Was zeigt Klopps System nach vier Spielen, und was verdecken die Ergebnisse? Das 4-3-3 mit einem Mittelfeldspieler vor der Abwehr hat Zugriff gezeigt, aber noch keine Verlässlichkeit vor dem Tor. Die Tabelle suggeriert ein Gleichmaß, das die Spiele nicht hatten.
Vier Spiele, vier Verläufe
In Amsterdam, am 24. September, brachte Felix Nmecha Deutschland in der 32. Minute in Führung; Cody Gakpo glich in der 92. Minute aus. Vor dem Anpfiff hatte sich Jamal Musiala beim Aufwärmen verletzt, Kai Havertz schied nach rund einer halben Stunde verletzt aus. Das Gegentor fiel nach einem Ballverlust auf Höhe der Mittellinie und schnellem Umschalten der Niederländer. Nach Berichten niederländischer Medien dominierten die Gastgeber.
In Augsburg, am 27. September, verlor Deutschland sein erstes Heimspiel unter Klopp mit 0:1 gegen Griechenland. Das einzige Tor erzielte Dimitrios Kourbelis in der 74. Minute nach einem Konter, sein Schuss wurde abgefälscht. Klopp sagte danach: „Wir sind nicht das FC Bayern des europäischen Fußballs, sondern eine Fußballmannschaft, die sich erst noch finden muss.“ Zu den ersten Pfiffen unter seiner Amtszeit sagte er: „Wer pfeifen will, soll mich auspfeifen.“
In München, am 1. Oktober, gewann Deutschland 2:0 gegen den damaligen Tabellenletzten Serbien, Klopps erster Sieg. Bischof traf nach einer Vorlage von Florian Wirtz zum 1:0, das zweite Tor erzielte Wirtz selbst.
In Thessaloniki, am 4. Oktober, endete das Rückspiel gegen Griechenland 0:0. Klopp änderte seine Startelf auf drei Positionen: David Raum, Lennart Karl und Burkardt rückten hinein, Wirtz trug die Kapitänsbinde. Nach wenigen Minuten rettete Torhüter Jonas Urbig gegen einen Kopfball von Georgios Masouras. Danach bestimmte Deutschland das Spiel, die Griechen kamen bis zur Pause zu keiner Torchance mehr. Nach einer guten halben Stunde traf Burkardt zu seinem ersten Länderspieltor; Schiedsrichter Clément Turpin nahm es nach dem Videobeweis zurück. Klopp sagte danach: „Ich bin sehr angetan von der Mannschaft, wie viel Druck sie aufgebaut hat, wie sie Chancen herausgespielt hat, nur leider haben wir das Tor nicht gemacht und manchmal den besser postierten Nebenmann übersehen.“
Was das 4-3-3 zeigt
In Thessaloniki eroberte die Mannschaft Fehlpässe und Ballverluste im Gegenpressing binnen Sekunden zurück. Im Heimspiel gegen Griechenland kam sie gegen einen tief stehenden Gegner dagegen kaum zu Torchancen; in den beiden letzten Spielen gelang das besser. Beide Gegentore fielen nach Kontern und gingen auf vermeidbare Fehler im Mittelfeld und im eigenen Drittel zurück.
Vor dem Tor ist die Mitte noch offen. Die drei Tore erzielten Nmecha, Bischof und Wirtz; von den zentralen Stürmern Burkardt, Younes Ebnoutalib und Nick Woltemade empfahl sich nach Einschätzung von Beobachtern keiner nachdrücklich. Klopp kündigte nach dem 0:0 an, für jede Position im 4-3-3 eine Rangfolge festzulegen.
Was die Ergebnisse verdecken
Zwei Unentschieden sehen in der Tabelle gleich aus und waren gegensätzliche Spiele. In Amsterdam führte Deutschland bis in die Nachspielzeit und gab den Sieg aus der Hand, in Thessaloniki bestimmte es das Spiel und bekam keinen Treffer. Die Niederlage von Augsburg war dagegen das einzige Spiel, in dem das System kaum Zugang fand. In drei von vier Spielen entschied ein einziger Moment über das Ergebnis: ein Tor in der Nachspielzeit, ein abgefälschter Schuss, ein aberkannter Treffer. Eine Bilanz, die so viel Zufall enthält, taugt nur begrenzt als Urteil über das System.
Der stärkste Einwand: Die Tabelle fragt nicht nach Verläufen. Wer Spiele kontrolliert, muss sie auch entscheiden, und dass dreimal ein Moment den Ausschlag gab, ist dann nicht Pech, sondern ein Effizienzproblem. Klopp selbst benennt es: Das Tor fehlte, der besser postierte Nebenmann wurde übersehen.
Was im November zählt
Um das Viertelfinale zu erreichen, muss Deutschland Zweiter werden. Den direkten Vergleich mit Griechenland hat die Mannschaft verloren, nach 0:1 und 0:0. Am 13. November kann Deutschland in Belgrad gegen Serbien die Chance aufrechterhalten; bei einer Niederlage könnte das Viertelfinale nicht mehr zu erreichen sein. Am 16. November kommen die Niederlande nach Berlin. Der Kader dafür wird am 5. oder 6. November benannt.
