Macron hat im September 2026 zwei Entscheidungen getroffen, die kaum unterschiedlicher wirken könnten: ein Schulgesetz, das Schülerinnen und Schülern das Handy aus der Hand nimmt, und ein Militäreinsatz, der französische Soldaten in den strategischen Orbit Saudi-Arabiens schickt. Was sie verbindet, ist das gleiche Muster: der Präsident handelt, Frankreich allein, sichtbar, ohne die Last langer Konsultation.

Chronik

1. September 2026 — Handyverbot tritt in Kraft. Zum Beginn des Schuljahres 2026/2027 gilt in Frankreich ein vollständiges Verbot von Mobiltelefonen, Smartwatches und Kopfhörern an allen Schulen — von der Vorschule bis zum Gymnasium. Rechtliche Grundlage ist Artikel L. 511-5 des Code de l'éducation, konkretisiert durch Gesetz Nr. 2026-813 vom 24. August 2026, veröffentlicht im Journal Officiel am 25. August 2026. Eine ministerielle Zirkularverfügung vom 2. Juli 2026 (NOR: MENE2617958C) regelte die Umsetzungsmodalitäten; ein Vademecum auf der Bildungsplattform Éduscol ergänzt die Anleitung für Schulleitungen. Ausnahmen gelten für medizinische Bedarfe und Schüler mit Behinderungen. Die konkrete Aufbewahrung — Schließfach, Box, spezielle Tasche — liegt in der Eigenverantwortung der Schulen. Gewerkschaften und Schulleitungen meldeten zum Schulstart Anlaufschwierigkeiten: zu enger Zeitplan, fehlende Infrastruktur, unklare Ausnahmeregelungen. Das Verbot für Vorschulen, Grundschulen und Collèges bestand bereits seit 2018.

15. September 2026 — Auswertung des Pilot-Programms. Ein Testlauf des Programms „Portable en pause" in 200 Schulen im Schuljahr 2024/2025 hatte laut Bildungsministerium positive Effekte gezeigt: besseres Schulklima, höhere Konzentration, weniger Cybermobbing. Flächendeckende Evaluationsdaten für das laufende Schuljahr liegen noch nicht vor.

24. September 2026 — Macron kündigt Militäreinsatz in Yanbu an. Der Präsident gibt bekannt, Frankreich werde Soldaten, Radarsysteme und Luftverteidigungssysteme nach Yanbu entsenden — in den wichtigsten Erdölhafen Saudi-Arabiens am Roten Meer, der als Alternative zur Straße von Hormus gilt. Begründung: Schutz strategischer Energieinfrastruktur nach Angriffen der jemenitischen Huthi-Miliz, Stabilisierung des globalen Ölmarkts. Die Mission wird als rein defensiv beschrieben. Der Einsatz ist bilateral — kein EU-Mandat, keine NATO-Rahmung. Konkrete Truppenstärken und Kosten nennt Paris nicht öffentlich. Frankreichs Verteidigungsbudget ist für 2026 mit 57,2 Milliarden Euro geplant — eine Steigerung von 3,5 Milliarden gegenüber dem Vorjahr; welcher Anteil auf Yanbu entfällt, bleibt offen.

Bilanz

Wohin läuft die Person?

Macron läuft in Richtung eines Vermächtnisses. Sein Mandat endet 2027; die Zeit für langwierige Reformprozesse ist knapp. Was bleibt, sind Gesten mit Gesetzeskraft und Gesten mit Flagge. Das Handyverbot ist ein klassisches Macron-Projekt: gesellschaftspolitisch besetzt, emotional aufgeladen, medial wirksam, administrativ delegiert. Der Militäreinsatz in Yanbu ist außenpolitisches Kapital ohne EU-Einbettung — Frankreich als eigenständige Macht im globalen Energiekorridor, nicht als Glied einer Allianz. Beide Züge stärken kurz- bis mittelfristig das Bild des handlungsfähigen Staatschefs. Ob sie in der Wirklichkeit ankommen, ist eine andere Frage.

Echter Beitrag

Das Handyverbot ist eine echte gesetzgeberische Entscheidung. Sie schließt die letzte Lücke in einem Regelwerk, das 2018 begann, und schafft nun bundesweite Verbindlichkeit bis zur Abitursstufe. UNESCO und OECD empfehlen vergleichbare Maßnahmen; der Pilotversuch in 200 Schulen lieferte positive Signale. Das ist keine Symbolpolitik — es ist ein verabschiedetes Gesetz mit Kontrollpflicht, auch wenn die Umsetzung holpert. Macron hat diesen Schritt nicht nur angekündigt, sondern abgeschlossen.

Der Yanbu-Einsatz trägt noch keinen belegbaren Beitrag, der in die Geschichte eingeht. Er ist angekündigt, die Entsendung hat noch nicht vollständig stattgefunden. Die Bedrohungslage durch die Huthi-Miliz ist real; Frankreichs Interesse an freien Energiekorridoren ist legitim. Ob der Einsatz wirkt, ist offen.

Irrelevantes

Die Kommunikation rund um den Schulstart gehört ins Tagesgeschäft: Pressemitteilungen des Bildungsministeriums, Erklärvideos, Grafiken auf Éduscol. Das ist Verwaltungsbetrieb, nicht Beitrag. Auch Macrons allgemeine Rhetorik zur europäischen Verteidigungsfähigkeit — in diesem Zeitraum erneut bekräftigt — bleibt ohne neues Substrat: keine gemeinsame Initiative, kein konkreter Vorschlag, kein Gipfelmandat. Das ist der Wiederholungslauf eines bekannten Themas.

Pose & Klamauk

Die Ankündigung des Yanbu-Einsatzes trägt Züge inszenierter Stärke, die über den faktischen Inhalt hinausweisen. Macron hat keine Truppenzahlen, keine Kostenschätzung, keinen Zeitrahmen öffentlich gemacht. Er deutete an, Kampfflugzeuge könnten folgen — eine Aussage ohne operationellen Beleg. Der Einsatz ist bilateral, nicht EU-koordiniert, was Frankreichs Führungsanspruch in Europa eher schwächt als stärkt: Wer allein handelt, zieht keine Partner nach. Der Schutzzweck — ein saudischer Ölhafen, kein französisches Territorium — verlangt eine öffentliche Abwägung, die Macron nicht geliefert hat. Was bleibt, ist die Geste: Frankreich schützt den Energiekorridor der Welt. Ob das stimmt, weiß man erst, wenn die Huthi-Miliz das nächste Mal angreift.

Beim Handyverbot ist die Inszenierung überschaubar, die Substanz aber auch begrenzt: Die Schulen kämpften zum Start mit fehlenden Schließfächern und unklaren Regeln. Macron hat das Gesetz verabschiedet und die Umsetzung den Schulen überlassen — ein Muster, das er kennt. Gut darin, den Rahmen zu setzen. Schwächer darin, ihn mit Ressourcen zu füllen.