Kimberly Guilfoyle ist eine der bekanntesten Trump-nahen Figuren der amerikanischen Öffentlichkeit – bekannt durch ihre Jahrzehnte als Gesicht im Fernsehen, dann als prominente Wahlkampfrednerin und schließlich als Botschafterin. Ihr Werdegang lässt sich in drei Etappen lesen: Recht und Fernsehen, Trump-Welt, diplomatisches Amt.
Vom Gericht zum Studio
Guilfoyle studierte Rechtswissenschaften und arbeitete als Staatsanwältin in San Francisco und Los Angeles, wo sie unter anderem Mordverfahren führte. Diese Zeit bildet den berufsbiografischen Kern, auf den sie in späteren Jahren häufig verwies. Danach wechselte sie ins Fernsehen: Sie war lange Moderatorin und Kommentatorin beim US-Sender Fox News, wo sie zum festen Gesicht des konservativen Meinungsfernsehens wurde. Das Programm, das sie dort über Jahre mitgestaltete, machte sie einem Millionenpublikum bekannt.
Ihr Privatleben wurde durch die Ehe mit Gavin Newsom – heute Gouverneur von Kalifornien – öffentlich begleitet; die Ehe endete 2006. In der späteren Phase ihrer Karriere war sie mit Donald Trump Jr. liiert und verlobt, was ihre Nähe zur Trump-Familie auch institutionell verankerte.
Wahlkampf und Nominierung
Im Wahlkampf 2020 trat Guilfoyle als Rednerin für Donald Trump auf. Ihre Rede beim Republican National Convention 2020 – laut gehalten, mit ausgebreiteten Armen – wurde vielfach kommentiert und wurde zum eigenen Medienereignis. Sie setzte sich öffentlich für Trumps Kandidatur ein und gehörte zum engsten Unterstützerkreis der Familie.
Nach Trumps Wahlsieg 2024 nominierte er sie im November 2025 als US-Botschafterin für Griechenland. Im Juli 2025 fand die Anhörung im US-Senat statt; der Senat bestätigte sie danach in ihrem Amt. In Athen trat sie nach Berichten aus Griechenland öffentlichkeitswirksam auf und war auf dem Cover der griechischen Vogue zu sehen. Sie selbst hatte vor ihrer Nominierung angegeben, ihre Griechenland-Kenntnisse stammten aus Geschichtskursen im Studium und einer Hochzeitsreise.
Die Vorwürfe und das Rücktrittsersuchen
Den aktuellen Vorgang bildet ein Medienbericht vom Oktober 2026: Nach Berichten mehrerer Medien, ausgelöst durch Recherchen des Wall Street Journal, soll Guilfoyle am 3. Juli 2025 – wenige Tage vor ihrer Senatsanhörung am 9. Juli – über den verschlüsselten Nachrichtendienst Signal einen Unterstützer namens Eric Deters kontaktiert haben. Sie soll ihn um die Überweisung von 100.000 US-Dollar an ihre American-Express-Kreditkarte gebeten haben, verbunden mit dem Hinweis, das Geld werde nicht nachvollziehbar sein, wenn es direkt an American Express gehe. Deters, ein ehemaliger Kongresskandidat und Anwalt aus Kentucky, lehnte nach eigenen Angaben ab. Er erhebt den Vorwurf, Guilfoyle habe ihm im Gegenzug Zugang zu hochrangigen Regierungsvertretern in Aussicht gestellt.
Guilfoyles Anwalt Jesse Binnall bestritt gegenüber dem Wall Street Journal die Echtheit der Nachrichten und erklärte, Guilfoyle sei für Reisen und Auftritte vor ihrer Nominierung noch Geld geschuldet worden. Deters wies das zurück.
Das White House bestätigte am 13. Oktober 2026 durch Sprecherin Katie Zacharia, dass Guilfoyle zum Rücktritt aufgefordert wurde. Präsident Donald Trump hatte zuvor öffentlich erklärt, er sei mit ihrer Amtsführung nicht zufrieden und prüfe eine Entlassung. Außenminister Marco Rubio hatte die Botschafterin noch kurz zuvor als „starke Botschafterin" bezeichnet und sich geweigert, die Berichte zu kommentieren. Das Office of Inspector General des Außenministeriums hat nach Medienberichten eine Untersuchung eingeleitet, die sich auch auf den möglichen Empfang von Geschenken oder Gefälligkeiten erstreckt. Demokratische Kongressabgeordnete forderten Ermittlungen und ihre Ablösung.
Ob Guilfoyle dem Ersuchen nachkommt oder förmlich entlassen wird, war zum Stand des 13. Oktober 2026 nach Medienberichten noch offen. Ebenso stand ein Abschluss der Inspektor-General-Untersuchung noch aus.
