Die Regierung Sánchez (PSOE und Sumar) hatte im September 2026 zwei Dekrete beschlossen. Ein Moratorium sollte Zwangsräumungen bis 2030 untersagen oder einschränken. Saison- und Zimmervermietungen sollten strenger geregelt werden, und Mietverträge sollten sich automatisch verlängern. Zum Maßnahmenpaket gehören laut Berichten außerdem eine Begrenzung von Mieterhöhungen und ein Erwerbsverbot für sogenannte „Geierfonds“ bis 2028. Welche dieser Punkte in welchem der beiden Dekrete standen, geht aus dem vorliegenden Material nicht in allen Details hervor.

Ein Dekret ist hier ein Regierungsbeschluss, der das Parlament erst noch bestehen muss. Genau daran scheiterte es: Das erste fiel mit 178, das zweite mit 184 Nein-Stimmen. PP und Vox lehnten ab, dazu die katalanische Partei Junts, der Berichte eine Schlüsselrolle zuschreiben. Die Opposition argumentiert, die Regeln würden das Angebot weiter verknappen und die Mieten treiben. Das ist ihre Position, keine belegte Wirkung.

Eine Minderheitsregierung ohne stabile Mehrheit trifft auf drei Fraktionen mit verschiedenen Motiven: Das ist der überprüfbare Mechanismus des Scheiterns. Von einer blockierten Kommunikation zwischen Verwaltungsebenen berichtet keine der ausgewerteten Quellen.

Was zur Kritik aus Madrid belegt ist

Der Auftrag unterstellt, die Autonome Gemeinschaft Madrid werfe dem Wohnungsbauministerium vor, Zwangsräumungs-Meldungen jahrelang nicht beantwortet zu haben. Die Recherche bestätigt das nicht. Sie findet allgemeine Kritik der Region an der Zentralregierung, aber keine konkreten Versäumnisse, keine Zahl unbeantworteter Meldungen und keinen Zeitraum. Wer das als Befund schriebe, würde eine Behauptung ohne Beleg über Behörden verbreiten.

Auch der Fall der 87-jährigen Maricarmen Abascal belegt etwas anderes. Ihre Zwangsräumung in Madrid löste die Proteste mit aus und beschleunigte laut Berichten das Moratoriums-Vorhaben. Sie zeigt, wie sichtbar ein Einzelfall werden kann. Ob an ihrem Fall eine Informationskette riss, lässt sich aus dem Material nicht ableiten.

Wie groß die Proteste und das Defizit sind

Am 4. Oktober 2026 gingen in Madrid und mehr als 50 weiteren Städten Zehntausende auf die Straße,. In Madrid zählten die Behörden 70.000 Teilnehmer, die Organisatoren sprachen von 500.000. Die Abweichung ist so groß, dass beide Angaben nur als Angaben der jeweiligen Seite zu führen sind. Die Veranstalter kündigten weitere Proteste an, auch einen Generalstreik.

Das Problem dahinter ist messbar. Die spanische Zentralbank schätzt das Defizit auf 700.000 Wohnungen, 100.000 mehr als 2024. Die Durchschnittsmieten haben sich in zehn Jahren nahezu verdoppelt. Im ersten Quartal 2026 lag der Quadratmeterpreis für Bestandsimmobilien bei 3.014 Euro, 21 Prozent über dem Vorjahr; diese Zahl stammt aus einer Marktquelle, nicht aus amtlicher Statistik.

Gegen diese Lage standen im April 2026 ein staatlicher Wohnungsplan 2026–2030 mit 7 Milliarden Euro für Neubau, Sanierung und Hilfen für gefährdete Gruppen und ein königliches Dekret vom Januar 2026 mit Steuererleichterungen für Vermieter, die Verträge ohne Erhöhung verlängern. Das Defizit wuchs trotzdem. Ob die Maßnahmen zu spät kamen oder zu klein sind, lässt sich nicht sagen, denn ihre Wirkung ist laut Recherche noch nicht abschätzbar. Wie die 7 Milliarden auf Zentralstaat und Regionen verteilt werden, wird nur grob skizziert.

Was die Datenlage nicht hergibt

Die Frage nach Überbelegung und der Quote von Haushalten ohne Grundausstattung im Jahresvergleich lässt sich hier nicht beantworten: Eurostat führt dazu Daten, die Recherche erfasste aber keine Zahlen. Auch die Zahl der von Räumungen betroffenen Haushalte und deren Zusammensetzung sind nicht dokumentiert. Eine belastbare Aussage zur Räumungsmeldepraxis zwischen Madrid und dem Ministerium fehlt ebenfalls.

Woran sich der Ausgang erkennt

Drei Dinge entscheiden in den kommenden Wochen. Erstens, ob die Regierung die Dekrete in Gesetzesform neu einbringt und ob Junts dabei andere Bedingungen stellt. Zweitens, ob der Streik tatsächlich ausgerufen wird. Drittens, ob Neuwahlen angesetzt werden, die Berichte als Spekulation führen. Eine amtliche Aufstellung der Madrider Vorwürfe samt Datum und Fallzahl würde die Hypothese der blockierten Meldeketten prüfbar machen. Bis dahin ist sie unbelegt.