Der Prozess hatte am 11. Juli 2025 begonnen und ist auf rund 100 Verhandlungstage bis Ende 2026 angesetzt. Die Beweisaufnahme soll spätestens im August 2026 abgeschlossen sein. 2, 14
Was dem Gericht vorgeworfen wird: die Anklage in Kürze
Die Staatsanwaltschaft Hamburg wirft Christina Block vor, nach einem eskalierten Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel die israelische Sicherheitsfirma Cyber Cupola mit der Rückholung ihrer beiden jüngsten Kinder beauftragt zu haben. Die Kinder, ein Sohn (geboren 2010) und eine Tochter (geboren 2013), lebten seit 2021 beim Vater in Gråsten (Gravenstein) in Süddänemark. In der Silvesternacht 2023/24 sollen mehrere Männer dem Vater und den Kindern aufgelauert, den Vater zusammengeschlagen und die Kinder gewaltsam in ein Auto gezerrt haben. Die Kinder wurden zunächst nach Baden-Württemberg, dann nach Hamburg gebracht. 2, 4
Mitangeklagt sind Familienanwalt Andreas Costard (64), dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, den Auftrag zur Entführung gemeinsam mit Block erteilt zu haben, sowie der israelische Staatsbürger Tal S. (36), der seine Beteiligung eingeräumt hat und die Aktion vor Ort leitete. 1, 4 Vier weitere Angeklagte – darunter Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling, ein deutscher Sicherheitsunternehmer und ein Ehepaar – sind wegen Beihilfe angeklagt. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. 1, 4
Was Block am 25. und 26. August sagte
Die Korrektur vom 25. August 2026 betraf das erste Treffen mit David Barkay, dem Chef der israelischen Sicherheitsfirma. Bis dahin hatte Block angegeben, es sei dabei ausschließlich um Cybersicherheit für die Block-Gruppe gegangen. Nun räumte sie ein, dass auch ihre Kinder und die Beschaffung von Informationen für familienrechtliche Verfahren Thema gewesen seien. Das Gespräch habe Ende Januar 2023 in einem Restaurant stattgefunden – nicht in einem Hotel, wie sie zuvor gesagt hatte. Sie erklärte, ihr sei die Einzelheit erst durch spätere Aussagen im Prozess wieder eingefallen: „Es schmerzt mich von tiefstem Herzen." Barkay hatte ihre frühere Darstellung zuvor als unwahr bezeichnet., 11
An ihrer zentralen Verteidigung änderte Block nichts. Ein Treffen am 28. Dezember 2023 im Grand Elysée – dem Hotel der Hamburger Familie –, bei dem sie laut Aussagen mehrerer Angeklagter und Zeugen den Männern als Auftraggeberin kurz vor der Silvesternacht Glück gewünscht haben soll, stellt sie in Abrede. „Es gibt keinen einzigen Sachbeweis", sagte sie vor Gericht. Die Outlook-Einladungen zu diesem und weiteren Terminen hätten die Israelis möglicherweise nachträglich erstellt, um sie zu belasten. Womöglich sei sie an diesem Tag im Hotel gewesen, um nach den Feiertagen Geschirr zurückzugeben. Am 26. August äußerte sie sich erneut persönlich und wiederholte: „Ich wusste von nichts." 9, 10
Die Verteidiger Ingo Bott und Marko Voß legten parallel hunderte Dokumente im Selbstleseverfahren vor, die Block entlasten sollen, und warfen Polizei und Staatsanwaltschaft Einseitigkeit bei den Ermittlungen vor.
Wie das Verfahren jetzt weiterläuft
Nach 63 Verhandlungstagen (Stand Juli 2026) nähert sich die Beweisaufnahme ihrem Ende. Im Sommer 2026 wurde die Hauptermittlerin der Hamburger Polizei als Zeugin befragt; sie hielt die Aussagen der Kinder bei den polizeilichen Vernehmungen im Jahr 2024 für glaubhaft: „Es wirkte glaubhaft, was die Kinder erzählt haben." Die Verteidigung hatte zuvor auf einen möglichen Loyalitätskonflikt der Kinder hingewiesen., 15
Das mit Spannung erwartete Gutachten der forensisch-jugendpsychiatrischen Sachverständigen soll die seelischen Folgen der Entführung für die Entwicklung der Kinder einschätzen. Stellungnahmen zu Handy- und IT-Daten der Angeklagten standen Anfang September 2026 auf dem Programm. Die vorsitzende Richterin Hildebrand hatte das Prozessende auf spätestens August 2026 vorgezogen, was sich durch die Nachentwicklungen verschoben hat. 16, 17
Woran man erkennen wird, wie das Verfahren ausgeht: Entscheidend wird sein, ob das Gericht die Aussagen jener Zeugen und Mitangeklagten für glaubhaft hält, die ein Treffen mit Block am 28. Dezember 2023 im Grand Elysée bezeugen – und ob Blocks Korrektur ihrer früheren Einlassung ihre Glaubwürdigkeit in der Gesamtbewertung stärkt oder schwächt. Ankündigung und Aussage liegen in diesem Verfahren weit auseinander: Vor einem Jahr sagte Block, es sei nur um Cybersicherheit gegangen. Jetzt sagt sie, die Kinder seien von Anfang an Thema gewesen.
