Der neue Roadster ist eine Vorbestellung mit Schaueffekt, noch keine Serie. Mitte Oktober 2026 zeigte Tesla in Texas einen Prototyp des Sportwagens. Auf einer Rampe fährt er kopfüber, dreht sich aus der Überkopflage und landet gedämpft durch Triebwerke. Bei derselben Vorführung flog er über geparkte Fahrzeuge und vollführte eine seitliche Rolle. Aus dem Stand erreichte er 60 Meilen pro Stunde in 0,81 Sekunden, gemessen in der Vorführung des Herstellers. Das Serienmodell, kündigte Musk an, werde noch schneller sein. Die Schubdüsen hatte Musk schon 2018 versprochen. Über das Spektakel ist viel geschrieben worden. Die Antwort auf die Frage, was man dafür zahlt und wann man das Auto bekommt, lautet: Reservierungsgeld zwischen 50.000 und 250.000 Euro, Produktionsstart 2028, kein Preis.
Gemessen wird an einem Kriterium, das sich nicht verhandeln lässt: Ein Produkt ist serienreif, wenn Preis, Stückzahl und Zulassung feststehen. Beim Roadster fehlen Preis und die Stückzahl der Triebwerksversionen, und für den Flugbetrieb ist die Zulassung ausdrücklich nicht gegeben. Daran gemessen ist der Wagen ein Ausstellungsstück. Die These fiele, sobald Tesla Preis und Stückzahl nennt und die Flugzulassung in Aussicht stellt.
Was die Reservierung verlangt
Konkret ist, was Tesla verlangt. Nach dem Stand der Vorführung zahlt, wer die Basisversion Performance reservieren will, zunächst 5.000 Euro und binnen zehn Tagen weitere 45.000 Euro. Bei der Version Thrust mit zusätzlichen Beschleunigungsdüsen sind es erst 5.000 Euro, dann 245.000 Euro, insgesamt 250.000 Euro: fünfmal so viel wie für die Basisversion. Vollständig erstattet wird nach Angaben der Tesla-Website nur die erste Rate. Bestellbar sind alle drei Versionen schon jetzt auf der Unternehmenswebseite, auch für Deutschland. Die Rocket-Version, die fliegen kann, gibt es nur auf Einladung, und sie ist möglicherweise nicht in allen Regionen verfügbar.
Stellen Sie sich einen deutschen Hersteller vor, der 250.000 Euro Vorauszahlung verlangt für ein Auto ohne Preis, dessen Flugmodus im öffentlichen Straßenverkehr nicht zugelassen ist. Man würde es Vorkasse nennen. Bei Tesla heißt es Reservierung.
Eine Stückzahl für die Triebwerksversionen nennt Tesla nicht. Gleichzeitig hat Elon Musk den Roadster als das letzte Tesla-Fahrzeug beschrieben, das noch von Menschen gefahren werden solle. Bei Tesla hat er den Fokus auf autonomes Fahren und humanoide Roboter erklärt, statt auf den heutigen Autoverkauf. Für das Modell, das als letztes von Menschen gefahrenes gelten soll, nimmt dasselbe Unternehmen schon heute Reservierungsgeld.
Wer über Preis, Stückzahl und Flugmodus entscheidet, ist im Fall Roadster eindeutig: das Unternehmen. Dessen Chef führt zugleich die Raumfahrtfirma SpaceX, deren Kaltgas-Triebwerke im Auto stecken. Solange Stückzahl und Preis fehlen, stellt sich die Frage nach Arbeitsplätzen und Standorten an diesem Auto gar nicht. Für Hersteller, die vom Autoverkauf leben, zählt dagegen eine andere Nachricht: Der Konzern, der ihnen Konkurrenz macht, rückt den heutigen Autoverkauf nach Musks Worten in den Hintergrund.
Die beste Verteidigung des Roadsters
Die stärkste Gegenposition hat drei Argumente, und keines davon ist dumm. Erstens: Wer Reservierungsgeld zahlt, stimmt mit Geld ab, und das ist ein härterer Nachfragebeleg als jede Umfrage. Zweitens: Die Technik ist real. Gene Munster, geschäftsführender Partner von Deepwater Asset Management und Tesla-Optimist, nennt die Vorführung in einem Beitrag auf X eine „Demonstration ingenieurtechnischen Könnens“. Nach Herstellerangaben können die Triebwerke innerhalb von Sekundenbruchteilen kleinste Korrekturen vornehmen. Drittens: Die erste Rate von 5.000 Euro ist vollständig erstattbar, das Risiko am Einstieg bleibt begrenzt.
Die Antwort ist knapper, und sie trifft. Eine Reservierung zeigt Interesse an einem Termin, der 2028 heißt. Sie beweist, dass Menschen zahlen wollen, nicht dass ein Serienwagen mit Preis und Stückzahl existiert. Eine korrigierte Fluglage beweist die Technik, nicht das Geschäft. Munster liefert den Einwand gleich mit: Die Demonstration habe „ohne kommerziellen Wert“ zu sein, „abgesehen davon, traditionelle Autohersteller bloßzustellen“. Damit benennt ein Befürworter, worum es bei der Show auch geht – um die alten Hersteller, nicht um den Kunden. Den Termin 2028 stellt Karl Brauer, leitender Analyst bei iSeeCars, infrage: „Ich rechne lieber nicht fest damit.“ Auf die Frage, ob ein Auto, das über kurze Strecken fliegt, das Risiko tödlicher Unfälle und juristischer Klagen birgt, antwortet er: „Ebenfalls ja.“ Das einzige echte Zugeständnis an die Gegenseite ist die Erstattung, und es ist klein: Nach Angaben der Website sind 5.000 von 250.000 Euro vollständig erstattbar.
Gezeigt hat Tesla einen Wagen, der fliegen kann. Bezahlt werden soll er, bevor Tesla den Preis nennt.
