Ein halbes Jahr später sucht der Staatsschutz des Landeskriminalamts noch immer nach Zeugen.

Am 17. September 2026 machte die Berliner Polizei den Fall erstmals öffentlich und bat um Zeugenhinweise. Das Ereignis selbst liegt da bereits fast sechs Monate zurück. Ein Urteil gibt es nicht, Tatverdächtige sind nicht ermittelt.

Was am 25. März 2026 passierte

In der Jessnerstraße in Friedrichshain sprachen zwei bislang unbekannte Männer in der Nacht eine junge Frau und einen jungen Mann an. Nach Angaben der Berliner Polizei äußerten sie dabei rechtsextreme Parolen sowie Beleidigungen gegen politisch links orientierte Personen und eine Zahlenkombination – „035" beziehungsweise „35". Beide Opfer erlitten Platz- und Schnittwunden.

Wer die Täter sind, ist offen. Die Polizei fragt nach Personen, die den Vorfall beobachtet haben, nach Foto- oder Videoaufnahmen und nach weiteren sachdienlichen Hinweisen. Hinweise nimmt der Staatsschutz des Landeskriminalamts Berlin unter der Telefonnummer (030) 4664-953250 oder per E-Mail an LKA532@polizei.berlin.de entgegen.

Wie die Tat eingeordnet wird

Den Fall bearbeitet der Staatsschutz des Landeskriminalamts – das ist die zuständige Stelle für politisch motivierte Kriminalität in Berlin. Die Berliner Polizei beschreibt den Angriff als „mutmaßlich rechtsextrem". Eine abschließende strafrechtliche Einordnung durch die Staatsanwaltschaft Berlin steht aus; Anklage ist nicht erhoben, ein Urteil liegt nicht vor.

Wie Straftaten als politisch motiviert rechts eingestuft werden, legen Bund und Länder gemeinsam fest. Als PMK-rechts gilt eine Tat, wenn Anhaltspunkte vorliegen, dass sie einer rechten Orientierung zuzurechnen ist – etwa Bezüge zu völkischem Nationalismus, Rassismus oder Nationalsozialismus. Maßgeblich sind die Hinweise zum Tatgeschehen, nicht allein die Herkunft oder das Aussehen Verdächtiger.

Was die Zahlen für Berlin zeigen

Der Fall fügt sich in eine messbare Entwicklung. Im Jahr 2025 erfasste die Berliner Polizei 3.021 Straftaten im Bereich PMK-rechts – ein Anstieg von 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Gewaltdelikte in dieser Kategorie stieg von 90 auf 133 Fälle, der größte Teil davon waren Körperverletzungen.

Iris Spranger, Berliner Senatorin für Inneres und Sport, stellte die Zahlen im Frühjahr 2026 gemeinsam mit Polizeipräsidentin Dr. Barbara Slowik Meisel vor. Spranger verwies dabei auf Erfolge bei der Messerkriminalität – in den eingerichteten Waffen- und Messerverbotszonen sanken Messerangriffe um 25 bis 45 Prozent. Zur rechts motivierten Gewalt machte sie in der Statistikvorstellung keine gesonderten Ankündigungen.

Bundesweit wurden 2025 rund 85.837 politisch motivierte Straftaten registriert – der höchste Stand seit 2001. Im ersten Quartal 2026 meldeten die Behörden bundesweit 3.253 politisch rechts motivierte Straftaten, darunter 96 Gewaltdelikte. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bezeichnete den Rechtsextremismus als größte Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung.

Die Amadeu Antonio Stiftung zählte für 2025 bundesweit 1.598 rechtsextreme Gewaltdelikte – den höchsten Stand seit 2016.

Was als Nächstes ansteht

Der Fall aus der Jessnerstraße ist ein laufendes Ermittlungsverfahren ohne öffentlich bekannte Beschuldigte. Ob und wann Tatverdächtige identifiziert werden, hängt wesentlich davon ab, ob Zeugenhinweise eingehen. Kommt es zu einer Anklage, würde die Strafjustiz die Motivzuordnung im Verfahren prüfen – erst ein rechtskräftiges Urteil würde die Tat abschließend juristisch einordnen.