Er ist erst der dritte Preisträger aus Karnataka überhaupt, nach Dr. Rajkumar (1995) und V. K. Murthy (2008). Diese Lücke von dreißig Jahren ist kein Zufall.

Der Dadasaheb Phalke Award wurde 1969 gestiftet, zum hundertsten Geburtstag von Dhundiraj Govind Phalke, dem Pionier des indischen Stummfilms. Das Ministerium für Information und Rundfunk verleiht ihn auf Empfehlung eines Auswahlkomitees aus Branchenvertreterinnen und -vertretern – die genaue Zusammensetzung und die gewichteten Auswahlkriterien legt das Ministerium nicht öffentlich offen. Was zählt, ist das Lebenswerk; wie es gemessen wird, bleibt opak. Der Preis besteht aus einer Swarna-Kamal-Medaille (Goldener Lotus), einem Schal und einem Preisgeld von 1 Million Rupien – symbolisch bedeutsam, fiskalisch marginal.

Anant Nag hat diese Anerkennung in dem Sinne verdient, der auch ohne Jurydokument nachvollziehbar ist: Er spielte in Kannada, Hindi, Telugu, Malayalam, Tamil und Marathi, arbeitete mit Shyam Benegal im Parallelen Kino der 1970er-Jahre, war in der Fernsehproduktion „Malgudi Days" zu sehen und blieb der Kannada-Industrie auch dann verbunden, als Pan-India-Karrieren attraktiver wurden. Premierminister Narendra Modi gratulierte und hob Nags „vielseitige Leistungen" hervor. Was die Gratulation nicht enthält, ist ein Versprechen über Förderstrukturen.

Das Gefälle zwischen Preis und Förderung

Die indische Kinowirtschaft ist keine monolithische Branche, auch wenn der Begriff „Bollywood" das außerhalb Indiens nahelegt. Neben der Hindi-Industrie mit Zentrum Mumbai existieren Tamil-, Telugu-, Malayalam- und Kannada-Sprachindustrien mit eigenem Publikum, eigenen Stars und eigenen Ökonomien. Die Kannada-Branche – branchenseitig „Sandalwood" genannt – demonstrierte 2022 mit „KGF: Chapter 2" eindrücklich, was möglich ist: weltweit über 1.200 Crore Rupien Einspielergebnis, ein Marktanteil von etwa 8–9 % am gesamtindischen Box Office. Ein Jahr später, 2023, lag dieser Anteil bei rund 2 %. Diese Volatilität ist kein Qualitätsproblem, sondern ein Strukturproblem: Sandalwood produziert ohne das Auffangnetz, das Mumbai-Produktionen durch etablierte Vertriebsnetze, OTT-Vorverträge und Crossover-Finanzierung haben.

Die nationale Förderstruktur spiegelt diese Schieflage. Das Ministerium für Information und Rundfunk veröffentlichte 2023 überarbeitete Incentive-Richtlinien – die Revision galt primär ausländischen Produktionen, die bis zu 40 % der qualifizierenden Ausgaben erstattet bekommen können, gedeckelt bei 30 Crore Rupien. Für regionale indische Sprachindustrien existiert kein vergleichbares Bundesprogramm. Was es gibt, sind Länderregelungen: Maharashtra befreit Marathi-Filme von der Unterhaltungssteuer, Tamil Nadu macht Entsprechendes für Tamil-Produktionen, Kerala zahlt Zuschüsse von bis zu fünf Lakh Rupien pro Spielfilm. Karnataka hat eigene Regelungen, die aber nach Branchenangaben in der Vollzugstiefe hinter den größeren Bundesstaaten zurückbleiben. Eine konsolidierte Übersicht, wie viel nationale Förderung auf welche Sprachbranche entfällt, veröffentlicht das Ministerium nicht – ein Datenloch, das selbst die Diagnose einer Schieflage schwierig macht.

Preis als Spiegel, nicht als Hebel

Der Dadasaheb Phalke Award hat eine messbare kulturpolitische Funktion: Er legt fest, welche Formen des Filmschaffens der Staat als repräsentativ für „das indische Kino" betrachtet. Die Liste der bisherigen Preisträger ist selbst ein Dokument dieser Definition – sie enthält Devika Rani, Bimal Roy, Satyajit Ray, Lata Mangeshkar, Amitabh Bachchan. Überwiegend Hindi-Kino, Bengali-Kino, die kanonisierten Namen. Nags Ehrung für das Kannada-Kino ist in dieser Logik ein Signal: Der Staat erkennt an, dass Indien mehr ist als Mumbai und Kolkata.

Anerkennungssignale und Förderrealität können weit auseinander liegen. Das ist keine spezifisch indische Eigenart, aber in einem Land mit 22 Amtssprachen und einem Kinomarkt, der 2026 auf rund 32 Milliarden US-Dollar Umsatz geschätzt wird, wiegt die Differenz besonders. Kantara, ein weiterer Kannada-Erfolg, erzielte 2025 in seiner ersten Woche weltweit 53 Millionen US-Dollar – ohne den strukturellen Rückenwind, den vergleichbare Hindi-Produktionen durch Marketingbudgets und Multiplex-Vereinbarungen genießen.

Ob der Award im Fall Nag über das Symbolische hinausweist, hängt an einer Frage, die sich in den nächsten zwei Haushaltsjahren beantworten lässt: Erhöht das Ministerium für Information und Rundfunk die zweckgebundenen Mittel für nicht-hindi-sprachige Nationalfilmförderung, oder bleibt es bei Preisen und Glückwünschen? Die Antwort steht im Bundeshaushalt, nicht in der Laudatio.