Der Start in Nordamerika war ein begrenzter. Well Go USA Entertainment zeigt den Film mit englischen Untertiteln in Los Angeles, San Francisco, Las Vegas, Chicago, New York, Boston, Toronto und Vancouver, insgesamt in mehr als 120 Kinos. Die Berichte vom Starttag sprechen von einer „limited theatrical release“, also einer ausgewählten Auswertung und keiner breiten Kinostarts. Wie viele Vorstellungen tatsächlich liefen und wie viele Zuschauer am ersten Wochenende kamen, steht in den Berichten nicht. Ob der Film in Nordamerika trägt, lässt sich erst an den Zahlen der nächsten Wochen ablesen.

Was der Film erzählt und aus wessen Sicht

Die Geschichte folgt Xu Fu, einem Koch, der nach finanziellen Problemen in seiner Heimat in den Nahen Osten geht, um in einem chinesischen Restaurant zu arbeiten. Gemeinsam mit dem Restaurantleiter Ma Junsheng baut er ein beliebtes Lokal auf, das Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringt. Dann bricht der Krieg aus, und das Restaurant wird zum Schauplatz einer Geschichte über Überleben, menschliche Widerstandskraft und die Suche nach Frieden. Regie führt Wen Muye, der als Regisseur sozialrelevanter, figurenzentrierter Erzählungen gilt. Shen Teng, einer der größten Stars Chinas, spielt die Hauptrolle neben Jiang Qiming. Die Berichte beschreiben den Film als Reflexion über die Schrecken des Krieges und den Wert des Friedens.

Entscheidend ist der Blickwinkel. Die Hauptfiguren sind keine Soldaten und keine Politiker, sondern Menschen, die im Ausland arbeiten und in einem Krieg festsitzen, den sie nicht begonnen haben. Der Krieg erscheint damit als Lebensumstand der Figuren und nicht als militärisches Geschehen, das man verfolgt. Wer den Film sieht, begleitet einzelne Menschen in einem Restaurant und keine Armeen.

Die Zuschauer, deren Eindrücke die Berichte wiedergeben, sehen genau darin den Unterschied. Mehrere Kinobesucher im Großraum Los Angeles lobten, der Film biete nordamerikanischem Publikum eine andere Sicht auf Konflikte im Nahen Osten als die, die Hollywood üblicherweise zeigt. Eine Zuschauerin namens Alivia, die den Film in einem AMC-Kino in Monterey Park sah, sagte: „Es hat wirklich die Augen der Menschen dafür geöffnet, was im Nahen Osten tatsächlich passiert ist, und es zeigt, dass alle darin verwickelt sind – nicht nur die Amerikaner und die Menschen im Nahen Osten. Es sind alle.“ Diese Stimmen sind Eindrücke einzelner Zuschauer, keine Erhebung. Sie sagen etwas über die Wirkung auf diejenigen, die im Kino saßen, nichts darüber, wie breit diese Wirkung ist.

Die Zahlen: 2,36 Milliarden Yuan in China, keine Zahl für Nordamerika

Die einzige belegte Wirkungszahl stammt aus China. Die Datenplattform Maoyan, nach den Berichten ein Dienst für Kinokarten und Filmdaten, beziffert die Einnahmen des Films am chinesischen Festlandmarkt seit dem Kinostart am 11. August auf mehr als 2,36 Milliarden Yuan. Umgerechnet ergibt das rund 330 Millionen US-Dollar. Stand der Zahl sind die Berichte vom 10. Oktober 2026.

Bevor man diese Summe vergleicht, muss man wissen, was sie misst. Es ist der Bruttoertrag an den Kinokassen. Was davon nach Abzug der Anteile von Kinobetreibern und Verleihern beim Produzenten ankommt, geht aus den Berichten nicht hervor. Eine Einspielsumme von 330 Millionen Dollar ist deshalb keine Gewinnzahl, sondern der Umsatz, an dem alle Beteiligten einen Anteil haben.

Für Nordamerika fehlt eine vergleichbare Zahl. Die Berichte nennen die Zahl der Kinos, aber keine Vorführungen, keine Auslastung und keinen Einspielwert. Ein Vergleich der Märkte bleibt deshalb auf die Größenordnung beschränkt: In China ist der Film an den Kassen ein außergewöhnlicher Erfolg, in Nordamerika ein Start in ausgewählten Städten. Wie groß der Abstand in der Auslastung ist, lässt sich aus den Berichten nicht ableiten.

Die Gegenposition: ein staatlich ausgewählter Film ohne Kriegsparteien

Die stärkste Kritik lautet so: Ein Film, den China als offiziellen Oscar-Beitrag eingereicht hat, verkündet Frieden, ohne zu sagen, wer den Krieg führt. Die Berichte nennen weder die Konfliktparteien noch ein bestimmtes Land, in dem der Krieg stattfindet, genauer als den Nahen Osten. Wer die Frage nach Verantwortung im Ungefähren lässt, kann von dieser Unschärfe profitieren. Der Frieden wird dann zur allgemeinen Losung, und der Film wäre politisch am wenigsten angreifbar, wenn er am wenigsten sagt. Dieser Einwand trifft einen Punkt, den man nicht übergehen sollte: Ein Film über Krieg, der niemanden nennt, bleibt im Urteil seiner Zuschauer frei von Schuld.

Die stärkste Antwort darauf liegt im Gegenstand selbst. Der Film erzählt von einzelnen Menschen und nicht von einer Staatsführung. Eine Fabel, die von Köchen, Gästen und einem Restaurant lebt, muss den Konflikt nicht beim Namen nennen, um ernst zu sein. Das Unbenannte kann auch die Absicht sein, das Publikum nicht auf eine Seite zu ziehen. Ob das gelingt, entscheidet sich nicht an den Begleittexten und Pressemitteilungen, sondern an der Darstellung im Film selbst. Diese Prüfung ist mit den vorliegenden Berichten nicht zu leisten, sie muss am Film selbst erfolgen.

Eine Unterscheidung ist dabei wichtig. Dass ein Film als offizieller Beitrag eines Landes eingereicht wird, heißt nicht, dass der Staat ihn produziert hat. Die Berichte belegen die Auswahl: Der Film ist vom chinesischen Festland als offizieller Beitrag für die Kategorie Bester internationaler Spielfilm bei der 99. Oscar-Verleihung benannt worden. Diese Auswahl sagt etwas über die Entscheidung des Landes, nicht über die Entstehung des Films. Wer aus der Auswahl auf die Haltung des Films schließt, macht den nächsten Schritt ohne Beleg.

Verleih, Oscar-Auswahl und was als Nächstes ansteht

Well Go USA Entertainment hat die nordamerikanischen Vertriebsrechte erworben und bringt den Film nun in den Kinostart. Für den Verleih ist das ein Test: Er zeigt einen chinesischsprachigen Film mit Untertiteln in mehr als 120 Kinos, und ob diese Fläche sich wirtschaftlich rechnet, sagen die Berichte nicht.

Die Auswahl als chinesischer Beitrag bedeutet, dass der Film in der Kategorie Bester internationaler Spielfilm antritt. Die Nominierungen durch die Academy sind ein späterer Schritt und stehen noch aus. Für den Film bedeutet die Auswahl Sichtbarkeit in der Branche. Ob diese Sichtbarkeit an der Kinokasse ankommt, ist eine andere Frage, die erst der Start in Nordamerika beantwortet.

Als Nächstes stehen zwei Prüfpunkte an: die Besucherzahlen der ersten Wochen in Nordamerika, sobald sie vorliegen, und die Nominierungen der Academy. Hält sich der Film mehrere Wochen in den Kinos, spricht das für eine Nachfrage, die über den Starttag hinausreicht. Bricht die Auslastung nach dem Eröffnungswochenende deutlich ein, spricht das dafür, dass der Erfolg in China außerhalb Chinas keine Entsprechung findet.