Claus Costa, Sportdirektor des HSV, hat in diesem Sommer einen Satz gesagt, der das Programm verrät: Vuskovic werde „auf jeden Fall wieder seinen Fußabdruck hinterlassen". Das mag stimmen. Die Frage ist, welche Spur der Verein selbst hinterlässt.

Mario Vuskovic wurde im September 2022 positiv auf EPO getestet. Die B-Probe bestätigte das Ergebnis. Das DFB-Sportgericht verhängte zwei Jahre – NADA und WADA hielten das für zu wenig und zogen vor den CAS. Der Internationale Sportgerichtshof gab ihnen recht: vier Jahre, bis zum 15. November 2026. Das ist nicht der milde Befund eines nachsichtigen Gremiums. Es ist der Maximalrahmen des geltenden Anti-Doping-Rechts, ausgeschöpft nach ausführlicher Prüfung.

Seit dem 15. September 2026 trainiert Vuskovic wieder mit der Mannschaft. Der HSV hat ihm bereits einen neuen, leistungsbezogenen Vertrag ab 2026 zugesichert, Trainer Merlin Polzin spricht von einem „besonderen Moment". Und in der Kurve wird ein Rückkehrer gefeiert, als hätte er eine Verletzung auskuriert statt eine Dopingsperre abgesessen.

Das ist das Bild, das der Verein kultiviert. Es verdient Widerspruch.

Denn die stärkste Version des Gegenarguments lautet: Vuskovic hat seine Strafe verbüßt. Wer vier Jahre gesperrt war, hat bezahlt — nach dem Regelwerk, das die Gesellschaft für diesen Zweck hat. Reintegration ist keine Gnade, sondern Konsequenz. Wer dauerhaft ausschließen will, muss das im Regelwerk verankern, nicht in der Berichterstattung. Das ist richtig.

Aber dieser Kommentar richtet sich nicht gegen Mario Vuskovic. Er richtet sich gegen den HSV.

Der Verein hat während der gesamten Sperre Vuskovics Vertrag gehalten, seine Anwälte in die Berufungsverfahren eingebunden und öffentlich Solidarität gezeigt 14, 27 – in einer Phase, in der NADA und WADA vor dem CAS genau das Gegenteil beantragten. Das ist eine Positionierung. Eine Institution, die wählen kann, ob sie das Anti-Doping-Urteil als Zäsur oder als Verwaltungsakt behandelt, hat sich entschieden. Der HSV hat sich entschieden.

Gleichzeitig steht die Defensive des Vereins seit Monaten im Abwehr-Chaos. Die Kaderplanung für 2026/27 ist laut eigenem Sportdirektor noch nicht abgeschlossen, zahlreiche Zugänge fehlen. In dieser Lage wird Vuskovics Comeback zur Erzählung: der Mann, der alles löst, weil der Verein selbst nichts gelöst hat. Rehatrainer Sebastian Capel arbeitet an einem Drei-Säulen-Plan. Der HSV selbst hat keinen Plan — er hat einen Spieler.

Das ist keine zweite Chance. Das ist Kaderplanung als Hoffnungssubstitut.

Die Effizienz-Achse macht es präzise: Wer die strukturelle Schwäche einer Defensive über vier Jahre nicht behebt und dann einen Mann als Lösung feiert, der vier Jahre keinen Pflichtspiel-Fußball gespielt hat, setzt auf das Unwahrscheinliche, weil das Notwendige versäumt wurde. Claus Costa nennt Vuskovics Comeback eine „Blackbox" — kein vergleichbarer Fall, unbekannter Ausgang. Das stimmt. Und es zeigt, worauf der HSV seine Saison gebaut hat: auf eine Variable, die niemand berechnen kann.

Sportdirektor Costa dämpft öffentlich die Erwartungen, Trainer Polzin befeuert sie gleichzeitig. Das ist kein Widerspruch aus Kommunikationslosigkeit. Das ist die doppelte Botschaft eines Vereins, der sich nicht entscheiden will: realistisch nach außen, euphorisch nach innen, und in der Mitte die Hoffnung, dass Vuskovic beides überflüssig macht.

Der HSV hat in vier Jahren gelernt, wie man einen Dopingfall managt. Gelernt hat er nicht, wie man einen Kader baut.

Vuskovic darf ab November 2026 spielen. Der Verein hat das Recht, ihn aufzustellen. Aber das Recht, etwas zu tun, ist kein Argument dafür, dass man es tun sollte — und erst recht kein Argument dafür, wie man es tut. Wer einen Dopingsünder mit Vereinssolidarität durch die Maximalsperre begleitet und ihn danach als Heilsbringer inszeniert, sendet ein Signal: Institutionelle Loyalität schlägt institutionelle Integrität.

Die Antwort auf den Fall Vuskovic liegt nicht in Hamburg. Sie liegt beim DFB, bei der NADA, beim CAS — die alle bereits geurteilt haben. Der HSV hat dieses Urteil akzeptiert und gleichzeitig alles getan, um seinen Geist zu unterlaufen.