BMW hat für das dritte Quartal 2026 weltweit 551.072 Fahrzeuge ausgeliefert, 6,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Den größten Anteil am Minus hat China: Dort fielen die Auslieferungen um 24,8 Prozent auf 114.355 Fahrzeuge. In Europa stiegen sie um 2,7 Prozent auf 235.628, in den USA um 2,5 Prozent auf 106.741. Die Kernmarke BMW verlor 6,8 Prozent, Mini 2,4 Prozent. Als Ursache gilt ein Preiskrieg in einem insgesamt schrumpfenden Markt, unter dem derzeit alle deutschen Hersteller leiden. Die übrige deutsche Konkurrenz meldet Rückgänge zwischen gut acht und knapp 20 Prozent. BMW kommt mit dem kleineren Minus davon, unter anderem dank des neuen Modells iX3. Vertriebsvorstand Jochen Goller fasst die Lage so zusammen: „In einem weltweit schwierigen Marktumfeld konnten wir uns in Europa und den USA gut behaupten.“

Bei den reinen Elektroautos wächst BMW in Europa um 37,5 Prozent auf 81.941 Fahrzeuge. Nach neun Monaten steht der Konzern bei 1,7 Millionen ausgelieferten Autos, 4,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Für die Politik ist aber eine andere Frage entscheidend: Wer bestimmt, was chinesische Autos in Europa kosten? Die Antwort lautet nicht Bundestag, sondern EU. Die Mehrheit der 27 Mitgliedstaaten stimmte für die Ausgleichszölle, Deutschland dagegen. Die Zölle wurden im Juli 2024 vorläufig verhängt und im August angepasst. Die Zahlung blieb jedoch ausgesetzt, damit die Verhandlungen mit Peking weiterlaufen konnten. Seit dem 30. Oktober 2024 gelten sie, für fünf Jahre.

Die Kommission unterscheidet dabei zwischen Herstellern, die bei der Prüfung mit ihr kooperiert haben, und solchen, die das abgelehnt haben. Kooperierende Hersteller zahlen knapp 20 Prozent Importzoll, die übrigen rund 35 Prozent. Hinzu kommt der allgemeine EU-Einfuhrzoll von zehn Prozent. BYD liegt bei etwa 17 Prozent, Geely bei rund 19 Prozent, der Volkswagen-Partner SAIC bei rund 35 Prozent.

Warum die Zölle so hoch ausfallen, begründet die EU mit Subventionen. Nach ihrer Auffassung wird die gesamte Wertschöpfungskette von Batterie und Elektroauto in China subventioniert. Das erlaubt chinesischen Herstellern günstige Preise und verschafft ihnen auf dem Weltmarkt erhebliche Wettbewerbsvorteile. Die EU sieht darin eine Wettbewerbsverzerrung und einen Verstoß gegen die Regeln der Welthandelsorganisation, beruft sich aber darauf, dass diese Regeln Importzölle erlauben. Die Binnennachfrage in China hat nachgelassen, produziert wird trotzdem weiter viel. Chinas Handelsüberschuss mit der EU liegt laut Berichten bei mehr als einer Milliarde Euro pro Tag, mit steigender Tendenz.

Auch BMW trifft der Zoll. Elektro-Minis, die BMW in China zusammen mit einem chinesischen Partner baut, werden mit knapp 21 Prozent Importzoll belegt. Wie sehr der Standort die Belastung bestimmt, zeigt das Werk in den USA: Grob die Hälfte der dort verkauften BMW fällt nicht unter die hohen Zölle, weil sie in Spartanburg gebaut werden.

Ein zweites Feld ist das Hybridauto. Es fiel bisher nicht unter die Schutzzölle, und chinesische Exporteure nutzten diese Lücke. Bei den Neuzulassungen in der EU sind die meisten Fahrzeuge Hybride. Im Oktober 2026 hat der EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič in Peking vereinbart, dass 2027 nur 350.000 chinesische Hybridfahrzeuge in die EU exportiert werden dürfen. Erwartet worden waren für dieses Jahr 800.000. In den vier folgenden Jahren darf die Menge jeweils um sechs Prozent steigen. Das verschafft der europäischen Autobranche Zeit, in diesem Segment aufzuholen. Die EU-Staats- und Regierungschefs müssen den Deal noch absegnen. Šefčovič selbst nennt ihn „einen entscheidenden ersten Schritt, aber eben nur den ersten Schritt“.

CDU/CSU

Die Programmlinie ist eindeutig: Die CDU/CSU im Europaparlament hält Strafzölle auf chinesische Elektroautos für eine angemessene Schutzmaßnahme. Die Geste folgt dieser Linie. Bundeskanzler Friedrich Merz fordert seit Monaten gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron ein härteres Vorgehen gegenüber China. Der Vorwurf lautet, China überschwemme den Binnenmarkt mit hochsubventionierten Produkten zu unschlagbaren Preisen. Die Spur liegt im Rat der EU, in dem die Mitgliedstaaten entscheiden, nicht im Bundestag.

AfD

Zu den Ausgleichszöllen und zum Hybrid-Abkommen ist für die AfD-Bundestagsfraktion keine Programmaussage, keine öffentliche Forderung und keine Abstimmung belegt. Das Raster bleibt leer. Eine Position wird in diesem Stück nicht aus dem Parteiprofil erschlossen.

SPD

Auch für die SPD-Bundestagsfraktion ist keine Position zu den Zöllen oder zum Hybrid-Abkommen belegt, die sich in Programm, Geste oder Abstimmung zuordnen ließe. Das Raster bleibt leer. Die Regierungsbeteiligung der SPD ersetzt keinen Beleg für eine eigene Position.

Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen sind im Bundestag Oppositionsfraktion. Für die Frage der Zölle ist keine Position der Fraktion belegt. Das Raster bleibt leer.

Die Linke

Für Die Linke gilt dasselbe: Keine Position zu den Zöllen oder zum Hybrid-Abkommen ist belegt. Das Raster bleibt leer.

Wort gegen Spur

Das stärkste Argument gegen Strafzölle lautet: China ist ein Absatzmarkt für deutsche Hersteller, und Gegenmaßnahmen können gerade dort treffen. Die Gegenseite hat dafür schon einen Anfang gemacht: China hat Exportbeschränkungen für Seltene Erden verhängt, wie berichtet wird. Die Fronten sind seit den Zusatzzöllen von bis zu 35 Prozent verhärtet. Dieses Argument stammt von keiner Partei im Raster, es trifft aber den Befund. EU-Zölle wirken auf Einfuhren in den europäischen Markt. Der Verlust bei BMW entsteht in China, hinter keiner EU-Grenze.

Die belegte Lücke zwischen Wort und Spur liegt bei der CDU/CSU. Sie befürwortet die Zölle im Europaparlament, und Bundeskanzler Friedrich Merz fordert seit Monaten Härte. Auf der EU-Ebene zählt die Abstimmung: Im Rat hat Deutschland gegen die Zölle gestimmt, und Anfang Oktober wurde ein Kompromiss gefunden, der 2027 nur 350.000 chinesische Hybridfahrzeuge zulässt, statt der erwarteten 800.000 in diesem Jahr. Ob die deutsche Stimme zur Forderung passt, hängt vom Datum ab, das in den hier ausgewerteten Quellen nicht genannt wird.

Der Schutz, den die Zölle versprechen, wirkt an der EU-Grenze. Der Verlust, um den es bei BMW geht, entsteht im Land, mit dem der Streit geführt wird.