Der Konvoi verließ am Samstag, dem 19. Juli 2026, die strategisch bedeutende Stadt Anefis in Richtung Gao, als er bei Tabrichat angegriffen wurde. Aus Militärkreisen und von einem der Junta nahestehenden Kommunalpolitiker hieß es, die vorläufige Bilanz sei „äußerst schwerwiegend": Mehr als 50 Soldaten getötet, mindestens 24 gefangen genommen. Das malische Militär bestätigte den Angriff in einer Pressemitteilung, nannte zunächst keine Opferzahlen und erklärte, die Luftwaffe habe nach dem Hinterhalt mehrere mutmaßliche Stellungen der Angreifer bombardiert; der Konvoi habe den Hinterhalt durchbrochen und seine Fahrt fortgesetzt.
Aus einer Quelle in der malischen Armee wurde bekannt: „Einige unserer Männer wurden regelrecht hingerichtet." Untersucht werde, welche taktischen Fehler die schwere Niederlage verursacht hätten.
JNIM und FLA bekannten sich in getrennten Erklärungen gemeinsam zu dem Angriff. Sie sprachen von „großen menschlichen Verlusten" und „schwerwiegenden materiellen Schäden" auf Seiten der malischen Streitkräfte. Der Konvoi habe sich laut beiden Gruppen aus malischen Soldaten und Mitgliedern des russischen Afrikakorps zusammengesetzt.
Ein Zweckbündnis, das die Kräfteverhältnisse verändert
JNIM – die „Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime" – ist der Sahel-Zweig des Terrornetzwerks al-Qaida. Die FLA, die Befreiungsfront des Azawad, entstand 2024 aus dem Zusammenschluss mehrerer von Tuareg geführter Separatistenbewegungen, die seit Jahren für einen unabhängigen Staat im Norden Malis kämpfen.
Beide Gruppen hatten sich bis Ende April 2026 überwiegend bekämpft. Analysten zufolge haben sie seither ein Zweckbündnis gebildet, mit dem gemeinsamen Ziel, die Junta in Bamako zu schwächen. Anfang Juli übernahmen JNIM und FLA in einer koordinierten Offensive vorübergehend die Kontrolle über Anefis selbst und umzingelten dabei das Militärlager, das von malischen Soldaten und russischen Paramilitärs des Afrikakorps verteidigt wurde.
Der Hinterhalt vom 19. Juli war der nächste Schritt: Der Konvoi, der Anefis nach diesen Kämpfen verließ, fuhr direkt in eine vorbereite Falle. Aus der Region wurden Koordinierungsprobleme zwischen dem russischen Afrikakorps und der malischen Armee gemeldet. Ein Regionalpolitiker sagte, die russischen Kräfte hätten Gao bereits erreicht und keine Verluste erlitten, als der Konvoi angegriffen wurde.
Kriegsverbrechen-Vorwurf: Was Amnesty und die UN dokumentierten
Amnesty International analysierte nach eigenen Angaben Videomaterial aus dem Kontext des Angriffs und stellte fest, dass sich ergebende Soldaten erschossen wurden. Die Organisation forderte eine Untersuchung dieses Vorgehens als mögliches Kriegsverbrechen. Auch der UN-Hochkommissar für Menschenrechte verurteilte die Tötung ergebender Soldaten und forderte Rechenschaft.
Die malische Armee und die Junta unter General Assimi Goïta – der nach einem Putsch 2021 die Macht übernahm und im Mai 2026 das Verteidigungsressort persönlich übernahm, nachdem der amtierende Verteidigungsminister bei Angriffen getötet worden war – haben sich zu diesen Vorwürfen nach Berichten nicht öffentlich geäußert.
Was der Angriff über die Lage in Mali zeigt
Mali wird seit 2012 von einem bewaffneten Konflikt erschüttert. Seit den Putschen 2020 und 2021 regiert eine Militärjunta, die 2023 die UN-Friedensmission MINUSMA aus dem Land wies und stattdessen auf die Unterstützung des russischen Afrikakorps setzt. Das Ergebnis ist im Gelände sichtbar: Die JNIM hat ihre Operationen über Zentral- und Nordmali ausgeweitet, die FLA kontrolliert wachsende Teile des Nordens, und seit September 2025 blockieren die Gruppen gemeinsam wichtige Zufahrtswege nach Bamako, Kayes und Sikasso.
Versprochen war mit dem russischen Einsatz mehr Sicherheit; im Sommer 2026 zieht sich das Afrikakorps Berichten zufolge aus Positionen im Norden zurück. Der Hinterhalt bei Anefis ist einer der tödlichsten Angriffe auf die malische Armee seit Jahren – und er ereignete sich, obwohl russische Kräfte Teil des Konvois waren.
Das Auswärtige Amt hat eine Reisewarnung für Mali ausgesprochen und fordert deutsche Staatsangehörige auf, das Land auf dem Luftweg zu verlassen. Bundesaußenminister Johann Wadephul besuchte im Juli 2026 Mauretanien und Nigeria, um Partnerschaften in der Region zu stärken und sprach dabei unter anderem über Extremismusprävention. Ob und wann die JNIM-FLA-Koalition ihren militärischen Vorstoß fortsetzt, hängt davon ab, ob die Junta den Norden Malis erneut stabilisieren kann – bislang fehlt dafür der Beleg.
