Am 24. Juli 2026 warfen Unbekannte mit roter Farbe gefüllte Einweggläser gegen Fassade und Fenster eines OHB-Gebäudes im Bremer Stadtteil Horn-Lehe. Der Konzern ist als Raumfahrtunternehmen bundesweit bekannt; sein Name taucht regelmäßig im Zusammenhang mit Rüstungsprojekten auf. Den Anschlag begleitet ein Schreiben, das auf einer Online-Plattform erschien, die der Verfassungsschutz der linksextremistischen Szene zuordnet. Die Bremer Polizei bestätigte am Nachmittag desselben Tages, dass der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen habe und sowohl die Echtheit des Schreibens als auch ein vorliegendes Video prüfe.

Was das Bekennerschreiben sagt – und was daraus folgt

Das Schreiben nennt als Motiv, dass Steuergelder in großem Ausmaß in Rüstungsunternehmen wie OHB flössen, während es gleichzeitig Sozialkürzungen gebe. Es endet mit dem Aufruf: „Jugend voran, wehrt euch!" Damit ist der ideologische Rahmen benannt: antimilitaristisch, mit Bezug auf sozialpolitische Ungleichverteilung. Den Verfassern schreiben Polizei und Staatsschutz das Schreiben nicht zu – die Prüfung der Echtheit war am Tag der Veröffentlichung noch offen.

Ob das Schreiben authentisch ist, ob dahinter eine strukturierte Gruppe oder Einzelpersonen stehen und welche Beschuldigten gegebenenfalls identifiziert wurden: Das ist amtlich nicht dokumentiert. Der Verfahrensstand – Ermittlungen gegen Unbekannt, Identifizierung, Anklage – ist öffentlich nicht belegt.

Ein Muster, das länger zurückreicht

Der Anschlag vom Juli 2026 ist nicht der erste auf OHB in Bremen. In der Silvesternacht 2022 auf 2023 brannte es an der OHB-Zentrale. Eine Gruppe, die sich „Autonome Antimilitarist:innen" nannte, bekannte sich damals und warf dem Unternehmen Geschäfte mit der Bundeswehr vor. Der Vorwurf ähnelt dem des aktuellen Schreibens; die Gruppen sind nicht dieselbe.

Die amtlichen Zahlen des Bundeskriminalamts zeigen für das Jahr 2025 eine deutliche Zunahme linksextremistischer Gewalttaten: 856 Delikte, ein Anstieg von 60,9 Prozent gegenüber 532 im Jahr 2024. Sachbeschädigungen – die häufigste von Linksextremisten begangene Straftat – stiegen 2025 auf 4.344 Delikte, ein Plus von 38,2 Prozent. Diese Zahlen zählen Anzeigen, nicht Verurteilungen; Dunkelfeld und Definitionswechsel in der Erfassung politisch motivierter Kriminalität sind bei jedem Jahresvergleich mitzudenken.

Für Anschläge auf Rüstungs- und Industriestrukturen verweist das Bundesamt für Verfassungsschutz in einem Sicherheitshinweis vom 23. Juli 2026 – also dem Vortag des Anschlags – auf eine erhöhte Gefährdungslage für die Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft. Der Hinweis adressiert vor allem ausländische Nachrichtendienste und extremistische Akteure und nennt Unternehmen mit Bezug zur Ukraine als besonders exponiert. Ob OHB dort namentlich erwähnt wird, ist nicht belegt.

Was als Nächstes ansteht

Der laufende Ermittlungsstand liegt beim Staatsschutz der Bremer Polizei und der Staatsanwaltschaft Bremen. Ob sich aus den Echtheitsprüfungen von Schreiben und Video ein konkreter Tatverdacht entwickelt hat, ist öffentlich nicht dokumentiert. Woran sich ein Fortschritt der Ermittlungen zeigen wird: eine Anklageerhebung oder eine Mitteilung über Beschuldigte durch die Staatsanwaltschaft Bremen. Bis dahin gilt: Der Täterkreis ist unbekannt, die Zuordnung zur linksextremistischen Szene stützt sich auf die Plattformwahl des Bekennerschreibens, nicht auf eine abgeschlossene Zuordnung durch die Behörden.