Gegen diesen Virusstamm existiert weder ein zugelassener Impfstoff noch eine spezifische Therapie.
1 — Ausbruch konzentriert sich auf Konfliktgebiete in Ituri, Nord- und Süd-Kivu. Die bestätigten Fälle verteilen sich auf drei östliche Provinzen der DRK, die seit Jahren von bewaffneten Gruppen kontrolliert oder umkämpft werden. 16 Infektionen betreffen Gesundheitspersonal. Über 2.200 Kontaktpersonen wurden bis zum 24. Mai identifiziert, deren Nachverfolgung durch die Sicherheitslage jedoch stark eingeschränkt bleibt 1. Ärzte ohne Grenzen warnt, die tatsächliche Ausbreitung sei größer als erfasst, und fordert eine Ausweitung der Testkapazitäten.
2 — Uganda meldet neun bestätigte Fälle, mindestens drei davon importiert. Ugandas Gesundheitsministerium bestätigte bis zum 29. Mai neun Fälle mit einem Todesfall, darunter drei Infektionen, die auf Reisen aus der DRK zurückgehen. In Kampala wurden Kontaktverfolgungsmaßnahmen eingeleitet 1.
3 — WHO empfiehlt drei experimentelle Therapeutika zur klinischen Prüfung. Da kein zugelassenes Medikament gegen den Bundibugyo-Stamm verfügbar ist, priorisiert die WHO die monoklonalen Antikörper MBP134 und Maftivimab sowie das antivirale Remdesivir für klinische Studien. Für die Post-Expositions-Prophylaxe wird Obeldesivir als Kandidat genannt. Der bereits zugelassene Zaire-Impfstoff Ervebo wird wegen unzureichender Kreuzprotektionsdaten nur in kontrollierten Forschungseinstellungen empfohlen 15.
4 — Vielversprechendster Impfstoffkandidat frühestens in sieben Monaten marktreif. Der Ein-Dosis-Impfstoff rVSV Bundibugyo (entwickelt von IAVI) wird als fortgeschrittenster Kandidat eingestuft, seine Marktreife aber auf sieben bis neun Monate geschätzt. Ein zweiter Kandidat der Universität Oxford (ChAdOx1 Bundibugyo) könnte in zwei bis drei Monaten für klinische Studien bereitstehen, benötigt aber weitere Tierdaten 15.
5 — Tedros fordert Waffenruhe und „Community Ownership". WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus reiste Ende Mai in die DRK und verlangte eine sofortige Waffenruhe in den betroffenen Gebieten, um humanitären Zugang zu sichern. Er betonte, die lokale Bevölkerung müsse in die Eindämmungsstrategie einbezogen werden — Misstrauen gegenüber Isolierungsmaßnahmen und fremden Bestattungsriten behindere die Bekämpfung 26.
6 — Verdachtsfälle in Brasilien entkräftet, Risiko für Europa als sehr gering eingestuft. Brasilianische Gesundheitsbehörden untersuchten einzelne Verdachtsfälle, die sich als andere Ursachen herausstellten. Das Robert Koch-Institut und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten stufen das Einschleppungsrisiko für Europa als sehr gering ein, da eine Übertragung ausschließlich über direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten erfolgt2.
Dieser Überblick stützt sich überwiegend auf WHO-Situationsberichte und ergänzende Meldungen europäischer Gesundheitsbehörden; unabhängige Felddaten aus den Konfliktgebieten sind begrenzt verfügbar.
