Am 5. Mai 2025 trat Knodel aus der AfD aus, kurz nachdem das Bundesamt für Verfassungsschutz die Partei als gesichert rechtsextremistisch eingestuft hatte. Als Grund nannte er den Schutz seines privaten und geschäftlichen Umfelds: Kunden hätten angekündigt, die Geschäftsbeziehungen zu beenden. Seitdem sitzt er als Fraktionsloser im Parlament.

Was folgte, ist durch Abwesenheitslisten belegt: 59 von 68 namentlichen Abstimmungen — rund 87 Prozent — hat Knodel bis Ende Juli 2026 verpasst. Eine Rede hielt er nie. Er unterhält kein Wahlkreisbüro, betreibt keine eigene Website, hat seine Social-Media-Präsenz nach eigenen Angaben wegen Hasskommentaren gelöscht. Sein offizieller parlamentarischer Status: beratendes Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat.

Im September 2025 filmte BILD Knodel dabei, wie er während einer Ausschusssitzung in seinem Hubarbeitsbühnen-Unternehmen in Baden-Württemberg arbeitete. In einem späteren Interview erklärte er, seine Firma sei ihm wichtiger als das Bundestagsmandat. Drei Mitarbeiter — darunter eine wissenschaftliche Mitarbeiterin und eine Bürokraft — werden aus Steuermitteln finanziert; parlamentarische Produkte, für die sie zuarbeiten könnten, sind nicht nachweisbar.

Ende Juli 2026 berichteten Der Spiegel und die WELT ausführlich über den Fall. Knodel sprach mit beiden Medien und erklärte, er habe als fraktionsloser Einzelkämpfer ohnehin keine Möglichkeit, etwas zu bewegen. Auf Gewissensbisse angesprochen sagte er, seine Firma zahle viel Steuern — er bekomme nun etwas zurück.

Bilanz

Wohin läuft die Person?

Knodels Trajektorie verläuft in Richtung vollständiger parlamentarischer Bedeutungslosigkeit. Er hat die AfD verlassen, ohne einer anderen Kraft beizutreten oder sich programmatisch neu zu verorten. Er hat weder inhaltliche Schwerpunkte gesetzt noch Bündnisse gesucht. Die öffentliche Aufmerksamkeit der letzten Wochen gilt ausschließlich seiner Abwesenheit, nicht seinen Positionen. Wer nichts tut, kann nichts gewinnen — und Knodel hat seit dem 26. September 2021 nichts getan.

Echter Beitrag

Der einzige substanzielle Schritt, den Knodel dokumentiert vollzogen hat, ist sein Austritt aus der AfD im Mai 2025. Er hat damit — ohne öffentliches Drama, ohne Übertritt zu einer anderen Fraktion — ein Bundestagsmandat der AfD entzogen. Ob das politisch zählt, hängt am Maßstab: Als Beitrag zur parlamentarischen Arbeit taugt es nicht; als Entscheidung gegen eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei ist es zumindest ein belegbarer Schritt. Alles andere fehlt.

Irrelevantes

Knodels Interviews der letzten Wochen — Spiegel, WELT, Tagesspiegel — gehören in diese Kategorie. Er erklärt darin seine Lage, greift die AfD an und beschreibt sich als Opfer der Verhältnisse. Das ist Tagesgeschäft ohne Folge. Ebenso irrelevant: seine beratende Ausschussmitgliedschaft, die ohne nachgewiesene Teilnahme, Wortmeldung oder schriftlichen Beitrag bleibt.

Pose & Klamauk

Knodels Kernbegründung für das Behalten des Mandats — er verhindere damit die Nachrückung eines AfD-Politikers — ist das präziseste Selbstzeugnis des Falls. Er formuliert einen politischen Zweck, ohne ihn zu verfolgen: Wer die AfD schwächen will, tut das mit Abstimmungen, Anträgen, Reden — nicht mit Abwesenheit. Die Aussage, er sei als Einzelkämpfer ohnehin machtlos, schließt den Kreis: Knodel benennt seinen eigenen Wirkungsverzicht als Begründung dafür, das Mandat zu behalten, mit dem er nichts bewirkt. Gefilmt beim Firmeneinsatz während einer Parlamentssitzung, erklärte er, seine Steuerzahlungen rechtfertigten seine Diätenbezüge. Amt und Geschäft, Mandat und Unternehmen — beides hat er, keines davon für das andere aufgegeben.

Der Abstand zwischen dem, was Knodel sagt, und dem, was er tut, ist das Urteil: Er hat 2025 über Programmpunkte kandidiert — Klimawandelskepsis, Abschaffung der CO2-Besteuerung —, die er im Bundestag nie zur Abstimmung gebracht hat.