Fünf Abgeordnete, die sich nach der Wahl am 20. September schon auf ihren Plätzen wähnten, ziehen nicht ein. Das vorläufige Ergebnis rechnete mit 158 Sitzen, das amtliche kommt auf 153.

Das Abgeordnetenhaus ist also kleiner geworden. Warum, lässt sich in drei Schritten nachvollziehen.

Wie aus 158 Sitzen 153 wurden

Der Ausgangspunkt ist ein Übermittlungsfehler. Im Wahlkreis 1 in Spandau war ein Ergebnis falsch weitergegeben worden. Eine Nachzählung ergab, dass nicht die CDU-Bewerberin Bettina Meißner, sondern der AfD-Bewerber Tommy Tabor die meisten Erststimmen erhielt. Der Fehler war vor mehr als einer Woche bekannt geworden. Am 12. Oktober 2026 stellte der Landeswahlausschuss das Endergebnis fest.

Die Kette danach ist arithmetisch. Meißner zieht nicht ins Parlament ein, damit entfällt das Überhangmandat der CDU. Weil die übrigen Fraktionen dadurch weniger Ausgleichsmandate brauchen, fallen bei der Linken zwei Sitze weg, bei SPD und Grünen je einer. Die CDU verliert mit ihrem Überhang ebenfalls einen Sitz.

Dass ein Fehler erst durch eine Nachzählung sichtbar wurde, spricht für die Kontrolle. Aus dem Fall allein lässt sich aber nicht ablesen, wie verlässlich die Übermittlung am Wahlabend sonst ist.

Am deutlichsten wurde das für Martin Matz von der SPD, einen der fünf Fast-Abgeordneten. Zwei Wochen nach der Wahl, bei einer Preisverleihung im Wedding, erzählte ihm Regierender Bürgermeister Kai Wegner beiläufig, es gebe Unstimmigkeiten, in Spandau müsse neu ausgezählt werden. Dass die Neuauszählung auch seinen Platz betreffen könnte, habe er zunächst nicht begriffen, sagt Matz, und vermutlich Wegner auch nicht. Erst zu Hause rechnete er selbst nach: „Ups, das bin ja ich.“

Coco Aglibut von den Linken hatte nach eigener Aussage zunächst nicht mit dem Einzug gerechnet. Dass sie nun doch draußen bleibt, sei „nicht das Riesendrama“.

Wer wie viel verliert

Die Linke kommt auf 45 Sitze. Bei der Wahl hatte sie 25,7 Prozent geholt, mehr als jede andere Partei. Die CDU hat 33 Sitze (18,8 Prozent), die AfD 29 Sitze (16,3 Prozent), die Grünen 25 Sitze (14,3 Prozent) und die SPD 21 Sitze (12,1 Prozent).

Zieht man die Abzüge wieder hinzu, lag die Linke vor der Korrektur bei 47 Sitzen, die CDU bei 34, die Grünen bei 26 und die SPD bei 22. Die AfD gewinnt in Spandau ein Direktmandat. An ihrer Sitzzahl ändert das nichts. Die Summe stimmt: 158 minus fünf ergibt 153.

Wo die Mehrheiten liegen

Eine Mehrheit braucht hier 77 Sitze, denn die Hälfte von 153 sind 76,5. Linke, Grüne und SPD kommen zusammen auf 91. Die amtliche Mitteilung hält fest, dass die Änderung auf Koalitionsmöglichkeiten keine Auswirkungen hat.

Am 8. Oktober 2026 haben sich Linke, Grüne und SPD vor Beginn ihrer Sondierungen auf zwei Vereinbarungen verständigt, eine zu Antisemitismus und eine zur Organisierten Kriminalität. Die Antisemitismus-Vereinbarung verpflichtet Senats- und Fraktionsmitglieder auf eine Haltung, in der das Existenzrecht Israels nicht infrage gestellt wird. Das Papier nennt dieses Existenzrecht „unverhandelbar“. Verstöße können demnach auch mit dem Ausschluss von Personen geahndet werden.

Was als Nächstes ansteht

Der Koalitionsvertrag steht noch aus. Vor seinem Beschluss soll ein Gremium aus drei Experten benannt werden. Bei antisemitischen Vorfällen in den eigenen Reihen liefert es eine fachliche Einordnung, wenn mindestens einer der Parlamentarischen Geschäftsführer der drei Fraktionen das verlangt.

Ob aus der Rechnung eine Regierung wird, entscheidet der Vertrag, nicht die Zahl. Matz sieht im Fall den Beleg, dass das System funktioniert. Es hat den Fehler gefunden, bevor er amtlich wurde. Die Korrektur hat dafür fünf Sitze gekostet.