Am Morgen des 26. August 2026 bewegte sich die Flutwelle mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde durch die Täler. Sie erreichte Siedlungen, die 80 Meter über dem normalen Flusspegel lagen. Was sie hinterließ: 55 Kilometer Straße, 37 befahrbare Brücken, 68 Hängebrücken – und dreizehn Wasserkraftprojekte, in denen an diesem Morgen rund 900 Arbeiter im Schichtbetrieb waren.

Der Gletscherabbruch in mehr als 5.000 Metern Höhe war das auslösende Ereignis. Was aus ihm wurde, war es nicht allein.

Der Hebel war bereits geschwächt

Die Himalaya-Gletscher schrumpfen. Zwischen 2011 und 2020 beschleunigte sich der Eisverlust im Hindukusch-Himalaya um 65 Prozent gegenüber dem vorherigen Jahrzehnt. Nepal hatte 21 Gletscherseen als potenziell gefährlich klassifiziert, sechs davon als hochriskant. Ungewöhnlich hohe Temperaturen auf den betroffenen Gletschern in den Tagen unmittelbar vor dem 26. August gehören inzwischen zu den belegten Vorbedingungen – ihr kausaler Anteil am Abbruch ist Gegenstand laufender glaziologischer Untersuchungen.

Was die Forschung nicht mehr offen lässt: Gletscherabbrüche dieser Art werden mit steigenden Temperaturen häufiger und massiver. Nepal plant seine Energiezukunft in einem Gebirge, das sich erwärmt – und das schneller, als die Planungszyklen für Infrastruktur reagieren können.

783 Megawatt unter Schlamm

Die Wasserkraft macht Nepal nicht nur zum Stromexporteur, sie ist das Fundament der nationalen Entwicklungsstrategie. 13 Wasserkraftprojekte wurden am 26. August beschädigt oder zerstört, darunter das Devighat-Kraftwerk vollständig. Die betroffene Kapazität umfasst 281 MW installierte Leistung sowie vier im Bau befindliche Projekte mit weiteren 700 MW – zusammen 783 MW, die an diesem Morgen aus dem Netz fielen oder deren Fertigstellung ungewiss wurde.

Elf Kraftwerke stellten den Betrieb ein; zwei Stromleitungen wurden durchtrennt. Das entspricht zehn bis zwölf Prozent der nepalesischen Stromversorgung.

Angekündigt waren 400.000 Wohnungen Wohlstand durch saubere Energie – gebaut wurden dreizehn zerstörte Kraftwerke.

Die Gesamtschadensbilanz, die Nepals Regierung dem internationalen Unterstützersystem vorlegte: rund 4,1 Milliarden Euro. Wie viel davon allein auf den Hydrosektor entfällt, weist die Regierung nicht separat aus. Das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten spricht von geschädigter Infrastruktur im Wert von über 200 Milliarden Rupien – umgerechnet rund 1,3 Milliarden US-Dollar – ohne sektorale Aufschlüsselung.

Das UNDP schätzte, dass die Flut allein 22 Millionen Tonnen Schuttmasse hinterließ.

Die Geber – und ihre Kontinuität

Die Asiatische Entwicklungsbank genehmigte innerhalb weniger Tage fünf Millionen US-Dollar Soforthilfe für Rettungs- und erste Hilfsmaßnahmen. Gleichzeitig bestätigten ADB und Weltbank ihre gemeinsame Förderung der Projekte Upper Arun und Dudh Koshi – zwei der größten Wasserkraftvorhaben, die Nepal noch plant. Die Kooperationsvereinbarung dafür stammt aus dem Dezember 2023; ein Partnerschaftsrahmen zur Stärkung des Katastrophenschutzes und klimaresilienter Infrastruktur folgte im November 2025.

Ob die Geber ihre Kreditkonditionen nach dem 26. August an verschärfte Anforderungen zum Hochwasserschutz und Gletscherrisikomanagement knüpfen werden, ist aus den vorliegenden Dokumenten nicht erkennbar. Die ADB kommuniziert Resilienzförderung und Wiederaufbauunterstützung – eine Aussage darüber, ob die Vergabestandards für den Hydrosektor überprüft werden, findet sich in den verfügbaren Quellen nicht. Diese Lücke ist selbst ein Befund.

Die stärkste Gegenposition zu dieser Betrachtung lautet: Wasserkraft bleibt für Nepal die einzige realistische Option für Energiesouveränität und Entwicklung – Rückzug der Geber würde die Abhängigkeit von fossilen Importen verlängern und die Klimabilanz des Landes verschlechtern. Das Argument hat Gewicht. Es beantwortet nur nicht die Frage, wie Schutzstandards und Standortwahl mit dem wachsenden Gletscherrisiko schritthalten sollen.

Was die Katastrophe über die Katastrophe hinaus zeigt

Nepal hat den Loss and Damage Fund beantragt – jenen Mechanismus, den die Weltklimakonferenz 2023 beschloss, um Länder zu entschädigen, die Schäden tragen, die sie nicht verursacht haben. Der Antrag ist folgerichtig: Nepal emittiert 0,025 Prozent der globalen Treibhausgase und verliert in diesem Sommer ein Zwölftel seiner Stromversorgung an eine Klimadynamik, die anderswo produziert wurde.

Die Frage, die das Stück in drei Monaten beantwortbar macht, lautet: Werden ADB und Weltbank bis Ende 2026 dokumentieren, ob und wie Gletscherrisikobewertungen in die Kreditvergabe für Upper Arun und Dudh Koshi eingeflossen sind? Und wird Nepal aus dem Loss and Damage Fund Mittel erhalten – oder bleibt der Fonds das, was er seit seiner Gründung war: eine Zusage ohne Auszahlung?