Beim AfD-Parteitag in Erfurt am 4. Juli 2026 stand erst einmal die Logistik der Macht: Weidel und Tino Chrupalla wurden als Führungsduo bestätigt, die Abläufe verliefen routiniert, die Demonstrationen draußen laut. Weidels 81,3 Prozent sind eine Verbesserung gegenüber den 79,8 Prozent ihrer ersten Wahl. Das ist kein Triumph, aber ein stabiles Mandat.

Was der Parteitag daneben zeigte, ist relevanter: Der rechte Flügel um Björn Höcke zog einen eigenen Antrag im letzten Moment zurück, ohne dass die Details je öffentlich wurden. Weidel stellte eine Überarbeitung der Unvereinbarkeitsliste in Aussicht — jenes Regelwerks, das formell bestimmt, mit welchen Organisationen AfD-Mitglieder nicht gleichzeitig aktiv sein dürfen. Eine Überarbeitung kann Öffnung bedeuten oder Schließung; der Parteitag ließ die Richtung offen. Programme sollen 2027 neu gefasst werden. Weidel verließ Erfurt gestärkt im Amt, ohne eine inhaltliche Festlegung getroffen zu haben, die sie binden würde.

Im Bundestag: Anträge als Sendeformat

Im Juni und Juli 2026 begleitete die AfD-Fraktion — Weidel ist Co-Vorsitzende — die Haushaltsberatungen mit einer Reihe von Anträgen: Absenkung der Lkw-Maut, Abschaffung des CO₂-Preises, Forderung nach einem umfassenden Migrationsbericht, Neuausrichtung der Erinnerungskultur. Alle Anträge wurden abgelehnt. Das war vorhersehbar; es war auch der Punkt.

Weidel präsentierte in der Generaldebatte zum Haushalt 2026 einen zwölf Punkte umfassenden „Deutschlandplan". Den Haushaltsentwurf der Bundesregierung — 555 Milliarden Euro Ausgaben, 118,7 Milliarden Euro Nettokreditaufnahme für 2027 — nannte sie einen „absoluten Horrorhaushalt". Der Alternativhaushalt der AfD aus dem November 2025 hatte Einsparungen von 54,7 Milliarden Euro bei Entlastungen für Bürger und Wirtschaft vorgesehen. Auch er fand keine Mehrheit.

Weidels Abstimmungsdaten auf abgeordnetenwatch.de belegen punktuelle Teilnahmen, zum Beispiel bei Abstimmungen zu Emissionsobergrenzen am 11. Juni 2026 und zur Vaterschaftsanerkennung am 12. Juni 2026. Eine vollständige Auswertung der Anwesenheitsquote für den gesamten Zeitraum ist aus den verfügbaren Daten nicht zu erstellen; dieses Bild bleibt lückenhaft.

Das ZDF-Interview: Programm als Provokation

Am 23. August 2026 erschien Weidel im ZDF-Sommerinterview. Das Interview fand kurz vor mehreren Landtagswahlen statt, und Weidel nutzte das Format präzise.

Sie bekräftigte den Euro-Austritt: Deutschland werde unter einer AfD-Regierung aus der Gemeinschaftswährung austreten. Ökonomen warnen vor erheblichen Folgen — Finanzmarktturbulenzen, Kapitalflucht —, doch konkrete Übergangspläne nannte Weidel nicht. Sie forderte den Austritt aus dem Schengen-Abkommen und die Rückführung aller Syrer, bezeichnete die aktuelle Asyl- und Integrationspolitik als Verstoß gegen internationale Abkommen. Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil nannte sie „Flachzangen".

Die Umfragewerte geben ihr kurzfristig recht: 27 bis 29 Prozent bundesweit, deutlich vor CDU/CSU. Weidel sprach von Regierungsverantwortung als nächstem Schritt. Dass alle anderen Bundestagsparteien eine Koalition mit der AfD ausschließen, ließ sie im Interview als vorübergehende Haltung gelten.

Nachdem die AfD das Tariftreuegesetz im Bundestag abgelehnt hat, passt es nicht ohne Weiteres zu ihrem Selbstbild als „neue Partei der Arbeitnehmer" — Weidel hat diesen Widerspruch im Sommerinterview nicht ausgeräumt.

Bilanz

Wohin läuft die Person? Weidel ist stabile Co-Vorsitzende einer Partei, die in Umfragen ihr stärkstes Ergebnis seit Bestehen erzielt. Sie bewegt sich auf dem Kurs: maximale programmatische Schärfe, minimale institutionelle Bindung. Der Parteitag hat ihr Mandat verlängert, ohne ihre politische Handlungsfähigkeit zu erweitern.

Echter Beitrag: Im Berichtszeitraum gibt es keinen zu verzeichnen, der über die parlamentarische Kulisse hinausginge. Kein Gesetz, keine Entscheidung, keine belegbare institutionelle Wirkung. Ihre Wiederwahl sichert den Fortbestand der Parteiführung; das ist ein organisatorischer, kein politischer Beitrag.

Irrelevantes: Die Haushaltsanträge der AfD waren Positionierungen für die eigene Klientel, nicht ernsthafte Verhandlungsangebote. Sie sind in den Parlamentsprotokollen verzeichnet und dort begraben.

Pose & Klamauk: Das „Flachzangen"-Urteil über Merz und Klingbeil im öffentlich-rechtlichen Sommerinterview, die Ankündigung des Euro-Austritts ohne Übergangskonzept, der zwölf Punkte starke „Deutschlandplan" ohne Umsetzungskosten — das sind Aussagen, die für das eigene Publikum gemacht werden, nicht für einen politischen Prozess. Weidel ist gut darin, die Lage zu benennen, wie sie sie sieht. Dass sie sie verändern könnte, hat der Zeitraum nicht gezeigt.

Die AfD liegt bei knapp 29 Prozent. Weidel hat keine Koalition. Der Abstand zwischen beidem ist das Maß ihrer politischen Lage.