Der Plan hieß FIFA Forward Enterprise. Er sah vor, 20 Prozent der kommerziellen Rechte an zukünftigen Weltmeisterschaften an private Investoren zu verkaufen — ein Volumen von über vier Milliarden Dollar. Jeder Mitgliedsverband hätte 20 Millionen Dollar erhalten, Infantino hätte die Architektur gebaut und die Bedingungen gesetzt. Die Verbände erfuhren davon nicht in einer Konsultation, sondern in einer Mitteilung.
Die UEFA reagierte mit einer Sprache, die man im Fußball selten hört: Boykott, Rücktritt, mögliche Strafanzeige wegen kriminellen Missmanagements. CONCACAF und die Asiatische Fußball-Konföderation schlossen sich an. Der Druck war real — nicht weil Infantino die Mehrheit verloren hätte, sondern weil ein Kongress in Rabat im März 2027 mit offen zerstrittenen Kontinentalverbänden seinem Bild schaden würde.
Also zog er den Plan zurück. Und schrieb einen Brief.
Das beste Argument für Infantino verdient seine ernsthafte Betrachtung: Die FIFA hat tatsächlich ein Strukturproblem. Der Präsident ist mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet, der Kongress tagt selten, der Rat folgt häufig der Linie des Bureau. Wer das ändern will, muss intern beginnen — externe Regulierung durch Nationalstaaten oder Sportgerichte greift bei einem privaten Verband mit 211 Mitgliedern nur begrenzt. Eine externe Governance-Prüfung, so das Argument, wäre immerhin ein erster Schritt.
Das Problem ist: Infantino schlägt vor, dass der FIFA-Rat diese Prüfung in Auftrag geben soll. Jener FIFA-Rat also, dessen Zusammensetzung er maßgeblich mitprägt, dessen Sitzungsagenden sein Bureau bestimmt und der seinen Investorenplan bis zum offenen Widerstand der Konföderationen mitgetragen hat. Eine externe Überprüfung, bestellt vom zu Überprüfenden, ist keine Überprüfung. Es ist ein Gutachten mit bekanntem Ergebnis.
Hinzu kommt, was der Brief nicht enthält. Stimmrechtsgewichte: unverändert. Kandidaturbedingungen für 2027: unverändert — fünf Unterstützerverbände genügen, was für Infantino, der sich auf CAF und CONMEBOL stützt, kein Hindernis darstellt. Die Frage seiner Amtszeit — drei Amtszeiten laut Statut, Infantino zählt seine erste nicht, weil sie eine vorzeitig begonnene war — bleibt ebenfalls offen, trotz gegenteiliger Einschätzungen der Menschenrechtsorganisation Fairsquare. Konsultiert werden sollen die Mitgliedsverbände zu Fragen der Transparenz und Partizipation, nicht zu den Regeln, nach denen ihr Präsident gewählt wird.
Was also reformiert werden soll, lässt sich präzise beschreiben: der Eindruck, nicht die Struktur. Gut darin, die Lage zu benennen — und erkennbar schwächer darin, sie zu verändern.
Die UEFA sucht einen Gegenkandidaten. Bislang ohne Erfolg. Das ist das eigentliche Maß der Situation: Infantino muss keine einzige Stimme in Afrika oder Südamerika verlieren, um im März 2027 zu gewinnen. Er braucht nur die europäischen Verbände ruhig zu stellen — lange genug, bis der Kongress stattgefunden hat. Dafür reicht ein Brief. Er hat ihn geschrieben, und die Ratssitzung am 15. Oktober 2026 soll die Reform nun offiziell anstoßen.
Wann immer Infantino unter Druck gerät, reformiert er. Er reformierte nach Blatter. Er reformierte nach dem Katar-Debakel. Er reformiert jetzt. Die FIFA hat danach jedes Mal eine stärker zentralisierte Führungsstruktur gehabt als zuvor.
Die Überprüfung ist für Oktober terminiert. Infantinos Kandidatur für März 2027 ist bereits angemeldet.
