Das ist eine These, die sich prüfen lässt.
Am 18. Juni 2026 unterzeichneten die Präsidenten beider Länder eine 14-Punkte-Absichtserklärung. Sie sah eine Waffenruhe vor, die vorläufige Öffnung der Straße von Hormus für 60 Tage und Verhandlungen über das Weitere. Seither ist das Weitere ausgeblieben. Irans Außenminister Abbas Araghchi bestreitet, dass direkte Gespräche mit Washington stattfinden. Die US-Regierung spricht von Fortschritten. Beide Aussagen können gleichzeitig wahr sein — das ist das Problem, nicht die Lösung.
Gut darin, Druck zu erzeugen. Deutlich schwächer darin, ihn einzulösen.
Die Wirtschaftslage im Iran ist ernst. Das Haushaltsdefizit wird für 2026 auf minus 6,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt. Löhne niedrig bezahlter Arbeiter halten mit der Lebensmittelinflation nicht Schritt. Die Regierung warnt intern vor weiteren Inflationsschüben, sollten Benzinsubventionen gekürzt werden. Trump deutet auf diese Zahlen und schlussfolgert: Warten reiche aus.
Der Einwand dagegen verdient ernstgenommen zu werden. Sanktionsdruck hat im Iran historisch selten zur politischen Kapitulation geführt, sondern zur innenpolitischen Stabilisierung der Hardliner — die externe Bedrohung gibt der Führung ein Narrativ, das innenpolitische Kosten absorbiert. Teheran hat diese Mechanik verstanden. Araghchi stellt Bedingungen öffentlich und lautstark, nicht weil er glaubt, alle durchzusetzen, sondern weil das Stellen der Bedingungen innenpolitisch nützlicher ist als ihr Erfüllen.
Trotzdem ist die Gegenstimme nicht stark genug, um Trumps Strategie freizusprechen. Denn selbst wenn wirtschaftlicher Druck irgendwann wirkt — an der Meerenge wirkt er nicht schnell genug, um den Schaden einzuhegen, den er selbst mitverursacht.
Vor dem Konflikt passierten täglich rund 129 Schiffe die Straße von Hormus; zuletzt waren es eine Handvoll. Vor dem Krieg floss etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssigerdgasbedarfs durch diese 54 Kilometer enge Meerenge. Die EU verzeichnete im Mai 2026 einen Anstieg der Kraftstoff- und Schmierstoffpreise von 20,7 Prozent, Diesel um 29,0 Prozent, Benzin um 16,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Brent stieg Anfang August 2026 auf 85,08 Dollar je Barrel — ein Anstieg von knapp zwei Prozent an einem einzigen Tag, ausgelöst durch Meldungen über gescheiterte Verhandlungen. Als US-Regierungsvertreter am 5. August 2026 kurzfristig eine Einigung andeuteten, fielen die Preise sofort — und stiegen wieder, als Teheran dementierte. Der Markt glaubt weder Washington noch Teheran vollständig. Das ist das genaueste Lagebild, das vorliegt.
Oman füllt die Lücke, die dieser Schwebezustand lässt. Sultanats-Außenminister Badr bin Hamad Al Busaidi vermittelte nicht nur die indirekten Gespräche im Februar 2026 in Maskat, sondern brachte am 5. August 2026 auch eine bilaterale Einigung zwischen Teheran und Maskat über die geografischen Koordinaten einer neuen Schifffahrtsroute zustande. Die Einigung garantiert keine sichere Passage. Sie legt fest, wo Schiffe einfahren dürfen — und wer das entscheidet: Iran. Washington lehnt iranische Mautgebühren in der Straße ab und besteht auf internationalem Wasserstraßenrecht. Teheran besteht auf Kontrolle. Oman verwaltet den Abstand zwischen diesen Positionen, löst ihn nicht auf.
Trumps Strategie hat einen konzeptionellen Fehler, der unabhängig von ihrer Wirkung auf Teheran besteht: Sie behandelt die Straße von Hormus als Verhandlungsmasse, als könnte man sie durch Inflationsdruck freikaufen. Geostrategische Kontrolle über eine Meerenge ist aber kein Preisschild, das man unterbietet. Wer die Durchfahrt von 129 Tankern täglich sichern will, braucht entweder einen Deal, den der andere unterschreibt, oder physische Präsenz, die die Passage erzwingt. Beides hat Washington nicht. Das Rahmenabkommen vom Juni läuft aus. Die 60-Tage-Frist, innerhalb derer ein finaler Deal stehen sollte, hat Teheran verstreichen lassen — mit eigenen neuen Bedingungen als Antwort.
Irans Haushaltsdefizit wächst. Europas Dieselpreis auch.
Die Antwort auf die Frage, ob Trumps Strategie funktioniert, hängt davon ab, wen man fragt: den Steuerzahler in Cleveland oder den Pendler in Poznan. Für Washington ist wirtschaftlicher Druck auf Teheran ein Instrument ohne unmittelbaren Preis. Für Europa ist er der Preis — gezahlt an der Tankstelle, bevor Teheran auch nur eine Bedingung zurückgenommen hat.
