Der Staatsschutz der Kölner Polizei ermittelt.
Am frühen Samstagabend, 12. Juli 2026, gab die Deutsche Bahn die Strecke nach Reparaturarbeiten wieder frei.
Was am 11. Juli 2026 geschah
Freitagvormittag, Bahnböschung zwischen Langenfeld und Leverkusen: Die Feuerwehr rückte zu zwei Brandstellen aus und löschte die Feuer. Den entscheidenden Schaden hatten die Flammen da schon angerichtet – mehrere Signalkabel waren zerstört, auf dem Abschnitt konnten keine Züge mehr fahren. Im Nah- und Fernverkehr folgten Umleitungen, Verspätungen und Ausfälle. Die Deutsche Bahn sprach von „immensen Schäden" und kündigte an, die Reparaturen würden mindestens bis in den Nachmittag andauern. Tatsächlich rollte der Verkehr erst am frühen Samstagabend wieder.
Den Ermittlern war schnell klar, dass ein technischer Defekt als Ursache wenig wahrscheinlich war. Der Staatsschutz der Kölner Polizei übernahm noch am Freitag die Ermittlungen, weil ein politischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden konnte.
Das Bekennerschreiben und seine Einordnung
Auf indymedia.org erschien ein Schreiben unter dem Namen „Kommando Angry Birds". Darin heißt es, die Gruppe sei „verantwortlich für die Sabotage der Bahnstrecke nördlich von Leverkusen"; deponiert worden seien Brandsätze in einem großen Kabelschacht an der nordöstlichen Ecke der Wupperbrücke und in einem schmaleren Schacht. Als Begründung nennt das Schreiben ein drohendes „Massensterben" infolge „technologischer Eskalation", das aufgehalten werden müsse.
Ein Polizeisprecher sagte auf Anfrage, das Bekennerschreiben sei bekannt; es werde geprüft, ob es authentisch sei und ob Zusammenhänge zu anderen Delikten bestünden. Sicherheitskreise gingen nach dpa-Informationen davon aus, dass das Schreiben echt ist – eine offizielle Bestätigung der Ermittlungsbehörden lag zum Zeitpunkt der Erstberichterstattung nicht vor.
Die Einordnung als PMK-links – politisch motivierte Kriminalität aus dem linken Phänomenbereich – setzt nach den Kriterien des Bundeskriminalamts voraus, dass Anhaltspunkte für eine linke Orientierung vorliegen, etwa Bezüge zu anarchistischen oder antizivilisatorischen Weltbildern. Das Bekennerschreiben liefert solche Anhaltspunkte; ob die Behörden die Tat förmlich so eingestuft haben, geht aus den vorliegenden Meldungen nicht hervor.
Das Muster: „Kommando Angry Birds" und Infrastruktur-Sabotage
Die Gruppe ist keine unbekannte. Im Juli 2025 reklamierte sie einen Anschlag auf die Bahnhauptstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg für sich – dort wurden ebenfalls Brandsätze gezündet, die Strecke war tagelang gesperrt. Anfang Januar 2026 bekannte sich die Gruppe zu einem versuchten Anschlag auf ein Umspannwerk in Erkrath bei Düsseldorf, der scheiterte. Schon nach dem Anschlag von 2025 hatte Herbert Reul, Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, öffentlich vor dem „Kommando Angry Birds" gewarnt.
Reul kommentierte auch den Anschlag vom Juli 2026: „Solche Taten sind kein Protest, sondern gezielte Sabotage." Das treffe den Alltag vieler Menschen und nehme Kollateralschäden billigend in Kauf. Und: „Diese Menschen wollen keine bessere Welt. Diese Menschen wollen Chaos."
Was als Nächstes zu klären ist
Der Verfahrensstand nach Oktober 2026 – ob Tatverdächtige identifiziert, Anklage erhoben oder ein Urteil gesprochen wurde – lässt sich aus den vorliegenden Ermittlungsmeldungen nicht belegen. Zwei Personen sollen laut Medienberichten von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden sein; ob daraus Tatverdächtige wurden, ist nicht dokumentiert.
Woran man erkennen wird, ob die Ermittlungen vorankommen: Pressemitteilungen der Staatsanwaltschaft Köln zu einer möglichen Anklageerhebung sowie Angaben des Bundeskriminalamts zur förmlichen PMK-Einordnung im nächsten Jahresbericht. Das BKA veröffentlicht seine Jahresstatistik zur politisch motivierten Kriminalität jeweils im Frühjahr des Folgejahres; die Zahlen für 2026 werden demnach Frühjahr 2027 vorliegen.
