Armut in Deutschland

Stand: 11. Oktober 2026 22:53

Armut in Deutschland: der Stand

Stand:

Die Armutsgefährdungsquote in Deutschland lag 2025 bei 16,1 Prozent; das entspricht 13,3 Millionen Menschen mit einem Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Nettoäquivalenzeinkommens. Besonders hoch ist die Quote bei Menschen ab 65 Jahren: Sie lag 2025 bei 19,5 Prozent. Am 31. Januar 2026 waren laut amtlicher Statistik 452.900 Personen als wohnungslos in Notunterkünften oder Sammelunterkünften untergebracht. Mehr als 980 Tafeln verteilen Lebensmittel; zum bundesweiten Tafel-Tag am 15. September 2026 rief der Dachverband zu mehr Solidarität und Ehrenamt auf. Der Paritätische Gesamtverband warnte im Juni 2026 vor einer verschärften sozialen Spaltung und lehnt Kürzungen bei sozialen Leistungen ab; die Bundesregierung verweist auf Haushaltsdisziplin bei gleichzeitiger gezielter Förderung. Konkrete Beschlüsse zur Anhebung der Regelsätze oder zur Wohnungslosen-Hilfe sind im Recherchezeitraum nicht belegt.

Zahlen

  • 16,1 Prozent

    Armutsgefährdungsquote (unter 60 % des Medianeinkommens) · 2025

  • 13,3 Millionen Menschen

    Personen unter der relativen Armutsgefährdungsschwelle · 2025

  • 19,5 Prozent

    Armutsgefährdungsquote bei Personen ab 65 Jahren · 2025

  • 452.900 Personen

    Untergebrachte wohnungslose Menschen in Notunterkünften · Stichtag 31. Januar 2026

  • 3,8 Millionen Personen

    Menschen in Haushalten mit Zahlungsverzug bei Strom oder Gas · 2025

Zentrale Themen

  • Wohnungslosigkeit: Zahl auf hohem Stand

    Zum 31. Januar 2026 waren 452.900 Personen behördlich als wohnungslos in Unterkünften registriert. Verbände wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe fordern einen verbindlichen Ausbau des sozialen Wohnungsbaus; Kommunen und Länder verweisen auf überlastete Unterbringungskapazitäten. Zum Beitrag

  • Tafeln: Nachfrage wächst, Netz auf 980 Standorte

    Mehr als 980 Tafeln versorgten im September 2026 bundesweit Bedürftige mit Lebensmitteln. Einzelne Standorte verhängten Aufnahmestopps wegen Überlastung; mehrere Tafeln meldeten eine wachsende und sich verändernde Kundenstruktur.

  • Energiearmut: Millionen mit Zahlungsverzug

    Rund 3,8 Millionen Menschen lebten 2025 in Haushalten, die mit Strom- oder Gasrechnungen im Rückstand waren; das entspricht laut Statistischem Bundesamt 4,6 Prozent der Bevölkerung. Maßnahmen zur gezielten Abhilfe sind im Recherchezeitraum nicht belegt.

  • Studierende: Mehr als ein Drittel armutsgefährdet

    Laut einer Auswertung des Paritätischen Gesamtverbands ist mehr als ein Drittel der Studierenden in Deutschland von Armut betroffen. Konkrete Gegenmaßnahmen auf Bundesebene sind im Recherchezeitraum nicht belegt.

Wo die Beteiligten auseinanderliegen

  • Wie soll der Staat auf die steigende Armutsgefährdungsquote reagieren?

    Paritätischer Gesamtverband:
    Der Verband warnte im Juni 2026 vor einer massiven Verschärfung der sozialen Spaltung und fordert eine armutsfestere Ausrichtung des Sozialstaates sowie eine Ablehnung von Kürzungen bei sozialen Leistungen.
    Bundesregierung:
    Die Bundesregierung betont im Haushalts- und Gesetzgebungsprozess die Notwendigkeit von Haushaltsdisziplin, fördert zugleich aber gezielt einzelne Posten wie die Logistikunterstützung der Tafeln.
  • Wer trägt die Verantwortung für die Unterbringung Wohnungsloser?

    Bundesarbeitsgemeinschaft:
    Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe fordert einen massiven, verbindlichen Ausbau des sozialen Wohnungsbaus und effektivere präventive Schutzmaßnahmen, weil ordnungsrechtliche Unterbringung allein keine Lösung sei.
    Kommunen und Länder:
    Kommunen und Länder verweisen auf eine Überlastung ihrer Unterbringungskapazitäten und fordern finanzielle Unterstützung vom Bund.

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Armutsgefährdet, gesamt

% der Bevölkerung

09,518,92015201720192021202320252015: 15,7 (Destatis, Indikator 5.1 Armutsgefährdungsquote (Ergebnisse des Mikrozensus, Stand 4.7.2023))2016: 15,7 (Destatis, Indikator 5.1 Armutsgefährdungsquote (Ergebnisse des Mikrozensus, Stand 4.7.2023))2017: 15,8 (Destatis, Indikator 5.1 Armutsgefährdungsquote (Ergebnisse des Mikrozensus, Stand 4.7.2023))2018: 15,5 (Destatis, Indikator 5.1 Armutsgefährdungsquote (Ergebnisse des Mikrozensus, Stand 4.7.2023))2019: 15,9 (Destatis, Indikator 5.1 Armutsgefährdungsquote (Ergebnisse des Mikrozensus, Stand 4.7.2023))2020: 16,2 (Destatis, Indikator 5.1 Armutsgefährdungsquote (Ergebnisse des Mikrozensus, Stand 4.7.2023))2021: 16,9 (Destatis, Indikator 5.1 Armutsgefährdungsquote (Ergebnisse des Mikrozensus, Stand 4.7.2023))2022: 16,7 (Destatis, Indikator 5.1 Armutsgefährdungsquote (Ergebnisse des Mikrozensus, Stand 4.7.2023))2017: 16,1 (Destatis, Pressemitteilung 31.10.2018 / 30.10.2019 (EU-SILC Leben in Europa))2018: 16 (Destatis, Pressemitteilung 30.10.2019 (EU-SILC Leben in Europa))2020: 16,1 (Destatis, Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen (EU-SILC/MZ-SILC, Endergebnisse))2021: 16 (Destatis, Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen (EU-SILC/MZ-SILC, Endergebnisse))2022: 14,8 (Destatis, Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen (EU-SILC/MZ-SILC, Endergebnisse))2023: 14,4 (Destatis, Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen (EU-SILC/MZ-SILC, Endergebnisse))2024: 15,5 (Destatis, Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen (EU-SILC/MZ-SILC, Endergebnisse))2025: 16,1 (Destatis, Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen (EU-SILC/MZ-SILC, Endergebnisse))
  • ● Mikrozensus (bis 2022)
  • ● EU-SILC

Mikrozensus-Reihe von Destatis nur bis 2022 geöffnet; 2023/2024 gibt es keinen Mikrozensus-Bundeswert (Destatis führt seitdem EU-SILC als Hauptquelle, MZ-Kern-Bundeswerte entfallen laut Statistikportal). Brüche: Mikrozensus-Stichprobe 2016, methodische Neugestaltung 2020 (ab 2020 nur eingeschränkt vergleichbar). EU-SILC weicht ab (siehe armutsquote_eusilc), da anderes Einkommenskonzept.

Bruch 2020: EU-SILC läuft ab 2020 als Unterstichprobe im Mikrozensus, Vergleich mit Jahren davor laut Destatis nicht möglich (2017/2018 = alte Erhebung Leben in Europa). Werte 2020-2025 Endergebnisse (Stand 9.4.2026). Niveau weicht vom Mikrozensus-Kern deutlich ab (z. B. 2020: 16,1 vs. 16,2; 2022: 14,8 vs. 16,7).

Armutsgefährdet, Kinder unter 18

% der Kinder (EU-SILC)

09,218,42020202120222023202420252020: 15,4 (Destatis, Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen, Zeile "Unter 18-Jährige" (EU-SILC/MZ-SILC, Endergebnisse))2021: 16,4 (Destatis, Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen, Zeile "Unter 18-Jährige" (EU-SILC/MZ-SILC, Endergebnisse))2022: 15 (Destatis, Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen, Zeile "Unter 18-Jährige" (EU-SILC/MZ-SILC, Endergebnisse))2023: 14 (Destatis, Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen, Zeile "Unter 18-Jährige" (EU-SILC/MZ-SILC, Endergebnisse))2024: 15,2 (Destatis, Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen, Zeile "Unter 18-Jährige" (EU-SILC/MZ-SILC, Endergebnisse))2025: 16 (Destatis, Armutsgefährdung nach soziodemografischen Merkmalen, Zeile "Unter 18-Jährige" (EU-SILC/MZ-SILC, Endergebnisse))

Mikrozensus-Reihe für unter 18-Jährige 2015-2019 konnte aus einer Primärquelle nicht geöffnet werden (Destatis verweist auf GENESIS-Online) und fehlt deshalb; ab 2020 nur EU-SILC. Bruch 2020 zu Vorjahren.

Wohnungs- und Obdachlose

Personen

0576.2401.152.480201720202022202420262022: 178.000 (Destatis, Statistik untergebrachter wohnungsloser Personen, Stichtag 31.1.)2023: 372.000 (Destatis, Statistik untergebrachter wohnungsloser Personen, Stichtag 31.1.)2024: 439.500 (Destatis, Statistik untergebrachter wohnungsloser Personen, Stichtag 31.1.)2025: 474.700 (Destatis, Statistik untergebrachter wohnungsloser Personen, Stichtag 31.1.)2026: 452.900 (Destatis, Statistik untergebrachter wohnungsloser Personen, Stichtag 31.1.)2017: 651.000 (BAG Wohnungslosenhilfe, Schätzung/Hochrechnung, Jahresgesamtzahl (Datasheet 11.11.2019))2018: 678.000 (BAG Wohnungslosenhilfe, Schätzung/Hochrechnung, Jahresgesamtzahl (PM 11.11.2019))2020: 417.000 (BAG Wohnungslosenhilfe, Schätzung/Hochrechnung, Jahresgesamtzahl (PM 21.12.2021))2021: 383.000 (BAG Wohnungslosenhilfe, Schätzung/Hochrechnung, Jahresgesamtzahl (PM 7.11.2023))2022: 607.000 (BAG Wohnungslosenhilfe, Schätzung/Hochrechnung, Jahresgesamtzahl (PM 7.11.2023))2023: 928.000 (BAG Wohnungslosenhilfe, Schätzung/Hochrechnung, Jahresgesamtzahl (PM 17.11.2025))2024: 1.029.000 (BAG Wohnungslosenhilfe, Schätzung/Hochrechnung, Jahresgesamtzahl (PM 17.11.2025))2017: 48.000 (BAG Wohnungslosenhilfe, Pressemitteilung 30.7.2019 (Schätzung 2017))2018: 41.000 (BAG Wohnungslosenhilfe, Pressemitteilung 11.11.2019 (Schätzung 2018))2020: 45.000 (BAG Wohnungslosenhilfe, Pressemitteilung 21.12.2021 (Schätzung 2019/2020))2022: 50.000 (BAG Wohnungslosenhilfe, Pressemitteilung 7.11.2023 (Hochrechnung 2022))2023: 54.000 (BAG Wohnungslosenhilfe, Pressemitteilung 17.11.2025)2024: 56.000 (BAG Wohnungslosenhilfe, Pressemitteilung 17.11.2025)
  • ● Untergebracht (Bundesstatistik)
  • ● Schätzung BAG W
  • ● Ohne Unterkunft (BAG W)

Erst ab 2022. Bruch: Ab 2023 große Gruppe Geflüchteter aus der Ukraine (rund 28-35 %) und laut Destatis Verbesserungen der Meldungen; Anstieg 2022-2025 nicht allein reale Zunahme. Nicht vergleichbar mit BAG-W-Hochrechnung.

2016 fehlt: eine Einzelzahl liegt auf geöffneten Primärseiten nicht vor (nur Differenz im BAG-W-Text vom 30.7.2019). Schätzmodell seit 2017 neu (NRW-Daten hochgerechnet); frühere Werte nur eingeschränkt vergleichbar. 2017 und 2021/2023 sind Zusatzjahre. 2018-2020 +/-10 %. Ab 2022 Hochrechnung mit anderem Zuschnitt, enthält wohnungslose Geflüchtete, v. a. Ukraine; ca. +500 000 über der Bundesstatistik (2024).

2016 fehlt (nicht auf geöffneter Primärseite). 2017-2020 Basis ohne anerkannte Geflüchtete (Schätzmodell ab 2017), +/-10 %; 2022-2024 Hochrechnung. Nicht mit Zählungen einzelner Städte oder dem Bundes-Wohnungslosenbericht vergleichbar.

Von Tafeln versorgte Menschen

Mio.

01,12,220172019202220252017: 1,5 (Tafel Deutschland e. V., Jahresbericht 2017)2018: 1,5 (Tafel Deutschland e. V., Jahresbericht 2018)2019: 1,7 (Tafel Deutschland e. V., Jahresbericht 2019)2021: 1,6 (Tafel Deutschland e. V., Jahresbericht 2021)2022: 2 (Tafel Deutschland e. V., Jahresbericht 2022)2024: 1,5 (Tafel Deutschland e. V., Jahresbericht 2024)2025: 1,5 (Tafel Deutschland e. V., Jahresbericht 2025)

Lücken: 2015, 2016, 2020 (kein Wert gefunden), 2023 (nur Spanne 1,6-2 Mio.). Angaben sind Verbands-Selbstauskünfte, teils gerundet; 2022 Näherung ("etwa zwei Millionen"). Verbands-Pressetexte nennen daneben teils abweichend 1,5/1,6 Mio.

Quellen und Maße (Stand 2026-10-11)
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Zwei Millionen an der Theke – und der Staat schaut weg

Über 16 Prozent der Deutschen gelten als armutsgefährdet, die Regelsätze wurden 2026 nicht erhöht, und die Tafeln zählen mittlerweile doppelt so viele Besucher wie noch 2020. Dass dies als Normalzustand gilt, ist das eigentliche Problem. Zwei Millionen Menschen stellen sich bei deutschen Tafeln an.

11. Oktober 2026

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