Am 19. Oktober 2026 stimmt Alberta ab. Die Frage lautet, ob die Provinz in Kanada bleibt oder den rechtlichen Prozess für ein späteres Referendum über die Abspaltung beginnt. Angesetzt hat die Abstimmung Danielle Smith. Sie spricht sich selbst für den Verbleib aus.

Wie sie an die Spitze kam

Danielle Smith wurde am 1. April 1971 in Calgary geboren und studierte an der University of Calgary Englisch und Wirtschaftswissenschaften. Danach arbeitete sie im Schulrat des Calgary Board of Education, als Lobbyistin für die Canadian Federation of Independent Business, einen kanadischen Verband unabhängiger Unternehmen, als Kolumnistin in Calgary und als Radio- und Fernsehmoderatorin.

In die Politik kam sie über die Wildrose Party. 2009 übernahm sie deren Vorsitz. Von 2012 bis 2015 saß sie für den Wahlkreis Highwood in der Legislativversammlung, und von 2012 bis 2014 führte sie die Opposition. Ihr Parteiweg führt von den Progressive Conservatives über die Wildrose Party zur United Conservative Party, der sie seit 2017 angehört. Nach einer Pause von der Politik arbeitete sie bis 2022 als Radiomoderatorin und als Präsidentin der Alberta Enterprise Group.

Am 11. Oktober 2022 wurde sie Premierministerin. Seit dem 8. November 2022 vertritt sie zudem den Wahlkreis Brooks-Medicine Hat.

Wofür sie wirbt

Smith will ein souveränes Alberta innerhalb eines vereinten Kanadas. Das Gesetz dafür, das Alberta Sovereignty Within a United Canada Act, trat im Dezember 22 in Kraft und soll die Provinz vor Bundesgesetzen schützen, die sie für übergriffig hält.

Vier der zehn Fragen betreffen Verfassungsreformen: die Abschaffung des Senats, das Recht, Bundesprogramme ohne Verlust der Gelder zu verlassen, und ein Vorrang von Provinzgesetzen in strittigen Zuständigkeiten. Die zehnte Frage betrifft den Weg zu einer möglichen Abspaltung. Smith wirbt dafür, die übrigen neun Fragen zu bejahen.

Der stärkste Einwand gegen ihre Haltung betrifft die Zusage. Nach Medienberichten hat sie erklärt, sie werde keine zweite Abstimmung ansetzen, falls eine Mehrheit in Kanada bleiben will. Medienberichte bezweifeln jedoch, dass diese Entscheidung allein bei ihr liegt. Eine frühere Gerichtsentscheidung hat ein verbindliches Referendum über die Abspaltung ohne vorherige Konsultation der First Nations untersagt. Die Provinzregierung hat dagegen Berufung eingelegt.

Separatistische Gruppen sehen die Abstimmung als Mittel, um in Ottawa mehr Verhandlungsmacht zu gewinnen. Premierminister Mark Carney nahm am 16. Oktober in Edmonton an einer Kundgebung für den Verbleib teil.

Was ein Ja-Ergebnis auslösen würde

Ein Ja führt nicht unmittelbar zur Abspaltung. Es startet einen langen rechtlichen Prozess, an dessen Ende eine zweite, verbindliche Abstimmung stehen könnte.

Die Zahlen dazu messen unterschiedliche Dinge. Umfragen der Institute Angus Reid und Ipsos sehen 66 bis 70 Prozent für den Verbleib und 20 bis 34 Prozent für die Unabhängigkeitsbefürworter. Die Zustimmung zum Beginn des Prozesses lag laut einer jüngsten Umfrage bei rund 23 Prozent. Smith nannte diesen Wert Berichten zufolge „noch immer zu hoch für meinen Geschmack“. Vor einigen Jahren kamen separatistische Parteien nach Angaben des früheren Premiers Jason Kenney meist auf ein oder zwei Prozent der Stimmen. Die 23 Prozent sind also eine Verschiebung aus dem Randbereich, aber keine Mehrheit.

Was als Nächstes ansteht

Als Nächstes stehen zwei Schritte an: das amtliche Endergebnis der Auszählung und die Berufung der Provinzregierung gegen das Urteil zu einem verbindlichen Referendum. Maßstab für die Deutung ist der amtliche Stimmenanteil des Ja-Lagers, nicht die Umfrage.

Eine Premierministerin hat den Weg zur Abspaltung zur Abstimmung gestellt und wirbt zugleich dagegen.