Isabella M. Weber schlug 2022 mit dem Ökonomen Sebastian Dullien einen Gaspreisdeckel vor, Deutschland führte ihn nach ihrer Darstellung im Kern ein, und die AfD wuchs danach weiter. Im Herbst 2022 stieg sie laut Buch in Umfragen von rund 10 auf 15 Prozent. Ab 2023 galt der Deckel für die Haushalte. Im Februar 2025 wählten 20,8 Prozent die AfD.

Webers Buch „Antifaschistische Wirtschaftspolitik“ ist im Oktober 2026 in der edition suhrkamp erschienen, übersetzt aus dem Englischen. Seine Klappe verspricht eine Wirtschaftspolitik, ohne die sich der weitere Aufstieg der extremen Rechten nicht verhindern lasse; sein deutscher Fall endet mit dem besten Ergebnis, das die AfD je bei einer Bundestagswahl erzielt hat.

Ein Widerspruch ist das nicht, und genau darin liegt der Fehler. Den ersten Anstieg erklärt das Buch mit Gaspreisen, die niemand deckelte, den zweiten mit einem Deckel, der zu spät kam, mit der wieder angezogenen Schuldenbremse und mit der Rezession der Jahre 2023 und 2024. Jede dieser Erklärungen kann stimmen. Zusammen ergeben sie eine These, die jedes Wahlergebnis deutet: die Niederlage der extremen Rechten als Wirkung bezahlbarer Preise, ihren Sieg als Folge zu später Preisdeckel. So gebaut, kann sie an keiner Wahl scheitern.

Gemessen wird das Buch hier an seinem Titel. Wer eine Wirtschaftspolitik antifaschistisch nennt, behauptet, dass sie wirkt. Webers Rechnung, wer an der Inflation verdient hat, trägt. Ihr Beweis, dass bezahlbare Preise die extreme Rechte aufhalten, trägt nicht. Gerettet hätte das Buch ein einziger Fall, an dem seine These hätte scheitern können, durchgerechnet bis zur Zahl. Den Kandidaten dafür nennt es selbst.

Die Gewinnrechnung hält, die Ursachenrechnung nicht

Wo das Buch zählt, steht es fest. Eine Studie in der American Economic Review von 2024 misst den Anteil der obersten 0,1 Prozent der US-Unternehmen am Vermögen aller Unternehmen: 1930 lag er bei 47 Prozent, 2018 bei 88. Wer in der Inflation verdient hat, beziffern drei Ökonomen des Internationalen Währungsfonds in einem Arbeitspapier von 2023. Sie zerlegen den Anstieg des Konsumdeflators, des Preisindex für den privaten Konsum, im Euroraum von Anfang 2022 bis Anfang 2023; 45 Prozent davon entfallen auf Unternehmensgewinne. Für die USA beziffert das Buch den Anteil der Gewinne an der Wertschöpfung auf rund 12 Prozent Ende 2019 und 18,8 Prozent Ende 2023 und beruft sich auf eine Analyse der Notenbank von St. Louis. Was würde diese Rechnung widerlegen? Ein Gewinnanteil, der in der Inflation schrumpft. Die Zahlen messen das Gegenteil.

Dann wird aus der Rechnung ein Schluss. Das Arbeitspapier ist keine Position des Fonds, und es misst einen Anteil. Das Buch macht daraus eine Feststellung des Währungsfonds und eine Ursache: Die Gewinne seien für 45 Prozent des Preisanstiegs verantwortlich gewesen.

Stellen Sie sich vor, ein Arbeitgeberverband zerlegte denselben Anstieg, fände einen großen Anteil bei den Löhnen und folgerte daraus, die Gewerkschaften hätten die Inflation verursacht. Der Schluss wäre falsch, denn ein Anteil sagt, wohin das Geld floss, nicht, was den Anstieg auslöste. Beim Gewinn zieht das Buch genau diesen Schluss. Was würde ihn widerlegen? Eine Zerlegung kann es nicht, also kann sie ihn auch nicht tragen. Einen besseren Zeugen zitiert das Buch durchaus: Christine Lagarde, damals Präsidentin der Europäischen Zentralbank, nach deren Worten manche Branchen die Preise über den Kostenanstieg hinaus erhöhten. Das trägt die Aussage, dass Gewinne zur Inflation beitrugen. Die 45 Prozent als Ursache trägt es nicht.

Was das Buch dem Lehrbuch und Paul Krugman entgegnet

Den stärksten fachlichen Einwand kennt das Buch; es nennt ihn eines der wichtigsten Argumente gegen Preiskontrollen: Sie unterdrücken das Marktsignal. In seiner schärfsten Form heißt das: Ein Deckel lockt kein zusätzliches Angebot an und bremst keinen Verbrauch; bleibt die Menge knapp, bekommt das Gut, wer zuerst kommt, und den Anbietern fehlt der Grund, die Knappheit zu beenden.

Das Buch antwortet zweimal, und einmal trifft es. Zuerst mit der Pandemie: Die Lieferketten seien an materielle Grenzen gestoßen, nicht an falsche Preise. Zum Anreiz erzählt es von einem Besuch im Hafen von Los Angeles, wo die Reedereien bei Rekordgewinnen keine Eile gehabt hätten, den Stau aufzulösen. Das ist eine Beobachtung, kein Nachweis. Dann mit dem Gasdeckel, den Weber und Dullien vorschlugen: Der Staat sollte nur den Preis für die Menge festlegen, auf die Haushalte nicht verzichten können; jeden Verbrauch darüber sollte der Markt bepreisen. Das Signal bleibt damit dort, wo gespart wird, bei der zusätzlichen Kilowattstunde. Hier trifft das Buch den Einwand, weil es ihn ernst nimmt.

Bei den Mieten antwortet es anders. Zohran Mamdani trat im Wahlkampf um das Bürgermeisteramt von New York für einen Mietenstopp ein. Larry Summers hielt ihm, so das Buch, einen Satz aus den Lehrbüchern entgegen: „Mietpreisbremsen sind die zweitbeste Methode, eine Stadt zu zerstören – gleich nach der Bombardierung.“ Die Erwiderung an dieser Stelle ist ein Satz aus Mamdanis Antrittsrede: „Ich werde meine Prinzipien nicht aus Angst davor aufgeben, als radikal gebrandmarkt zu werden.“ Wie viele Wohnungen ein Mietenstopp kostet oder schafft, steht dort nicht. Erst im letzten Kapitel räumt das Buch ein, dass Mietenstopps nur kurzfristig entlasten und Neubau, die Vermietung leerer Wohnungen und besseren Nahverkehr brauchen.

Die Gegenposition mit Namen ist Paul Krugman. Der Nobelpreisträger nannte Webers Aufruf zu gezielten Preiskontrollen Ende 2021 öffentlich dumm, löschte den Beitrag und entschuldigte sich wenige Tage später. Im September 2022 befürwortete er sie für Europa als Maßnahme im Krieg, mit einer Grenze: Schlecht wäre es, wenn sie über die Notlage hinaus Bestand hätten. Weber hält dagegen, auch die Krise der Lebenshaltungskosten und die Bedrohung durch den Faschismus seien Notlagen.

Im Kapitel über diesen Streit besteht Weber darauf, sie habe nur gezielte, zeitlich begrenzte Preiskontrollen gefordert; im letzten Kapitel soll die Preisobergrenze für fossile Brennstoffe auch dann bestehen bleiben, wenn gerade kein Notfall herrscht. Das Buch vergleicht sie mit einer Autoversicherung, die niemand kündigt, nur weil er eine Weile unfallfrei fährt. Eine Grenze, die nur in der Krise greift, widerspricht Krugman noch nicht. Wer aber die Bedrohung durch den Faschismus zum Notfall erklärt, hat einen Notfall ohne Stichtag, an dem die Kontrollen wieder fallen. Das Buch kennt Krugmans Einwand und zitiert ihn; es beantwortet ihn, indem es den Notfall ausdehnt.

Worauf das Buch den Aufstieg der AfD stützt

Den deutschen Fall erzählt das Buch von innen; Weber legte ihren Vorschlag der Gaspreiskommission der Bundesregierung vor. Für die Wirtschaftsleistung spricht das Buch von einem Rückgang um 4,1 Prozent in den zwölf Monaten nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine; das Papier, auf das es sich stützt, von einem Verlust von rund vier Prozent in einem Jahr. Dieses Papier hat Weber mit Tom Krebs geschrieben. Den Anstieg der AfD von 10 auf 15 Prozent belegt das Buch mit demselben Papier und mit einem eigenen Gastbeitrag. Für den Kern des deutschen Falls, die Verbindung von Gaspreis und AfD, zitiert die Autorin vor allem sich selbst. Das macht ihre Zahlen nicht falsch. Eine andere Erklärung für den Aufstieg der AfD prüft das Kapitel aber nicht.

Für die Gegenrichtung führt das Buch Wahlsiege an, in New York, New Jersey, Mexiko und Spanien; Mamdanis Sieg beweise, dass bezahlbare Grundgüter die Demokratie beleben könnten. In der stärksten Lesart, die das Buch für die Abkehr von der Sparpolitik selbst wählt, wäre bezahlbare Grundversorgung keine hinreichende, aber eine notwendige Bedingung gegen die extreme Rechte. Was würde das widerlegen? Ein Land, in dem die extreme Rechte ohne eine solche Politik verliert. In den Kapiteln über Deutschland, New York und Spanien kommt ein solches Land nicht vor.

Den stärksten Einwand gegen diese Kritik liefert die Autorin selbst. Im Dank nennt sie ihr Buch einen Debattenbeitrag, keine akademische Arbeit. Von einem Debattenbeitrag Beweise zu verlangen, wäre kleinlich. Nur führt dasselbe Buch Wahlen als Beweis an, und wer das tut, muss sich an Wahlen messen lassen.

Der Kandidat ist Spanien. Die Regierung dort deckelte 2022 den Preis für Gas zur Stromerzeugung und begrenzte Mieterhöhungen auf zwei Prozent; bei der vorgezogenen Wahl 2023 verlor die extrem rechte Partei Vox nach dem Buch 19 ihrer 52 Sitze. Dass die Inflation in Spanien früher sank als im übrigen Euroraum, steht im Buch ohne Zahl. Was würde Webers These widerlegen? In Spanien hätte die Antwort mit dieser Zahl begonnen.

Was das Buch übersieht

Die bessere These steht nicht im Buch. Die extreme Rechte ist nicht das Ergebnis einer verspäteten Preisbremse, sondern einer Politik, die über Jahrzehnte nicht mehr geantwortet hat. Thomas Piketty hat beschrieben, wie Parteien links der Mitte in Frankreich, Großbritannien und den USA die Arbeiter verloren und die Akademiker gewannen. Italo Colantone und Piero Stanig zeigen, dass britische Regionen, die der Importdruck aus China über drei Jahrzehnte traf, häufiger für den Brexit stimmten, weil der Verlust der Arbeit ohne Ausgleich blieb. Für amerikanische Landkreise finden David Autor und seine Kollegen dasselbe Muster. Globalisierung war dort kein Begriff aus Leitartikeln, sondern ein geschlossenes Werk. Ernst zu nehmen ist die Gegenrechnung von Pippa Norris und Ronald Inglehart: Für Europa finden sie die stärkere Spur in der kulturellen Gegenreaktion, nicht im Geldbeutel. Beides spricht gegen Webers Kurzfristformel. Ein Preisdeckel kommt nach dreißig Jahren ohne Antwort zu spät, auch wenn er pünktlich kommt.