Kernpunkte

  • Der geplante „Amplify Pro Sports Private & Public Ownership ETF" (PROS) darf bis zu 15 Prozent seines Volumens in private, nicht börsennotierte Sportbeteiligungen investieren — ein für einen ETF ungewöhnliches Konstrukt.
  • Die SEC prüft seit Dezember 2019 öffentlich, ob der Arbitragemechanismus, der ETFs erst funktionsfähig macht, bei illiquiden privaten Vermögenswerten überhaupt greifen kann — eine Antwort steht aus.
  • Vergleichbare Sport-Themen-ETFs bilden ausschließlich börsennotierte Unternehmen ab; ein Vehikel mit substanzieller Beimischung privater Franchise-Anteile ist auf dem Markt bislang ohne Präzedenz.
  • Das Liquiditätsrisiko der privaten Tranche liegt vollständig beim Anleger — zu welchen Konditionen Amplify diesen Anteil bewertet und in Stressphasen veräußern kann, lässt der Prospekt offen.

Professionelle Sportteams in Nordamerika sind in den vergangenen Jahren teurer geworden als fast jede andere Anlageklasse. Die Boston Celtics wechselten 2025 für 4,6 Milliarden Dollar den Besitzer; die Los Angeles Lakers wurden zuletzt mit 6,4 Milliarden Dollar bewertet, die New York Giants mit mehr als 7 Milliarden Dollar. Der Gesamtwert der 32 NFL-Franchises überstieg 2026 die Marke von 300 Milliarden Dollar, der Durchschnittswert je Team lag bei 9,5 Milliarden Dollar — ein Anstieg von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach dem Ross-Arctos Sports Franchise Index erzielten nordamerikanische Profi-Franchises in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine durchschnittliche jährliche Rendite von 13,2 Prozent.

Diese Wertsteigerung ließ sich bislang nur realisieren, wer selbst Anteile kaufte — also über ein Vermögen verfügte, das einer kleinen Handvoll institutioneller Investoren vorbehalten ist. Genau diese Lücke will Amplify schließen.

Wie der ETF gebaut ist

Der PROS-ETF ist als aktiv verwalteter Fonds konzipiert, der an der NYSE Arca gehandelt werden soll. Der weitaus größere Teil des Portfolios — die öffentliche Tranche — folgt dem VettaFi Sports Index. Dieser Index besteht zu 80 Prozent aus sogenannten „Public Pro Sports Ownership Principals", also börsennotierten Gesellschaften, die direkt an Franchises beteiligt sind, und zu 20 Prozent aus „Participants" — Unternehmen, die am Sportbetrieb verdienen, ohne Teameigentümer zu sein. Auf diesen börsennotierten Block entfallen mindestens 85 Prozent des Fondsvermögens.

Die restlichen bis zu 15 Prozent sollen in private Sportbeteiligungen fließen — Anteile an Teams, die nicht börsennotiert sind. Diese Tranche ist der regulatorisch ungelöste Kern des Produkts.

Das Arbitrageproblem

ETFs funktionieren, weil autorisierte Händler täglich neue Fondsanteile schöpfen oder auflösen können. Liegt der Börsenkurs eines ETF-Anteils über dem Nettoinventarwert der enthaltenen Wertpapiere, kaufen Arbitrageure die Bestandteile, tauschen sie gegen neue ETF-Anteile ein und verkaufen diese — der Kurs fällt zurück auf den fairen Wert. Dieser Mechanismus hält ETF-Kurse eng an ihrem Inventarwert.

Private Franchise-Anteile lassen sich nicht täglich kaufen und verkaufen. Es gibt keinen Marktpreis, keine tägliche Preisfeststellung, keinen Mechanismus, der eine Unter- oder Überbewertung des ETF-Kurses gegenüber dem Wert der privaten Tranche korrigiert. Die SEC hat genau diesen Punkt in ihrer öffentlichen Kommentierungsphase zu „Novel ETFs" — die bis August 2026 lief — ausdrücklich thematisiert: Wie soll der Arbitragemechanismus bei illiquiden privaten Vermögenswerten funktionieren?

Eine öffentliche Antwort von Amplify dazu liegt nicht vor.

Was der Prospekt offenlässt

Der Registrierungsantrag (Form N-1A vom 17. September 2026) enthält keine spezifischen Liquiditätskriterien für die private Tranche: keine Mindesthaltedauer, keine Bewertungsintervalle, keine definierten Handelbarkeitsparameter. Wie Amplify die privaten Beteiligungen bewertet, in welchen Abständen diese Bewertung stattfindet und unter welchen Bedingungen sie veräußert werden können, bleibt offen.

Die SEC-Regel 6c-11 aus dem Jahr 2019, die die Zulassung von ETFs erheblich vereinfacht hat, regelt vor allem Transparenz- und Überwachungspflichten für börsennotierte Bestandteile. Für private Anlagen bietet sie keine direkte Vorlage. Ob die SEC eine Ausnahmegenehmigung erteilt, eigene Auflagen formuliert oder den Antrag in der vorliegenden Form zurückweist, ist offen.

Was der Markt bisher bietet

Vergleichbare Vehikel bilden ausschließlich börsennotierte Unternehmen ab. Der Gabelli Opportunities in Live and Sports ETF (GOLS) und der Roundhill Sports Betting & iGaming ETF (BETZ) konzentrieren sich auf öffentlich gehandelte Gesellschaften aus dem Sport- und Wettbereich. Der VanEck Video Gaming and eSports ETF (ESPO) folgt dem E-Sports-Segment. Alle drei vermeiden das Liquiditätsproblem, indem sie es gar nicht erst eingehen.

Rücknahmegebühren in Stressphasen werden in der ETF-Industrie nicht separat ausgewiesen; sie schlagen sich in der Geld-Brief-Spanne nieder, die Market Maker bei illiquiden Märkten ausweiten. Bei den genannten Sport-ETFs sind diese Spannen historisch moderat geblieben, weil die Bestandteile täglich in ausreichender Tiefe handelbar sind. Wie sich dieser Spread beim PROS-ETF verhält, wenn die private Tranche unter Druck gerät, lässt sich aus dem bisherigen Markt nicht ableiten — der Präzedenzfall fehlt.

Der Bewertungskontext

Dass Franchise-Werte in zwei Jahrzehnten stark gestiegen sind, ist belegt. Ob diese Werte bei einem Marktstress standhalten, ist eine andere Frage. Private Franchise-Anteile werden zwischen wenigen Parteien gehandelt, oft mit langen Vorlaufzeiten, regulatorischen Zustimmungsprozessen der jeweiligen Liga und ohne öffentliche Preisfeststellung. Die Bewertungen der jüngsten Transaktionen — Celtics, Lakers, Giants — sind keine Marktpreise im täglich handelbaren Sinn; sie sind Verhandlungsergebnisse unter sehr spezifischen Bedingungen.

Ob die im Prospekt angesetzte Bewertung der privaten Tranche diese Einschränkungen vollständig abbildet, ist — Stand Antragsdatum — nicht nachprüfbar.

Was als Nächstes zählt

Die SEC hat bis August 2026 Kommentare zu „Novel ETFs" gesammelt; eine formale Entscheidung zur Zulassung des PROS-ETF war zum Zeitpunkt der Recherche noch nicht ergangen. Drei Punkte werden zeigen, ob das Konstrukt trägt: erstens, ob die SEC konkrete Bewertungs- und Liquiditätsvorgaben für die private Tranche als Zulassungsbedingung formuliert; zweitens, wie weit der ETF-Kurs in einem ersten Stresstest vom Nettoinventarwert abweicht; und drittens, ob Amplify einen transparenten Bewertungsnachweis für die privaten Beteiligungen veröffentlicht — oder ob dieser Ausweis im Betrieb so bleibt, wie er es im Prospekt ist: offen.