Die Effizienz-Frage ist eindeutig: Eine Vermittlung, die nach mehr als viereinhalb Jahren Krieg weder Positionen verschiebt noch Garantien erzeugt, produziert Schein, keinen Frieden.
Die stärkste Verteidigung dieser Mission lautet: Ohne Kontakt kein Gespräch, ohne Gespräch keine Chance. Wer die Kanäle offenhält, verhindert zumindest die vollständige Eskalation. Drei Stunden mit Putin, „inhaltsvoll" laut Selenskyj — das ist mehr als nichts, und in einer Lage ohne gute Optionen zählt jeder Millimeter.
Das stimmt, und es verdient seine faire Darlegung. Aber der Millimeter-Maßstab verdeckt das eigentliche Problem: Die Grundfragen sind nach diesem Besuch unberührter als zuvor. Russland fordert weiterhin die vollständige Abtretung von vier Regionen und ukrainische Neutralität. Die Ukraine besteht auf Sicherheitsgarantien und lehnt Kapitulations-Formeln ab. Was Witkoff und Kushner zwischen diesen Positionen vorgelegt haben, beschreibt das Weiße Haus als „substanzielle Pläne für die nächsten Schritte" — Formulierungen, die präzise das Gegenteil von Substanz sind.
Entlang der Effizienz-Achse: Was hat diese Mission bewegt? Sie hat Signale gesetzt, Atmosphäre erzeugt und nichts verändert. Das Institut für Kriegsstudien (ISW) sieht nach den Gesprächen keine Kompromissbereitschaft bei Putin. Selenskyj hat nach dem Treffen nicht von einem Durchbruch gesprochen, sondern von einem „Winterpaket" — Luftverteidigung, Energiehilfe, Vorbereitung auf den Fortgang des Krieges,. Gut darin, die Erwartungen zu managen; deutlich schwächer darin, die Lage zu verändern.
Die 72-stündige Feuerpause illustriert das besonders klar. Putin verhängte sie unilateral als „Vorboten" des Besuchs — und beendete sie ebenso unilateral,. Kein Verhandlungsprotokoll, keine Reziprozität, kein Mechanismus. Selenskyj akzeptierte die Spiegellogik: keine ukrainischen Drohnen auf Moskau, dafür keine russischen Raketen auf Kiew — für 72 Stunden. Das war keine Einigung, das war eine Choreografie. Russische Angriffe auf andere Teile der Ukraine liefen währenddessen weiter. Die Feuerpause galt der Hauptstadt, nicht dem Krieg.
Das Strukturproblem liegt tiefer. Frühere Verhandlungsinitiativen — die Genfer Dreiergespräche im Februar 2026,,, die US-Strategieverschiebung von Militärhilfe zu Verhandlungsdruck seit dem Amtsantritt Trumps — haben dasselbe Muster produziert: konstruktive Atmosphäre, keine Positionsverschiebung. Die DGAP hat die Dynamik präzise beschrieben: Theater für Trump, der einen schnellen Abschluss braucht, aber keine der Parteien zur wesentlichen Konzession zwingen kann.
Trumps Ansatz unterscheidet sich von der Biden-Ära nicht in den Zielen, sondern in den Instrumenten. Biden setzte auf Erschöpfung durch Unterstützung; Trump setzt auf Druck durch Entzug. Beide Strategien scheitern an derselben Stelle: Weder Russland noch die Ukraine haben einen Anreiz, zu einem Zeitpunkt nachzugeben, an dem die Frontlage noch nicht entschieden ist. Putin glaubt, dass er Zeit hat. Selenskyj weiß, dass Zugeständnisse ohne Garantien ihn politisch vernichten und das Land militärisch exponieren. Witkoff und Kushner können an dieser Kalkulation nichts ändern — nicht, weil sie schlechte Diplomaten wären, sondern weil kein Vermittler ohne Hebelwirkung Positionen bewegt, die auf Interessen, nicht auf Missverständnissen beruhen.
Was wäre das Gegenteil einer Mission ohne Hebelwirkung? Sicherheitsgarantien mit handfestem Gehalt: Stationierung, Bündniszusage, automatische Beistandsklausel. Oder Sanktionsdruck auf Moskau, der die Kosten des Weitermachens tatsächlich erhöht. Oder beides. Die Trump-Administration hat für beides kein Interesse signalisiert; sie sucht die Geste, nicht die Garantie.
Moskau hat das Treffen gelobt. Das ist das genaueste Urteil, das es gibt.
