Der Berliner Senat hat sechs Millionen Euro bewilligt. Er rechnet mit 25 Millionen Euro Wertschöpfung. Das ist eine Rendite-Erzählung, keine Sportpolitik.
Was sie ausblendet: Zwischen dem Tag nach dem WM-Finale und dem nächsten Spieltag der Frauen-Bundesliga ändert sich nichts. Keine neue Sendezeitstunde, kein aufgestockter Sponsorenpool, kein erweiterter Nachwuchs-Etat. Der DBB bewirbt das Turnier unter dem Motto „Time for HER Game" — Großbuchstaben, Ausrufezeichen nicht nötig, weil die Absicht so sympathisch klingt. Gut darin, die Lage zu benennen. Erkennbar schwächer darin, sie zu verändern.
Das stärkste Argument für die Gegenseite lautet: Sichtbarkeit schafft Interesse, Interesse schafft Sponsoren, Sponsoren schaffen Struktur. Zehn Tage globaler Aufmerksamkeit, Frankreich gegen Deutschland, USA gegen Spanien in der Uber Arena — das kann Märkte öffnen, die vorher verschlossen waren. Die Frauen-EM 2022 im Fußball hat in England messbar Clubmitgliedschaften und Fernsehquoten angehoben. Warum nicht hier?
Weil der englische Frauenfußball vor dem Turnier bereits eine stabile Infrastruktur hatte. Weil Sichtbarkeit auf Strukturen trifft, nicht Strukturen ersetzt. Weil der Transfer von Turnier-Euphorie in dauerhafte Verbandsfinanzierung kein Automatismus ist, sondern eine politische Entscheidung — und die ist bisher nicht gefallen.
Die Effizienz-Frage ist deshalb nicht, ob das Turnier Geld einspielt. Es wird. Die Frage ist, ob die sechs Millionen Senatsinvestition eine Hebelwirkung entfaltet oder eine Einmalzahlung bleibt. Öffentlich dokumentierte Auflagen, die Fördermittel an strukturelle Nachnutzung knüpfen — mehr Trainingskapazitäten, Clubförderung, Ligaentwicklung —, finden sich nicht. Die Berliner Sportförderrichtlinien kennen Veranstaltungsförderung; was danach kommt, ist Verhandlungssache.
Das ist kein Berliner Sonderproblem. Es ist das Standardmodell der deutschen Verbandssportfinanzierung: Das Großereignis bekommt Geld, weil es Imagerendite verspricht. Die Liga daneben bekommt, was übrig bleibt. Im Männerbereich liegt die Asymmetrie so weit auseinander, dass man sie kaum noch als vergleichbaren Sektor betrachten kann. Die Frauen-Bundesliga im Basketball spielt in Hallen, deren Zuschauerkapazität im dreistelligen Bereich liegt, vor Publikum, das sich aus Vereinsmitgliedern, Familie und Stammpublikum zusammensetzt. Die Uber Arena fasst 17.000 Menschen. Nach dem 13. September zieht sie weiter mit Konzerten und Eishockey.
Man könnte einwenden, dass zehn Tage ausreichen, um eine Generation von Mädchen für den Sport zu gewinnen — dass der Wert nicht in Bilanzen, sondern in Biografien liegt. Das stimmt, und es wäre unehrlich, es wegzumoderieren. Aber eine Generation, die mit zwölf Jahren Basketball anfängt, weil sie A'ja Wilson in Berlin gesehen hat, braucht mit achtzehn eine Liga, in der sie spielen kann. Die entsteht nicht durch Begeisterung. Die entsteht durch Geld, Strukturen und politischen Willen — in dieser Reihenfolge.
Der DBB hat den Zuschlag bekommen, die Hallen sind gebucht, die USA kommen als Titelverteidiger mit sechs von sieben WM-Titeln in den letzten Turnierrunden. Das Turnier wird gut sein. Es wird Bilder produzieren, die das Land kurz aufschrecken lassen. Dann endet es.
Die Frage, ob danach etwas anders wird, beantwortet nicht die FIBA. Sie liegt beim Berliner Senat, beim DBB und bei einem Bundesinnenministerium, das Frauensport als Erfolg für Deutschland feiert — und die Entscheidungen über seine Finanzierung anderen überlässt.
