Amerikanische Haushalte zahlten im selben Jahr rund 1.000 Dollar mehr für dieselben Waren. Gleichzeitig hält China noch immer 682,6 Milliarden Dollar in US-Staatsanleihen — auf dem niedrigsten Stand seit 2008, aber weit genug entfernt von null, um jeden Gedanken an eine saubere Trennung als Illusion zu entlarven. Die These dieses Kommentars: Die US-Wirtschaftspolitik gegenüber China ist weder effizient noch souveränitätsstärkend. Sie ist ein populistisches Substitut für Strategie, das die eigene Volkswirtschaft belastet und demokratische Standards untergräbt.

Bewertungskriterium: Effizienz der US-Wirtschaftspolitik — gemessen an der Frage, ob die eingesetzten Instrumente (Zölle, Investitionsverbote, Exportkontrollen) ihre erklärten Ziele (Reduktion strategischer Abhängigkeit, Stärkung heimischer Industrie, Schutz nationaler Sicherheit) erreichen, ohne unverhältnismäßige Kosten für die eigene Volkswirtschaft und demokratische Institutionen zu erzeugen.

Die beste Version des Gegenarguments

Bevor die Kritik greift, verdient die Gegenposition ihre stärkste Formulierung. Sie lautet: China ist kein gewöhnlicher Handelspartner. Peking subventioniert strategische Industrien, nutzt erzwungenen Technologietransfer, baut militärisch relevante Kapazitäten in Halbleitern und KI auf und setzt wirtschaftliche Verflechtung als Druckmittel ein — von seltenen Erden bis zu Agrarlandkäufen rund 278.000 Acres, ein Anstieg von 350 Prozent seit 2010). Wer in dieser Lage nichts tut, macht sich zum Geiselnehmer seiner eigenen Lieferketten. Zölle sind demnach nicht Protektionismus, sondern Risikoprämie auf eine Handelsbeziehung, die nie symmetrisch war. Der CHIPS Act und der Inflation Reduction Act investieren Milliarden in heimische Halbleiter- und Batterieproduktion — also genau die Sektoren, in denen Abhängigkeit gefährlich ist.

Diese Position hat Substanz. Wer sie ignoriert, betreibt naiven Freihandels-Idealismus. Aber Substanz in der Diagnose garantiert keine Substanz in der Therapie.

Drei Argumente, warum die Therapie versagt

Erstens: Zölle treffen die eigene Volkswirtschaft stärker als den Gegner. Die Studien zur Wirksamkeit der US-Zollpolitik seit 2017 zeigen ein konsistentes Muster: Die Kosten tragen überwiegend amerikanische Importeure und Konsumenten, nicht chinesische Exporteure. Die RAND Corporation bilanzierte im Oktober 2024, dass die Politik „begrenzte Erfolge bei der Förderung fairer Handelsbedingungen" erbrachte, aber „höhere Erfolge bei der Verteidigung wirtschaftlicher Interessen" — wobei letzteres vor allem bedeutet: China exportiert weniger in die USA, aber mehr nach Südostasien, die EU und Lateinamerika. China hat seine Exportmärkte seit 2018 diversifiziert. Die USA haben ihre Importquellen diversifiziert — Containerimporte aus dem restlichen Asien stiegen im zweiten Quartal 2024 um 2,3 Millionen Tonnen, während die aus China nur um 1,2 Millionen Tonnen zulegten. Die Abhängigkeit verschob sich, sie verschwand nicht. Effizienz sähe anders aus: ein Instrument, das das erklärte Ziel erreicht, ohne den Anwender zu schädigen.

Zweitens: Die Gesetzgebung ist überdehnt und trifft Dritte. Der geplante „Motor Vehicle Modernization Act of 2026" illustriert das Problem. Er könnte Automobilhersteller mit chinesischen Beteiligungen — darunter Mercedes-Benz, bei dem ein chinesischer Anteilseigner (Beijing Automotive Group / Li Shufu über Geely) signifikante Anteile hält — vom US-Markt ausschließen. Nicht weil Mercedes ein Sicherheitsrisiko darstellt, sondern weil die Gesetzentwürfe „Verbindungen zur chinesischen Regierung" so breit definieren, dass sie Kollateralschäden bei europäischen und japanischen Partnern erzeugen. Die Asian Americans Advancing Justice Coalition (AAJC) und das Committee of 100 warnen seit März 2025, dass Gesetze zum Verbot chinesischer Agrarlandkäufe auf Eigentumsrechte aller asiatisch-amerikanischen Gemeinschaften durchschlagen könnten. Wenn ein Sicherheitsgesetz nicht zwischen dem chinesischen Staat und einem chinesischstämmigen US-Bürger unterscheiden kann, hat es ein Definitionsproblem — und ein demokratisches.

Drittens: Populistische Rhetorik ersetzt strategische Kohärenz. Die parteiübergreifende Einigkeit, China als wirtschaftlichen Gegner zu framen, hat einen Konsens erzeugt, der protektionistische Maßnahmen politisch billig und strategische Differenzierung teuer macht. Trump setzte auf bilaterale Strafzölle, Biden behielt sie bei und ergänzte multilaterale Elemente (Invest, Align, Compete). Trumps zweite Amtszeit eskalierte erneut. Laut Helaba Invest und dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sanken deutsche Direktinvestitionsflüsse in die USA seit Trumps Amtsantritt um rund 24 Prozent, deutsche Exporte in die USA um fast 9 Prozent. Die Weltbank senkte die globale Wachstumsprognose für 2025 auf 2,3 Prozent — die schwächste seit 2008. Die Frage ist nicht, ob eine harte China-Politik nötig ist, sondern ob ein Politikinstrument effizient sein kann, dessen Kalibrierung vom Wahlkampfrhythmus abhängt statt von einer Kosten-Nutzen-Analyse.

Was fehlt: De-Risking statt Deklamation

Die Instrumente für eine effiziente Reduktion strategischer Abhängigkeit existieren. Brookings und das Center for Strategic and International Studies (CSIS) haben „De-Risking" als Strategie beschrieben, die zwischen unverzichtbarer Verflechtung (Konsumgüter, Agrartrade) und strategisch riskanter Abhängigkeit (Halbleiter, seltene Erden, Pharma-Wirkstoffe) unterscheidet. Die USA haben mit dem CHIPS Act und dem Inflation Reduction Act solche sektoralen Instrumente geschaffen. Doch diese chirurgischen Maßnahmen werden von der Breitband-Zollpolitik überlagert und in ihrer Wirkung konterkariert: Wenn US-Unternehmen gleichzeitig höhere Inputkosten durch Zölle und Investitionsanreize für heimische Produktion erhalten, neutralisieren sich die Signale. Friendshoring — die Verlagerung von Lieferketten zu Verbündeten — funktioniert nur, wenn diese Verbündeten nicht ihrerseits von US-Zöllen getroffen werden. Deutsche Exporte um 9 Prozent zu senken und gleichzeitig Berlin als Friendshoring-Partner zu gewinnen, ist kein kohärentes Angebot.

Chinas Reaktion verschärft die Lage: Peking hat eigene „Blocking Rules" eingeführt, die chinesischen Unternehmen verbieten, sich US-Auflagen zu beugen — eine direkte Antwort auf Exportkontrollen im Halbleitersektor. Der MATCH Act, der chinesische Chiphersteller im KI-Wettlauf behindern soll, hat diplomatischen Protest und die Vorbereitung von Gegenmaßnahmen ausgelöst. Gleichzeitig baut China seine Goldreserven auf rund 370 Milliarden Dollar aus und reduziert US-Anleihebestände — nicht als Waffe, sondern als Versicherung gegen Sanktionsrisiken. Die finanzielle Verflechtung schrumpft, aber sie schrumpft auf chinesische Initiative, nicht auf amerikanische.

Das Urteil

Die US-Wirtschaftspolitik gegenüber China verfehlt ihr eigenes Effizienzkriterium. Die erklärten Ziele — strategische Abhängigkeit reduzieren, heimische Industrie stärken, nationale Sicherheit schützen — werden durch die gewählten Instrumente nur teilweise und zu unverhältnismäßigen Kosten erreicht. Zölle belasten die eigene Bevölkerung, Investitionsverbote treffen Verbündete, und die populistische Rahmung verhindert die strategische Differenzierung zwischen riskanten und unbedenklichen Verflechtungen. Die Annahme, unter der dieses Urteil falsch wäre: wenn China in den nächsten drei Jahren einen systemischen Wirtschaftsschock gegen die USA auslöst (Dumping in Schlüsselsektoren, abrupter Verkauf von US-Anleihen, Embargo kritischer Mineralien), der die präventiven Kosten der Breitband-Zölle retrospektiv rechtfertigt. Dieses Szenario ist nicht ausgeschlossen — aber die aktuelle Politik ist nicht einmal auf diesen Fall optimiert, weil sie strategische und nicht-strategische Sektoren gleich behandelt.

Effizienz verlangt Präzision. Was die USA betreiben, ist das Gegenteil: ein Flächenbombardement auf ein Koordinatenproblem.