das dänische Verteidigungsministerium hat diesen Einwand nicht ausgeräumt, sondern in die Laufzeit des Abkommens eingepreist: Die Aufwuchskurve bis 2033 soll die Ausbildungskapazitäten mitwachsen lassen.

Der skandinavische Rahmen

Dänemark steht nicht allein. Norwegen hat die Wehrpflicht für Frauen 2015 eingeführt, Schweden 2017 reaktiviert und auf Frauen ausgeweitet. Das gemeinsame Muster ist kein militärischer Reflex, sondern eine gesellschaftspolitische Entscheidung: Verteidigung ist keine Männerdomäne mit weiblicher Verstärkung — sie ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe, und der Dienst an ihr ist Bürgerpflicht beider Geschlechter.

Der Kontrast zu Kontinentaleuropa ist scharf. Deutschland diskutiert seit Jahren über ein Freiwilligenmodell, über Heimatstrategie, über Ausrüstungslücken — und ringt dabei um die Frage, wer überhaupt gefragt werden darf. In Dänemark ist die Frage beantwortet: alle.

Was das für die NATO bedeutet

Dänemark gibt etwa 2 Prozent des BIP für Verteidigung aus — das NATO-Ziel, das viele Verbündete unterschreiten. Die Wehrpflichtreform ist dabei kein Ersatz für Ausrüstung oder Berufssoldat-Strukturen, sondern ein Multiplikator: Mehr ausgebildete Reservisten, mehr gesellschaftliche Akzeptanz, mehr Grundlage für einen breiten Verteidigungswillen.

Ob das Modell übertragbar ist, hängt an Voraussetzungen, die nicht überall gegeben sind. Dänemark hat eine lange Tradition des Wehrdienstes, eine vergleichsweise hohe institutionelle Grundakzeptanz und eine politische Mehrheit, die den Schritt als notwendig und gerecht begründen konnte. Deutschland fehlt gegenwärtig zumindest das Letzte.

In drei Jahren wird man sehen, ob die Ausbildungskapazitäten mit dem Aufwuchsziel mithalten — und ob der Anteil freiwilliger Frauen in nachfolgenden Jahrgängen steigt oder fällt. Sinkt er deutlich, ist das Losverfahren kein theoretischer Mechanismus mehr. Steigt er, hat die Reform das Signal gesendet, das sie senden sollte: Landesverteidigung ist kein Sonderdienst, sondern Normalfall.