Chronologie
Am 6. Juni 2021 wählte Sachsen-Anhalt den achten Landtag; Reiner Haseloff (CDU) führte danach eine Koalition aus CDU, SPD und FDP. Die erste Sitzung des Landtags fand am 6. Juli 2021 statt, womit die laufende Wahlperiode begann.
Im Mai 2025 beschloss der Landtag den 6. September 2026 als Wahltermin, den spätestmöglichen Sonntag innerhalb des verfassungsrechtlich zulässigen Rahmens. Am 7. August 2025 erklärte Haseloff, nicht erneut als Spitzenkandidat anzutreten. Sein Nachfolger an der CDU-Spitze, Landesvorsitzender Sven Schulze, wurde am 1. November 2025 auf einer Landesvertreterversammlung in Oschersleben mit 90,09 Prozent zum Spitzenkandidaten gewählt; im Januar 2026 übernahm er das Amt des Ministerpräsidenten.
Bis Mitte 2025 und im Frühjahr 2026 nominierten alle weiteren im Landtag vertretenen Parteien ihre Spitzenkandidaten. Wahlvorschläge mussten bis zum 20. Juli 2026 bei der Landeswahlleiterin beziehungsweise den Kreiswahlleitern eingereicht werden. Am 24. Juli 2026 ließ der Landeswahlausschuss die Landeslisten aller antretenden Parteien zu. Eine Infratest-dimap-Umfrage vom 30. Juli 2026 weist die AfD mit 41 Prozent als stärkste Kraft aus, gefolgt von der CDU mit 24 Prozent.
Rechtlicher Rahmen und Wahlsystem
Artikel 43 der Landesverfassung schreibt vor, dass die Landtagswahl frühestens im 58. und spätestens im 62. Monat nach Beginn der Wahlperiode stattfindet. Da die Wahlperiode am 6. Juli 2021 begann, ergab sich daraus ein Korridor zwischen dem 10. Mai 2026 und dem 6. September 2026; der Landtag wählte den letztmöglichen Termin.
Der Landtag umfasst mindestens 83 Abgeordnete; durch Überhang- und Ausgleichsmandate erhöhte sich die Sitzzahl in der laufenden Wahlperiode auf 97. Jeder Wähler verfügt über zwei Stimmen: Die Erststimme entscheidet in jedem der 41 Wahlkreise über ein Direktmandat, die Zweitstimme bestimmt die proportionale Sitzverteilung nach dem Hare-Niemeyer-Verfahren. Die Fünfprozenthürde gilt für die Zuteilung von Listenmandaten.
Spitzenkandidaten und Parteien
Die CDU geht mit Sven Schulze in die Wahl. Schulze war von 2021 bis 2025 Wirtschaftsminister, ist seit 2018/2019 Landesvorsitzender und übernahm im Januar 2026 das Ministerpräsidentenamt von Haseloff. Er hat eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen.
Die AfD nominierte am 23. Mai 2025 auf einem Landesparteitag in Magdeburg Ulrich Siegmund mit 98,3 Prozent der Delegiertenstimmen. Siegmund ist seit 2016 Landtagsabgeordneter und seit 2022 Co-Fraktionsvorsitzender. Der Landesverband wird vom Landesverfassungsschutz seit 2023 als „gesichert rechtsextremistisch" eingestuft.
Die SPD schickt Armin Willingmann ins Rennen, der seit 2016 der Landesregierung angehört und derzeit das Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt leitet sowie erster stellvertretender Ministerpräsident ist; er wurde am 6. September 2025 auf einem Landesparteitag bestätigt. Die Linke setzt erneut auf Eva von Angern, die seit 2002 dem Landtag angehört und die Fraktion seit 2020 führt. Die FDP tritt mit der amtierenden Infrastrukturministerin Lydia Hüskens an, die bereits 2021 Spitzenkandidatin war. Bündnis 90/Die Grünen wählten am 23. November 2025 Susan Sziborra-Seidlitz zur Spitzenkandidatin. Das Bündnis Sahra Wagenknecht tritt erstmals in Sachsen-Anhalt an und wird von Claudia Wittig und Thomas Schulze als Duo angeführt.
Umfrageentwicklung und Ausgangsposition
Bei der Wahl 2021 hatte die CDU mit 37,1 Prozent die AfD (20,8 Prozent) um 16 Prozentpunkte distanziert; eine vor der Wahl diskutierte Kopf-an-Kopf-Situation trat nicht ein. Die Koalition aus CDU, SPD und FDP verfügt im laufenden Landtag über 56 der 97 Sitze.
Die Umfragelage hat sich seither grundlegend verändert. Eine Infratest-dimap-Erhebung vom 30. Juli 2026 weist die AfD mit 41 Prozent aus — ein Zugewinn von rund 20 Prozentpunkten gegenüber 2021. Die CDU liegt bei 24 Prozent (minus 13 Punkte), die Linke bei 13 Prozent, die SPD bei 7 Prozent. Grüne und BSW werden mit 5 beziehungsweise 4 Prozent nahe der Fünfprozenthürde verortet. Die FDP erscheint in dieser Erhebung nicht mehr gesondert ausgewiesen.
Angesichts dieser Zahlen und des von der CDU erklärten Ausschlusses einer Zusammenarbeit mit der AfD stellt sich die Frage nach einer rechnerisch tragfähigen Regierungsmehrheit als zentrale Herausforderung der Wahl.
Zulassung der Wahlvorschläge
Parteien ohne Landtags- oder Bundestagsmandat in Sachsen-Anhalt mussten ihre Beteiligungsabsicht bis zum 7. Juli 2026 anzeigen und ihre Parteieigenschaft nachweisen. Für Landeslisten waren 1.000 Unterstützungsunterschriften von Wahlberechtigten erforderlich, für Kreiswahlvorschläge jeweils 100; Parteien mit bestehender parlamentarischer Vertretung waren davon befreit.
Am 24. Juli 2026 stellte der Landeswahlausschuss fest, welche Parteien mit ihren Landeswahlvorschlägen zur Wahl zugelassen sind. Über die genaue Liste der zugelassenen Parteien informiert die Geschäftsstelle der Landeswahlleiterin.