Im Jahr 2025 räumte Verteidigungsminister Boris Pistorius nach Tests Probleme ein: Softwarefehler, lange Übertragungszeiten, Schwierigkeiten im Zusammenspiel einzelner Komponenten, eine Reichweite, die nicht überzeugte. Am 12. Oktober 2026 sagt er nach Einsatztests unter Realbedingungen und einem Treffen mit Industrievertretern in Berlin: „Das System funktioniert.“ Gemeint ist D-LBO, die Digitalisierung Landbasierter Operationen. Das Ministerium beschreibt das Vorhaben nicht als bloßen Ersatz veralteter Funkgeräte, sondern als durchgängiges Führungs- und Informationssystem: Lagekarten, Positionsdaten und Befehle sollen zwischen Soldaten, Fahrzeugen und Gefechtsständen in Echtzeit ausgetauscht werden.

Der Satz ist ein Befund über die Technik, und er fällt besser aus als der des Vorjahres. Für die Ausstattung ist er kein Beleg. Meine These lautet: Die Erfolgsmeldung beantwortet die Frage, ob der Funk taugt. Das Versprechen, an dem das Projekt gemessen wird, beantwortet sie nicht. Es hängt an der Frage, ob das System in die Fahrzeuge passt, die eine Division bis Ende 2027 ausrüsten sollen. Das Kriterium dieses Kommentars ist Effizienz: Ob Geld und Termin zusammenpassen, ist die Frage, nicht ob die Technik im Test besteht.

Was der Gefechtstest belegt

Die Gegenposition ist stark, und in einem Punkt hat sie recht. Ihre stärkste Fassung lautet: Ein System, das unter Realbedingungen getestet wird, bevor es ausgerollt wird, ist richtig geprüft. Ein Minister, der das Ergebnis zurückhält, bis jede Fahrzeugfamilie eingebaut ist, hätte nichts gewonnen. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, sieht „sehr, sehr deutliche Fortschritte“. Im Relaisbetrieb, also bei Funkverbindungen über eine Zwischenstation, liege die Reichweite inzwischen bei mehr als 40 Kilometern, deutlich mehr als zu Jahresbeginn. Die Angabe stammt vom 12. Oktober 2026. Die Sprachqualität habe er beim Funken so noch nie erlebt. Reichweite und Übertragung sind genau die Punkte, bei denen die Tests des Vorjahres nicht überzeugten. Wer solche Werte vorweisen kann, entkräftet den Verdacht, das Projekt sei ein Versprechen ohne Substanz. Das ist ein Gewinn, und ihn kleinzureden wäre unehrlich.

Auch die Beteiligten zählen selbst auf, was noch fehlt. Im Dezember 2025 hatte Pistorius Vertreter der beteiligten Unternehmen ins Ministerium bestellt; Anfang Juli 2026 folgte ein weiteres Treffen, bei dem er von deutlich verbesserter Stabilität und Leistung des Gesamtsystems sprach. Am 12. Oktober räumt er ein, dass noch nicht alle Probleme behoben sind. Von allen Verantwortlichen sei ihm klar gesagt worden, man sei auf dem besten Weg, sagt er. Der Generalinspekteur betont, dass die Zeit bei der Umrüstung drängt. Der Rüstungskonzern KNDS bestätigt den Zielplan, bis Ende 2027 umzurüsten. Wer aus dem Ergebnis ein Ende der Pannen liest, übernimmt eine Lesart, die in den Worten der Beteiligten keine Stütze findet.

Was die Zusage an Fahrzeuge bindet

Zwei Daten liegen hier auseinander. Die Zusage an die Nato gilt bis 2025; dafür wurde die 10. Panzerdivision umgegliedert. Die digitale Ausstattung soll dagegen bis Ende 2027 stehen. Geplant ist die Umrüstung einer ersten Division mit rund 10.000 Fahrzeugen bis dahin. Pistorius gibt die Industriezusage so weiter: „Die Zusage der Industrie lautet weiterhin, die Division 2025 kann bis 2027 mit der D-LBO-Technik ausgestattet werden.“ Der Minister reicht also eine Zusage der Industrie weiter, und der Abstand zwischen den beiden Jahreszahlen bleibt in seinem Satz stehen.

Der Einbau ist der Teil, den die Erfolgsmeldung nicht vorführt. Die Geräte müssen in die Fahrzeugplattformen passen, vom Kampfpanzer Leopard 2 bis zum Spähwagen Fennek. Dort reichten teilweise schlicht der Platz oder die Batterieleistung nicht aus. Getestet wird auf Leopard-, Puma- und Marder-Panzern. Wie lange der Einbau in jede Fahrzeugfamilie der Division dauert, sagt der Test nicht. Ein Gerät, das im Gefechtsversuch Sprache überträgt, ist noch kein Fahrzeug, das es an Bord hat. Für den Soldaten im Panzer zählt, was in seinem Fahrzeug funkt, nicht, was auf dem Übungsplatz funkt.

Was auf dem Spiel steht, ist Geld. Aus dem Sondervermögen Bundeswehr von 100 Milliarden Euro sind 11,5 Milliarden Euro für D-LBO reserviert; die Angabe stammt vom 12. Oktober 2026. Dafür sollen Fahrzeuge funken, nicht bloß ein Funktionsbeweis vorliegen. Hier liegt die Aufgabe des Parlaments. Der Bundestag entscheidet über die Mittel im Haushalt, und der Verteidigungsausschuss sollte nicht nach dem Funktionstest fragen, sondern nach der Zahl der Fahrzeuge, in denen das System schon eingebaut ist, und nach dem Termin für den Rest. Scheitert der Einbau am Termin Ende 2027, bleibt vom Satz „Das System funktioniert“ ein Testergebnis, und erklären müsste ihn der Minister, der ihn gesagt hat.

Ich halte den Satz des Ministers für richtig und die Schlussfolgerung daraus für verfrüht. Das Urteil über den Digitalfunk fällt nicht auf dem Übungsgelände, sondern im Fahrzeug. Die Antwort liegt weder in Munster noch in Berlin, sondern an dem Panzer, in den der Funk eingebaut werden soll.