Gemessen an der Gewinnmarge ist davon wenig zu sehen – bezahlt wird mit Weihnachtsgeld und Homeoffice-Tagen.
Wie stark bricht Porsche ein, und wo? Zwischen Januar und September 2026 lieferte der Sportwagenbauer weltweit 178.532 Fahrzeuge aus, im Vorjahreszeitraum waren es 212.509. Das sind 16 Prozent weniger. Die Zahlen stammen vom 9. Oktober. Den Rückgang rahmt der Konzern mit einem Satz: In einem herausfordernden Marktumfeld verfolge Porsche „konsequent seine wertorientierte Absatzsteuerung“.
Ich nehme dieses Wort beim Wort. Wertorientiert ist eine Aussage über Geld, nicht über Stückzahlen, und den Maßstab dafür liefert der Konzern selbst. Daran gemessen steht Porsche schlecht da. Im ersten Halbjahr 2026 lag die Gewinnmarge bei 7,8 Prozent; jahrelang waren es rund 15. Porsche verspricht Wert und liefert eine Bilanz des Verzichts.
China, Nordamerika und der 911
Der größte Einzelbruch liegt in China: 21.493 Fahrzeuge, 33 Prozent weniger. Porsche erklärt, das Marktumfeld bleibe dort „unverändert anspruchsvoll“. Die Berichterstattung nennt als einen Grund die Immobilienkrise, die das Geld wohlhabender Chinesen weniger locker sitzen lässt.
Schwerer wiegt die Verschiebung dahinter. 2020, in einem Spitzenjahr, kamen 35 Prozent der Porsche-Verkäufe aus China; heute sind es 12 Prozent. Auf dem Kapitalmarkttag Anfang Oktober erwartete der Konzern, dass dieser Anteil mittelfristig unter zehn Prozent fällt. Das ist keine Delle mehr. Porsche rechnet mit einem kleineren Markt.
In Nordamerika sank der Absatz um 13 Prozent auf 56.088 Fahrzeuge. Porsche führt das vor allem auf das Ende der Verbrennerversionen von Boxster und Cayman zurück, die es künftig nur noch elektrisch geben wird. Dazu kommen höhere US-Importzölle. Das Ende dieser Modelle ist eine Entscheidung des Konzerns, keine Naturgewalt.
In Europa ohne Deutschland verliert Porsche elf Prozent, in Deutschland sieben, in den Übersee- und Wachstumsmärkten knapp ein Fünftel. Der 911 legt dagegen um zwölf Prozent auf 42.217 Autos zu. Der Cayenne bleibt mit 59.586 Fahrzeugen an der Spitze, verliert aber zwei Prozent. Der Macan fällt um 21 Prozent auf 51.025; davon sind 23.029 elektrisch und 27.996 mit Verbrennermotor, dessen Bau seit dem Sommer ausgelaufen ist.
Die stärkste Fassung der Konzernlogik hat Substanz. Vor drei Jahren verkaufte Porsche rund 320.000 Autos, im Juli rechnete der Konzern für 2026 noch mit etwa 250.000. Die Belegschaft wuchs seit 2015 um 75 Prozent auf zuletzt gut 42.000, und die Werke sind deutlich schlechter ausgelastet als geplant. Wer in dieser Lage Rabattaktionen kritisch sieht, verteidigt eine Marke, die vom Preis lebt. Der 911 stützt diese Lesart: Ein Klassiker findet Käufer, auch wenn andere Reihen schrumpfen.
Das Argument hat einen Haken. Es verlangt, dass der Verzicht irgendwann als Marge zurückkommt. Porsche-Chef Michael Leiters hat die neue Strategie für die VW-Tochter vorgestellt. Gemessen wird sie an der Gewinnzeile.
Die Gegenrechnung lautet: Investitionen drücken die Marge heute, damit sie morgen steigt. Das ist vertretbar, aber der Konzern muss es vorführen. Als Gründe für die Sparrunde nennt die Berichterstattung den Einbruch in China, höhere US-Zölle und milliardenschwere Investitionen in Elektroautos, die sich bislang nicht auszahlen. China erklärt damit die Stückzahl. Für die Marge reicht das nicht.
Die Garantie bis 2035 und ihr Preis
Am 27. Juli hatten Unternehmen und Betriebsrat bei einer Betriebsversammlung in Stuttgart ein neues Sparpaket mitgeteilt. Es sieht 5.000 weitere Stellen vor, bis 2035. Mit den 3.900 Stellen aus dem Vorjahresbeschluss summiert sich der Abbau auf 8.900; bei Tochterunternehmen fallen rund 500 weitere weg.
Zugleich verlängert Porsche die Standort- und Beschäftigungssicherung für Zuffenhausen und Weissach bis Ende 2035. Betriebsbedingte Kündigungen sind damit ausgeschlossen. Der Abbau läuft über nicht nachbesetzte Stellen, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge. Das ist eine Zusage, die sich sehen lassen kann, und der Betriebsrat hat das Paket mitgetragen. In einer Branche, die gerade Stellen streicht, ist sie keine Selbstverständlichkeit. Ich halte diesen Teil für richtig.
Die Rechnung steht im selben Paket. Tariferhöhungen werden bis 2035 teilweise einbehalten, das Weihnachtsgeld wird gekürzt, der Bonus soll stärker am Unternehmenserfolg hängen, und das mobile Arbeiten sinkt von zwölf auf höchstens acht Tage im Monat. Viele Manager verzichten 2027 und 2028 auf Gehaltserhöhungen. Außerdem stellt Porsche 2,1 Milliarden Euro für Zuffenhausen und Weissach in Aussicht.
Stellen Sie sich einen Konzern vor, der seiner Belegschaft Sicherheit bis 2035 verspricht und ihr im selben Paket das Weihnachtsgeld kürzt. Man würde ihn nicht Wohltäter nennen, sondern Tauschpartner. Porsche hat genau diesen Tausch vorgelegt.
Das Wort Beschäftigungssicherung klingt nach Arbeitsplätzen. Gemeint ist: Es wird nicht gekündigt. Die Stellen verschwinden trotzdem, nur ohne Kündigung.
Wertorientiert heißt bei Porsche derzeit: weniger Autos, eine fast halbierte Marge und ein Sparpaket, das bei den Beschäftigten ankommt.
Mein Urteil fällt knapp aus. Porsche hat recht, dass Rabattschlachten einer Luxusmarke schaden. Es hat unrecht, wenn es glaubt, dass ein Etikett die Marge ersetzt. Der Verzicht ist verteilt, aber nicht gleich verteilt: Manager verzichten auf Erhöhungen, die Belegschaft auf Geld, das ihr bisher zustand. Die Antwort auf die Frage nach der Marge liegt zum Teil in Zuffenhausen und Weissach, nicht im chinesischen Immobilienmarkt.
