Am Dienstag, dem 13. Oktober 2026, bestätigte das Weiße Haus, dass Kimberly Guilfoyle zum Rücktritt von ihrem Posten als US-Botschafterin in Griechenland aufgefordert wurde. Pressesprecherin Katie Zacharia erklärte, man habe Botschafterin Guilfoyle gebeten zurückzutreten, und wünsche ihr alles Gute. Eine amtliche Begründung nannte das Weiße Haus dabei nicht.
Guilfoyle selbst hat sich nach Medienberichten nicht direkt zu den Vorwürfen geäußert.
Was Medien berichten
Den Anstoß für das Rücktrittsersuchen gaben Berichte, die das Wall Street Journal in einer Reihe von Artikeln veröffentlicht haben soll. Nach Medienberichten geht es um einen Vorgang vom 3. Juli 2025: Guilfoyle soll den Trump-Unterstützer und Anwalt Eric Deters über den verschlüsselten Nachrichtendienst Signal um 100.000 US-Dollar gebeten haben, um damit eine offene Rechnung bei American Express zu begleichen. In der Nachricht soll sie geschrieben haben, eine Direktüberweisung an die Kreditkartenfirma werde „nirgendwo aufscheinen". Der Zeitpunkt ist brisant: Nur sechs Tage später, am 9. Juli 2025, fand Guilfoyles Anhörung vor dem US-Senat zur Bestätigung als Botschafterin statt.
Deters soll die Zahlung abgelehnt haben – nach eigenen Angaben wegen der persönlichen Konsequenzen, nicht wegen rechtlicher Bedenken. Nach Medienberichten soll Guilfoyle ihm im Gegenzug Zugang zu hochrangigen Vertretern der Trump-Regierung in Aussicht gestellt haben, darunter den damaligen FBI-Direktor Kash Patel und die frühere Justizministerin Pam Bondi.
Über die Kreditkartenaffäre hinaus berichten Medien von weiteren Vorwürfen: Guilfoyle soll unangemessene Geschenke angenommen, Geschäftsinteressen gefördert und sich abfällig über die rumänische Regierung geäußert haben, was nach diesen Berichten zu diplomatischen Verstimmungen geführt habe. Die Aktor Group, ein griechisches Bau- und Energieunternehmen, soll durch Guilfoyles Vermittlung Zugang zu US-Beamten erhalten haben.
Die Vorwürfe sind nach Medienberichten Gegenstand einer Untersuchung durch den Generalinspektor des Außenministeriums. Ob die Prüfung zu diesem Zeitpunkt den Status einer förmlichen Untersuchung hat, blieb nach diesen Berichten unklar.
Wie die Beteiligten reagierten
Guilfoyles Anwälte bestreiten jedes Fehlverhalten. Sie erklärten nach Medienberichten, bei den angeblichen Zahlungsforderungen habe es sich um ausstehende Honorare für Redeauftritte und Reisen vor Guilfoyles Nominierung gehandelt – nicht um eine unzulässige Bitte um Gefälligkeiten.
Außenminister Marco Rubio hatte sich bei einem Besuch in Athen zunächst öffentlich hinter Guilfoyle gestellt und das Botschaftspersonal gelobt. Als weitere Berichte erschienen, verweigerte er jeden Kommentar zu den konkreten Vorwürfen. Am Fuß seines Flugzeugs, während Guilfoyle ihn verabschiedete, wies er Journalistenfragen zurück: Ein Medienbericht sei nicht automatisch die Wahrheit, und er kommentiere nicht, was er nicht überprüfen könne. Nach Medienberichten wuchs seine Frustration mit jeder neuen Veröffentlichung.
Präsident Donald Trump hatte sich am 12. Oktober 2026 – dem Tag vor dem offiziellen Rücktrittsersuchen – öffentlich geäußert: Man sei „nicht glücklich" und prüfe eine Entlassung. Das Weiße Haus handelte am Folgetag.
Was offen bleibt
Eine amtliche Mitteilung, die konkrete Vorwürfe benennt oder das Rücktrittsersuchen begründet, liegt nicht vor. Ob Guilfoyle dem Ersuchen nachkommt oder eine förmliche Entlassung folgt, ist zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung ungeklärt. Unklar ist auch, wann der Generalinspektor des Außenministeriums seine Prüfung abschließt und ob der US-Senat die Vorwürfe aufgreift. Disziplinar- oder strafrechtliche Konsequenzen der Untersuchung stehen ebenfalls aus.
